Gast-Autor

Am 15. November 2018 beschloss die Bundesregierung auf der zweitägigen Digitalklausur, dass bis zum Jahr 2025 insgesamt etwa drei Milliarden Euro für die Umsetzung der Strategie Künstliche Intelligenz (KI) bereitgestellt werden soll. Die Bundesregierung will mit dieser Strategie ein weltweit anerkanntes Gütesiegel „Artificial Intelligence (AI) made in Germany“ schaffen und zu einem führenden Standort für die Entwicklung und Anwendungen von KI-Technologien werden (Quelle). Die Strategie umfasst insbesondere die Bereiche Forschung, Bildung, Weiterbildung, in denen Projekte im Bereich KI in die Praxis transferiert werden sollen.

Drei Milliarden Euro bis 2025 – in China sind alleine im Jahr 2017 15,2 Milliarden US-Dollar (48 Prozent der weltweiten Investitionen für Startups im KI-Sektor) in chinesische Gründungen geflossen (Quelle). Deutschland steht in Bezug auf den Zugang zu Daten im Vergleich zur USA und China im Nachteil, da der Schutz der persönlichen Daten in Deutschland und Europa ausgeprägter ist und für die Anwendungen im KI-Umfeld einen essentiellen Bestandteil aufweist.

Ziel der Bundesregierung ist, stärker auf Datenpools von Unternehmen in Deutschland zurückzugreifen und auch mehr Daten der öffentlichen Hand herauszugeben. Kritiker sehen darin einen Vorteil des asiatischen und amerikanischen Raums begründet, denn dort sammeln Staat und Unternehmen ein Vielfaches an Daten der Bürger vor Ort (Quelle).

Zum Thema Künstliche Intelligenz haben wir bereits einige Artikel verfasst und in der Relevant Retail Podcast Folge 25 mit Jörg Naumann von IBM ausführlich darüber gesprochen.

Mit KI zu Smart Cities

Einige deutsche Städte haben sich bereits dem Thema „Smart City“ angenommen. So arbeitet die Stadt Duisburg mit Huawei zusammen, um mit dem Projekt „Smart Duisburg 2.0“ eine digitale Referenzstadt zu werden. In dem Projekt verschmelzen die Themen Internet of Things (IoT), Künstliche Intelligenz, 5G, Big Data usw., durch deren Auf- und Ausbau die Stadt Duisburg als interessanter Wirtschaftsstandort Deutschlands das Stadterlebnis verbessern, das Wirtschaftswachstum fördern und mehr Einwohner, Unternehmen und Investoren anziehen will.

Wettbewerb „Stadt.Land.Digital“

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat eine Open-Innovation-Plattform der Initiative Intelligenten Vernetzung gegründet, mit dessen Wettbewerb „Stadt.Land.Digital“ deutsche Städte dazu angeregt werden soll, das Thema Smart Cities und Smart Regions und dadurch den digitalen Wandel in Städten voranzutreiben. Kooperationspartner des Wettbewerbs sind der VKU (Verband Kommunaler Unternehmen e.V.), der Deutsche Städtetag, der Deutsche Landkreistag  sowie der Deutsche Städte- und Gemeindebund DStGB.

Noch bis zum 9. Dezember 2018 können sich Mitarbeiter/innen einer kommunalen Verwaltung, engagierte Bürger/innen in einer lokalen Initiative oder Angestellte eines kommunalen Unternehmens mit Projekten in den Kategorien Bildung, Energie, Gesundheit, Mobilität und Verwaltung bewerben. Die drei Preisträger dieses Wettbewerbs erhalten die Möglichkeit, ihre Projekte zum Thema „vernetztes Deutschland“ auf der Bundeskonferenz „Stadt.Land.Digital“ Anfang 2019 in Berlin vorzustellen, sowie eine Smart-City-Reise zu gewinnen.

Mit der Smart-City-Reise wird eine zweitägige „Inspirations- und Lernreise“ verstanden, bei der die Gewinner ein innovatives Smart Cities/Smart Regions Konzept einer ausgewählten europäischen Stadt kennen lernen und erfolgreiche Erkenntnisse für ihr Projekt mitnehmen können.

Bereits 153 Projekte (Stand: 03.12.2018) sind eingereicht worden und auf der Internetseite des Wettbewerbs zu finden: https://www.oip.netze-neu-nutzen.de/ideas/index/11

Beispiele aus dem Wettbewerb „Stadt.Land.Digital“

In der Kategorie „Sektorübergreifend“ stellt sich beispielsweise „Citylink – Die digitale Vernetzung der Stadt“ vor, mit der eine Möglichkeit dargestellt wird, wie sich einzelne lokale Services untereinander vernetzen können. Als ein mögliches Anwendungsszenario wird beschrieben, dass der städtische Zoo abhängig vom Wetter seine Eintrittspreise individualisieren und aufgrund des geographischen Standorts des potentiellen Besuchers ein individuelles Angebot gemacht werden kann.

