Kommentar: Die effektivsten Totengräber des stationären Handels meinen es ja nur gut!

„Und wenn der letzte Laden geschlossen hat und die letzte verödet ist, werdet ihr feststellen, dass ein Webshop immer auf hat und alles mit euren Daten macht“ 

In vielen Beiträgen wird oft darüber berichtet, wie wichtig ein funktionierender Handel für eine lebenswerte Innenstadt ist. Das hat auch die Bundesregierung verstanden und daher die Dialogplattform Einzelhandel ins Leben gerufen, die sich mit genau diesen Zukunftsthemen beschäftigt. Dort haben sich viele engagierte Verbände, Unternehmen und Institutionen an einen Tisch gesetzt, um gemeinsam gesellschaftliche Verantwortung in Zukunftsgestaltung zu verwandeln. Man will das Beste, und stellt dabei immer wieder fest, dass es aber nicht bei allen so ist. Unter dem Vorwand, das Beste zu wollen, haben sich 2 Totengräber des Handels ganz besonders hervorgetan, die ich hier einmal Vorstellen möchte:

Totengräber Nr. 1: Falsch operierende Gewerkschaften

Nicht, das es falsch verstanden wird: Würde es keine Gewerkschaften geben, würde ich noch heute am Tag eine gründen. Eine, die Verantwortung übernimmt, indem sie als wichtiger Teil der Gesellschaft aktiv Zukunft mit gestaltet. Eine, die ihren Mitgliedern gegenüber wahrhaftig ist und so die aktuelle Realität in diese Prozesse mit einbezieht. Ich würde sie gründen, denn es gibt sie leider nicht. Was es aber gibt: Ein sehr rückwärtsgewandter Club, der unter dem Vorwand, seine Mitglieder zu schützen, genau deren Zukunft massiv gefährdet. Einem Handel, dem als neuen Wettbewerber das längste Regal des Universums mit 24/7 entgegen steht. Dem man die vom Shopper gewünschte Sonntagsöffnung verbietet und so die Branche in der Vergangenheit verharren lässt. Das Ergebnis sind Umsatzverschiebungen in Richtung eCommerce, Ladenschließungen und Arbeitsplatzabbau. Man meint es ja schließlich gut.

Kontrolliertes Verhindern der Wettbewerbsfähigkeit

Die Chance der Wettbewerbsfähigkeit wird dem Handel mit seinen Mitarbeitern verwehrt. Das veränderte Kundenverhalten wird ignoriert, ebenso kann der Handel seine neue Aufgabe als Freizeitangebot nicht zu den Zeiten, an denen Verbraucher Zeit haben, verwirklichen. Das ist die Realität der aktuellen Handelswelt, der man sich stellen muss. Und das funktioniert nicht, in dem man seine Präsenz dem Kunden gegenüber beschränkt. Verkaufsoffene Sonntage sind weltweit akzeptiert, nur in Deutschland verhindern Totengräber die Zukunft des Handels. In einem Podcast haben wir das Thema bereits diskutiert.

Totengräber Nr. 2: Populistische NGO´s

Auch hier bitte nicht falsch verstehen: Ich halte den Datenschutz für überaus wichtig, wenn er mit Augenmaß und vor allem gesunden Menschenverstand agiert! Aber was passiert in der Realität?

Erinnern Sie sich, welche Fragen die Volkszählung in den 80ern zum Scheitern gebracht hat? Da ging es um Familienstand, Wohnung, Fahrt zur Arbeitsstätte mit welchem Verkehrsmittel oder Anzahl der Badezimmer im Haus. Das Argument der Datenschützer: Man kann auf Grund der Antworten diese einer bestimmten Person zuordnen. Hätte man den Aktivisten damals gesagt, dass 25 Jahre später die selben zu schützenden Bürger alle diese Informationen mit Namen in ihren Facebookprofilen haben, hätten sie es nie geglaubt. Hätte man ihnen gesagt, dass jeder dann einen Peilsender in Form eines Handys mit sich trägt, der die gesamte Kommunikation, Bewegungsprofile und Surfverhalten kontrolliert….man wäre sicherlich belächelt worden. Oder noch besser: Millionen Menschen stellen sich eine Wanze (Amazon Echo) ins Zimmer, die alle Gespräche abhört und an einen ausländischen Server weitergibt…keiner hätte das geglaubt. Was lernen wir daraus? Die Datenschutzsensibilität sinkt proportional zum Nutzen, die gespendete Daten clever aufbereitet dem Nutzer anschließend geben. Und das Beste: Die Menschen entscheiden selbst, was datentechnisch für sie in Ordnung ist.

Beispiel Onlineshoppen: Die Auswertung von Surfverhalten und gesetzten Cookies verhindert die Belästigung nicht relevanter Werbebotschaften und sorgt zugleich dafür, dass ich Informationen und Produkte leichter finde. Im Web wird man eh zu 100% überwacht, das macht den Konsumenten nichts aus. Im stationären Handel will man das auch tun: Real hat in Zusammenarbeit mit Echion einen Versuch gestartet, durch Gesichtserkennung genau diesen Einkaufskomfort des Webshoppens in die reale Welt zu pushen. Wir haben an dieser Stelle bereits berichtet. Aus internen Quellen wurde zuverlässig versichert, dass sich die Installation vollkommen im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen bewegt hat. Aus früheren Projekten kenne ich die Sorgfalt und Umsicht des entsprechenden Datenschutzbeauftragten.

Über das Führen von Scheingefechten

Was ist nun passiert: Eine NGO, die sich damit brüstet, „lebenswerte Welt im digitalen Zeitalter“ sicherzustellen, hat Anzeige gegen Real erstattet (hier der Link). Damit wird erst einmal Öffentlichkeit geschaffen, um die es primär geht, denn der Verein lebt von Spenden und Sponsoring. Leider muss sich mit einer vollkommen aussichtslosen Anzeige gegen eine gesetzeskonforme Handlung erst einmal ein Gericht beschäftigen, das eh schon überlastet ist.

Der Wert von Datenschutz bzw. das Verhalten der Menschen in dem Bereich ist dem Verständnis der NGO´s mindestens 15 Jahre voraus. Wer in diesen Scheingefechten auf der Strecke bleibt: Der Handel mit seinen Mitarbeitern.

Mehr Augenmaß und gesunder Menschenverstand

Grundsätzlich muss nun eines Einzug halten: Die Diskussion über Fakten, weniger ideologie- oder emotionsgetrieben. Alle, aber auch alle Verbände, Vereine oder andere gesellschaftliche Institutionen sollen eine Hauptaufgabe an die Spitze stellen: Verantwortung für die konstruktive Gestaltung der Zukunft zu übernehmen und nicht das Bewahren überkommener Strukturen. Packen wir es an!

Beitragsbild: Gratisography.com

 

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