Ich will über die Schwelle getragen werden!

/ Lesedauer: 2 Minuten 13 Sekunden
Über die Schwelle

Ich würde mich durchaus als emanzipierte Frau bezeichnen. So wurde ich erzogen. Unabhängigkeit spielt dabei eine wichtige Rolle! In meiner Welt sind die Menschen, sind Männer und Frauen gleichberechtigt.  Dieses Recht habe ich in vielen Situationen meines Lebens eingefordert und durchgesetzt. Ich habe Technik studiert, bin leidenschaftlicher Fußballfan und kann sehr gut damit Leben, dass mein Mann bei uns zu Haus die Gewalt über den Staubsauger hat.

Aber wissen Sie was? Ich bin ganz entzückt und sinke dahin, wenn er mich schön ausführt und mich dann über die Türschwelle trägt!

Ich würde mich auch durchaus als aufgeklärte Shopperin bezeichnen. Bei fast allen Einkäufen fühle ich mich gut informiert. Die Vielfalt und Verfügbarkeit der Waren und Händler macht es möglich. Und wenn ich mich inkompetent oder unhöflich beraten oder mich in einem Geschäft einfach nicht wohl fühle, mache ich auch von meinem Recht Gebrauch, das Produkt meines Begehrens bei einem anderen Anbieter zu kaufen. Ich bin ja nicht von einem einzelnen Händler abhängig.

Aber wissen Sie was? Ich bin ganz entzückt und sinke dahin, wenn man mich über die Ladenschwelle trägt und mir ein tolles Einkaufserlebnis schenkt!

Denn bei all der Aufgeklärtheit und Selbständigkeit, die uns in vielen Lebenslagen wichtig ist, sind es doch die Momente, in denen jemand unsere Bedürfnisse jenseits der Vernunft erkennt, die uns emotional bewegen und mit jemandem verbinden.

Daher möchte ich heute von einem Einkaufserlebnis berichten, bei dem ich mich über die Türschwelle getragen gefühlt habe:

Kleiderschrank – BERN, Schweiz

In der Berner Innenstadt wurden in den vergangenen Jahren viele ehemalige Vorratskeller und -gewölbe zu keinen Kellergeschäften umgebaut. Das schuf neue Geschäftsräume für den Einzelhandel – allerdings ohne klassische Schaufenster. Eine Schwelle, die es erst einmal zu überwinden gilt.

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Die Händler versuchen auf unterschiedlichste Art und Weise Ihre Kundschaft dazu zu bewegen, sich zum Stöbern in die nicht einsehbaren Kellergewölbe zu begeben. Ein wirklich tolles Beispiel dafür ist die kleine Vintage-Boutique Kleiderschrank am Theaterplatz. Das eigentümergeführte Geschäft hat Ihr Schaufenster einfach in die darüberliegende Passage verlagert und läd durch ein in Szene gesetzten Tor in seine Einkaufswelt ein. So kommt erst gar keine Schwellenangst auf.

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Das wichtigste aber: Das Ladengeschäft hält was es verspricht und bietet ein individuelles, gut durchdachtes und konsequent umgesetztes Konzept.

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Und wenn man nach erfolgreichem Einkauf wieder die Stufen hinaufläuft, dann wird es noch einmal ganz emotional. Auf dem Schild mit der Überschrift „Ehre wem Ehre gebürt“ liest man, dass gesonders treue Kunden hier Ihren eigenen, mit ihrem Namen versehenden Kleiderhaken bekommen. Ein wirklich schönes Zeichen der Anerkennung. Na, wenn das kein Grund ist wiederzukommen.

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