Die Plattform Citylink wird durch ein Stadtwerk betrieben, wodurch die Daten in der eigenen Stadt bleiben und nicht an Google oder Apple weitergegeben werden (Pitchdeck von Citylink).

Neben Projekten bewerben sich auch ganze Städte bei diesem Wettbewerb, so z.B. Münster oder Darmstadt. In Darmstadt umfasst die Bewerbung unter dem Titel „Digitalstadt Darmstadt“ 14 Projektbereiche. Die hessische Stadt hat den Anspruch, Vorzeigestadt für Deutschland und ein Leuchtturm in Europa zu werden. Auf Basis von Internet of Things sollen zum Beispiel bei der Neuanmeldung eines Bürgers in der Wissenschaftsstadt automatisch abgefragt werden, ob ein ÖPNV-Jahresticket gewünscht wird.

Auch das Thema Parkplatzmanagement wird innerhalb dieses Projektes behandelt, indem durch angebrachte Sensoren an Parkhäusern die Parkplatzauslastung definiert wird und dem Besucher der Stadt auf sein Handy in Echtzeit verfügbare Parkplätze per Smartphone mitgeteilt werden.

Digitalstadt Darmstadt

Die gemeinsame Initiative des Digitalverbands Bitkom und des Deutschen Städte- und Gemeindebunds hatte bereits von November 2016 bis Juni 2017 einen Wettbewerb laufen, bei dem sich mittelgroße Städte mit rund 100.000 bis 150.000 Einwohnern mit ihren Projekten im Bereich Digitalisierung / Smart City & Smart Region bewerben konnten.

Dabei hat sich Darmstadt durchgesetzt und gilt seitdem als Digitalstadt. Neben Darmstadt haben sich noch 13 weitere Städte beworben: Bergisch Gladbach, Bremerhaven, Cottbus, Göttingen, Gütersloh, Heidelberg, Jena, Kaiserslautern, Konstanz, Ludwigsburg, Paderborn, Ratingen und Wolfsburg.

Dahinter steckt der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien bitkom. Mit seinem aktuellen Positionspapier zum Aufbau eines bundesweiten Kompetenzzentrums „Digitale Städte und Regionen“ hat bitkom zusammen mit dem DStGB einen Vorschlag zur kommunalen digitalen Transformation platziert. Ziel ist es, dass sich insbesondere kleinere Kommunen zusammenschließen um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen und alle relevanten Akteure durch eine digitale Community-Plattform städteübergreifend zusammen zu bringen:

Digitale Städte

Alle weiteren Informationen dazu erhalten Sie hier.

Fazit

Das Thema Künstliche Intelligenz erhält zunehmend Bedeutung bei der Bundesregierung und auch auf der Ebene von klein- und mittelgroßen Städten werden Projekte umgesetzt, die sich mit der Thematik Smart City befassen.

Wie sich Deutschland in diesem Bereich platziert und welche Auswirkungen KI auf unseren Alltag haben wird, ist noch unvorhersehbar. Aber eins steht fest: Die nächsten 10-15 Jahre werden sich sowohl im Einzelhandel als auch im städtischen Kontext drastisch verändern. Wie einst Wissenschaftler Stephen Hawking sagte „Die Entwicklung Künstlicher Intelligenz könnte entweder das Schlimmste oder das Beste sein, was den Menschen passiert ist.“

Eva GancarzÜber die Autorin: Eva Gancarz ist studierte Wirtschaftsfördererin (BWL-Wirtschaftsförderung an der DHBW Mannheim) und beschäftigt sich seit über 10 Jahren mit dem Thema „Digitalisierung im Einzelhandel“. Nach ihrem Master-Studium (BWL-New Media Marketing) war sie Projektmanagerin des Mönchengladbachers Projekts mg.retail2020 sowie Produktmanagerin für Alipay und Tax Free Shopping bei der Concardis GmbH. Seit 2018 ist Eva Unternehmerin (Handel ist Wandel) und arbeitet mit stationären Einzelhändlern sowie Städten zusammen und ist Lehrbeauftragte an der DHBW Mannheim, Studiengang Wirtschaftsförderung. .

Beitragsbild: Smart City – Stock Photo – Vasin Lee/Shutterstock

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