Frauen in Führungspositionen: Der Zorn wächst

/ Lesedauer: 3 Minuten 24 Sekunden

Der Handel schafft es noch nicht, 30 Prozent Frauen in Führungspositionen vorzuweisen. Die 27 Prozent nehmen sich angesichts der 75 Prozent Frauen, die im Handel arbeiten, eher mager aus. Und nun wächst auch noch die Wut der Frauen.

Erst kürzlich hatten wir mein Gespräch dazu mit Susanne Sorg, Vorständin der EK-Servicegroup und Angela Rüter, Geschäftsführerin von Heuer Dialog, veröffentlicht. Hierin haben wir versucht, Lösungen zu finden, wie der Handel besser werden kann.

Kaum Frauen in Führungspositionen

Auch wenn 2018 in den Aufsichtsräten der Dax-30 Unternehmen  die 30%-Frauenquote erreicht wurde, tut sich in den Führungsebenen 1 und 2 wenig. Frauen sind hier weiterhin massiv unterrepräsentiert. Der Frauenanteil in den Vorständen der 160 deutschen Börsenunternehmen liegt bei 8,8 Prozent, so wenig wie in keinem anderen Industrieland. In Deutschland gab es noch nie ein Dax-Unternehmen mit einer Frau an der Spitze.

Im April 2019 hat die AllBright-Stiftung eine Studie veröffentlicht, die überdeutlich zeigt, wie es in deutschen Unternehmen um die Gleichberechtigung von Frauen und Männern steht.

Thomas, Michael und Stefan sind die jeweils häufigsten Namen in Aufsichtsrat und Vorstand, und es gibt mehr Aufsichtsratsvorsitzende, die Michael (10) heißen, als Aufsichtsratsvorsitzende, die Frauen sind (9).

Die 160 börsennotierten Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, feste Zielgrößen für die Steigerung des Frauenanteils in ihren Vorständen zu veröffentlichen, aktuell für den Zeitraum bis 2022. Die Unternehmen dürfen diese Zielgröße mit „Null“ angeben, sie streben also weiterhin eine Frauenquote von Null an.

Handelsunternehmen in „guter Gesellschaft“

76 der Unternehmen, die noch keine Frauen im Vorstand haben, planen laut Veröffentlichung nicht, daran etwas zu ändern. 53 Aufsichtsräte formulieren ausdrücklich das Ziel „Null Frauen“, darunter auch namhafte Handelsunternehmen.

Null Prozent Frauen im Vorstand

Quelle: AllBright Stiftung

„Wir sind mit der aktuellen Besetzung gut aufgestellt. Vor diesem Hintergrund wurde die Zielgröße im Geschäftsjahr 2017 für den Frauenanteil im Vorstand für die Zielerreichungsfrist bis zum 30. Juni 2022 mit null Prozent festgelegt.“ – Fielmann

„Darüber hinaus hält es der Aufsichtsrat nicht für im Interesse der Gesellschaft, höhere Zielgrößen für den Frauenanteil im Vorstand festzulegen. Daher ist hier die Zielgröße für den Frauenanteil im Vorstand weiterhin null. Diese Zielgröße wurde 2017 unverändert erreicht.“ – Norma Gruppe

Erst Anfang diesen Jahres hat Zalando seinen Vorstand um zwei weitere Posten erweitert. Raten Sie, ob dort die Gelegenheit genutzt wurde, auch eine Frau zu berufen. Natürlich nicht, denn gerade Zalando hat ja nur wenige Frauen unter seinen Kunden. Nicht.

Der Widerstand wächst

Und genau hier formiert sich nun langsam Widerstand. Patrizia Laeri rechnet in einem viel beachteten, offenen Brief an Zalando mit dem Kleiderriesen ab. Sie bestellt nicht mehr bei Zalando. Und ebenso äußern sich viele Frauen in den sozialen Medien und löschen kurzerhand ihre Accounts. Ob dies in einem solchen Umfang geschieht, dass die Führungsriege von Zalando reagieren muss, bleibt abzuwarten.

Der Zorn der Frauen jedenfalls wächst. Kathrin Werner kommentiert in der Süddeutschen Zeitung „Es ist Zeit, die Geduld zu verlieren“. Und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel findet neuerdings klare Worte: „Das grenzt an Verweigerungshaltung“.  Sie appelliert an Unternehmen, Universitäten, Kultur, Medien und auch die Politik, Parität herzustellen.

Gerade die Politik hat sich in den vergangenen Jahren diesbezüglich nicht mit Ruhm bekleckert. Der Deutsche Bundestag hat heute mit 222 Frauen (von 709 Abgeordneten) eine Frauenquote von 31,3 Prozent. 2013 waren es schon einmal 37,3 Prozent, es sind also wieder weniger Frauen im größten Bundestag den wir je hatten.

1.100 weibliche Führungskräfte fehlen

Selbstverständlich wachsen die weiblichen Führungskräfte nicht auf den Bäumen. Es ist notwendig, dass Frauen in den Unternehmen entsprechend gefördert werden. Denn den Dax-30 Unternehmen fehlen für eine 30%-ige Frauenquote in den ersten drei Führungsebenen über 1.100 weibliche Top-Führungskräfte, wie die Personalberatung Russell Reynolds Associates feststellte.

Entscheidend dafür, dass sich etwas ändert ist, dass sich etwas in den Köpfen ändert. Erst, wenn nicht nur schöne Worte und windelweiche Absichtserklärungen aus den Unternehmen kommen, sondern wirkungsvolle Maßnahmen umgesetzt werden, wird es einen Wandel geben. Die Geduld der Frauen scheint jedoch ein Ende zu finden. Und gerade der Handel, wo ein Großteil der direkten und indirekten Kaufentscheidungen von Frauen getroffen werden, sollte hier Vorreiter sein, wenn es um die Gleichberechtigung geht.

Mitmachen und Flagge zeigen

Die Digital Media Women suchen aktuell Branchen übergreifend die Unternehmen, die mindestens 30 Prozent Frauenanteil in Führungspositionen haben. Wo sind diese im stationären Handel?

Beitragsbild: Stockfoto –  ESB Professional/Shutterstock

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