Die letzte Meile vor dem Logistik-Crash

/ Lesedauer: 2 Minuten 35 Sekunden
paketshops

Sie kennen das Problem? Bestellte Ware wird nicht ausgeliefert, es klingelt nicht an der Haustür, obwohl man extra eine Homeoffice-Schicht dafür eingelegt hat. Dafür hat man einen Zettel in den Briefkasten liegen, der zum Besuch des Paketshops auffordert.

Der Overkill der Paketdienstleister

Diese Woche ging es wieder durch die Medien: Die Paketdienstleister planen einen Aufpreis für die Haustürlieferung, ansonsten geht die Lieferung an den Paketshop oder die Packstation. Damit geben sie indirekt zu, was wir alle schon wissen und was zum Anfangs beschriebenen Phänomen führt: Haustürlieferung ist nicht sexy, daher versucht man sie jetzt schon zu vermeiden. Es wird vermehrt auf Paketshops gesetzt, damit sind wir endlich beim oft beschriebenen Micro Hub in den Innenstädten. Derzeit werben sich die Big 5 (DHL, DPD, Hermes, UPS und GLS) die Paketshops gegenseitig ab. Im letzten Jahr betrug das Volumen der Paketsendungen 3,34 Mrd. Ein durchschnittlicher Fahrer schafft ca 25 Pakete/Stunde. Jetzt setzen wir den Dreisatz fort: Das macht 133,6 Mio, Arbeitsstunden, für die man 16,7 Mio Arbeitstage zu 8 Stunden (die es in der Branche eh nicht gibt) braucht. Bei einem durchschnittlichen Jahrespensum von 220 Tagen braucht man 76.000 Auslieferungsfahrer. Die wachsen nicht auf Bäumen, daher braucht man alternative Wege.

Paketshops sind (k)ein Bombengeschäft.

Gerade in der Weihnachtszeit macht der Paketshop kein Spaß: Abends werden die nicht zugestellten Pakete zugestellt, in unserem Fall des Shops um die Ecke waren das um die 200 pro Tag. Die müssen eingelagert und anschließend ausgegeben werden. Bemühen wir wieder den Dreisatz: Pro Paket bekommt der Paketshop im besten Fall 50 ct. Um in dieser Paketmenge das richtige Paket zu finden und auszugeben, vergehen schnell 3 Minuten pro Paket. Damit liegt der Paketgenerierte Umsatz bei 10€ pro Stunde, dafür hält man Personal, Lagerfläche sowie Gemeinkosten vor. Das macht keinen Spaß, die Paketshops liegen bei 1€  pro Paket erst bei der schwarzen Null. Damit liegen die Kosten wieder bei den klassischen Last-Mile Kosten, die Katze beißt sich wieder in den Schwanz.

Nächste Lösung: Der Nachbar als Paketshop

Unser Büro ist sehr beliebt: Wir nehmen für die ganze Nachbarschaft die Pakete an, sind also die Packstation der Straße. Einziger Unterschied: Wir übernehmen die Haftung für die Pakete, man darf nicht drüber nachdenken. Insgesamt werden 40% der nicht direkt zugestellten Pakete über sogenannte nicht gewollte Netzwerke ausgeliefert. Würden diese Pakete auch über Paketshops ausgeliefert werden, wäre der Kollaps des Systems vorprogrammiert.

Der Systemfehler begann vor über 30 Jahren

Die Logistikbranche hat durch die Skalierung des E-Commerce einen großen Fehler gemacht: Sein bis dahin dominiertes B2B Geschäft 1:1 auf den B2C Bereich zu übertragen. Firmen sind tagsüber erreichbar. Privatleute nicht, trotzdem hat man das Format so belassen. Das Ergebnis ist eine Flut von Zustellfahrzeugen und Individualverkehr zu den Paketshops, und das in immer mehr kollabierende Innenstädten. Zudem sorgt die Dieseldiskussion für ein Umdenken, langsam wird es spannend!

Die Paketdiensteister werden nicht umhinkommen, über ein bisher ungeliebtes Stöckchen zu springen: Die Vernetzung untereinander zu beginnen. Falls sie es nicht tun, wird die Politik dafür sorgen, da sind wir uns sicher, denn wir hoffen es im Sinne der Lebensqualität der urbanen Räume.

Ein Blick nach Hamburg

Schauen Sie sich das Beitragsbild an: Auf der Poststraße in Hamburg steht einer von 4 USB Hubs mit Toilette. Anlieferung nachts, Auslieferung tagsüber per Handkarren. Keine Schöne Lösung, ist aber ein erster Ansatz.

 

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2 Kommentare
  1. Avatar
    Peer Hohn sagte:

    Ich glaube, dass für eine effiziente Lösung mindestens 2 Punkte angepackt werden müssen: Kooperation der Paketdienstleister (v.a. auch bei den ersten Meilen) und Auslieferung am Abend (wenn die Leute da sind).

    Antworten
    • Frank Rehme
      Frank Rehme sagte:

      Vernetzung und Abschaffung der Unternehmensgrenzen bringt für alle Seiten nur Vorteile. Wenn eCommerce weiter wächst, muss man früher oder später über Locker oder Packstationen pro Straße reden. Das DHL Prinzip geht ja dahin, allerdings haben sie das Problem der Stellplätze. Sobald die innerstädtische Logistik als gesellschaftliche Herausforderung verstanden wird, kann sich das ändern.

      Antworten

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