Pro & Contra: Rewe holt sich Starbucks ins Haus

/ Lesedauer: 3 Minuten 6 Sekunden

Rewe, einer der führenden Lebensmitteleinzelhändler Deutschlands, und die Starbucks Coffee Company haben eine neue Partnerschaft bekanntgegeben. Im Rahmen der Partnerschaft werden im Laufe des Jahres 2016 Starbucks Stores in Rewe-Märkten in Großstadtlagen mit dem gewohnten Starbucks-Angebot an hochwertigen Kaffeesorten, Getränken und Speisen für den direkten Verzehr vor Ort oder für unterwegs (on the go) eröffnen.

Unsere Experten Kathrin Mussmann und Frank Rehme bewerten diesen Schritt sehr unterschiedlich.

PRO

Frank Rehme

Das ist ein guter Schachzug, der sich nahtlos in die Zukunftsstrategie der Rewe einreiht. Denn Rewe hat eines verstanden: Dass die Kombination Lebensmittel-Einkauf und Gastronomie eine Zukunft hat, wie viele nationale und internationale Beispiele zeigen.

Dabei hat die Rewe Strategie einen Vorteil: Nur wer eine neue Lösungen ausprobiert, wird die Richtige auch finden. Das hat sich bei dem mittlerweile eingestellten Konzept „Made by Rewe“ gezeigt sowie dem Modell „oh Angie“, dass derzeit in Berlin getestet wird. Rewe zeigt Mut, testet neues, und unter dem Aspekt kann man sicherlich die Starbucks Aktivität betrachten.

Das passt ideal zu den Herausforderungen, die Starbucks gerade zu bewältigen hat: Das Wachstum im klassischen Filial-Bereich ist begrenzt, Wettbewerber die das Konzept kopiert haben erzeugen entsprechenden Marktdruck.

Die Vorteile der Kooperation liegen aber auf der Hand: Mit Starbucks holt man sich zusätzliche Laufkundschaft ins Haus und steigert den „Coolness- und Lifestyle Faktor“ seiner Marke.

Während der Wettbewerber in der Werbung der coolste ist, hat Rewe den coolen PoS. Dabei macht es durchaus Sinn, den sonst obligatorischen Backwaren-Konzessionär zu kündigen und den Backwaren-Umsatz  in die eigene Tasche zu wirtschaften. Die eigene Backtheke neben dem hippen Kaffeeröster sozusagen.

Richtig interessant wird es allerdings, wenn man das ganze Zukunftspotenzial betrachtet: Der Starbucks-Drive In kombiniert mit dem Rewe Online-Angebot: Im Internet bestellen, nach Büroschluss abholen und zugleich noch einen Kaffee genießen, und das alles ohne auszusteigen.

Es bleibt spannend, aber was immer auch passiert: Man muss testen, testen und nochmal testen. So entstehen Innovationen, und die braucht der Handel dringend!

CONTRA

Kathrin Mussmann

Für mich stellt sich zunächst einmal die Frage, ob man das klassische Konzept des vorgelagerten Cafes wählen oder eine Lösung auf der Fläche anbieten wird. Ohne das bisherige Konzept von Rewe zu verändern, halte ich Zweiteres für eher unwahrscheinlich erwarte daher eine klassische Anordnung.

Das allerdings ist an sich kein wirklich großer Wurf. Zwar reagiert man damit auf die Entwicklung, dass die bisherigen Bäckereiketten, die wir im Eingangsbereich der Supermärkte gewohnt sind, stark unter Druck geraten sind, aber ein wirklich revolutionärer Schritt ist es nicht.

Wer profitiert von wem? Starbucks will neue Kunden und Rewe will sich attraktiver zeigen.

Der amerikanische Systemgastronom Starbucks (mit bislang 159 Filialen in Deutschland) erwartet sich durch die Kooperation einen vergrößerten Kundenkreis. Aber es bleibt abzuwarten, in wie viele der rund 3.000 deutschen Filialen man tatsächlich ziehen wird.

Zunächst spricht Rewe von einigen Filialen in zentralen Großstadtlagen. Wenn das Konzept jedoch floppt, müssen bei Starbucks neue Expansionspläne für Deutschland her.

Und das Unternehmen hat momentan ohnehin mit seinem Image zu kämpfen. Die Steueraffäre in den Niederlanden hat längst das restliche EU-Geschäft erreicht. Da könnte das von Kris Engskov (Präsident der Starbuks Coffee Company) betonte gemeinsame Werteverständnis „im Sinne der Gemeinschaft“ für die Rewe Group noch problematisch werden.

Vielleicht wäre es schlauer gewesen, sich eine Zusammenarbeit mit Konkurrenten Pret a Manger zu sichern. Ein deutscher Markteintritt der beliebten britischen Sandwichkette, die „organic coffee“ und „natural food“ anbieten, hätte sicherlich für Begehrlichkeiten gesorgt.

Denn der Gedanke, den Genuss von Kaffee und anderen Köstlichkeiten mit dem Einkauf im Supermarkt zu verbinden, ist an sich ja nicht neu. Viele große Edeka-Supermärkte locken längst mit Cafes und Imbissangeboten. Zudem kommen neue Formate wie die italienische Feinkostkette Eataly auf den Markt, die die Themen Qualität, Natürliche Inhaltsstoffe und Regionalität deutlich besser ausspielen.

Es bleibt aber natürlich abzuwarten, wie Rewe und Starbucks die Kooperation genau gestalten. Vielleicht überraschen sie den Kunden ja doch.

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