Keine Kassen, keine Schlangen – Amazon Go zeigt wie es geht

/ Lesedauer: 2 Minuten 45 Sekunden
amazon go

Amazon startet mit Amazon Go in seinem Store in Seattle und macht es möglich, ganz ohne Check-Out einkaufen zu gehen. Manche nennen dies einen „Game Changer“.

Wie funktioniert das Ganze?

Die Kunden müssen sich mittels der kostenfreien Amazon Go App am Eingang registrieren. Hierfür reicht es, einen Barcode zu scannen und der Zugang wird gewährt. Im Laden können nun die Kunden die gewünschten Produkte einfach in ihre Tasche stecken und am Ende ohne weiteres Tun den Laden verlassen. Das Gekaufte wird vom Konto, das bei Amazon hinterlegt ist, abgebucht.

Entscheiden sich die Kunden um und legen Ware wieder zurück, wird auch dies registriert und der Warenkorb entsprechend korrigiert.

Im Amazon Laden soll es neben den typischen Produkten eines Supermarktes auch fertige Mahlzeiten geben. Darüber hinaus werden sogenannte Meal-Kits angeboten, die aus den Zutaten und Rezepten bestehen. Diese Mahlzeiten sollen dann in 30 Minuten zu Hause zubereitet werden können.

Wie genau Amazon Go funktioniert wird auch auf der Seite von Amazon nicht richtig klar.

Our checkout-free shopping experience is made possible by the same types of technologies used in self-driving cars: computer vision, sensor fusion, and deep learning.

Es kommen also Gesichts-/Bilderkennung, Sensoren und künstliche Intelligenz zum Einsatz. Das ist noch weitgehend ungenau und wir sind gespannt, hierüber in den nächsten Wochen und Monaten mehr zu erfahren.

Eine solche Lösung bietet enorme Chancen für den stationären Einzelhandel, bietet aber – wie immer – auch einige Ansatzpunkte für massiven Gegenwind aus unterschiedlichen Richtungen.

Pro

  • Mehrwert und gesteigerter Komfort für die Kunden. Keine Schlangen, kein Warten, kein Stress, keine genervten Kassiererinnen, kein Gefummel nach Bargeld – alles fällt weg.
  • Amazon kennt nicht nur das Online-Verhalten seiner Kunden sondern kann jetzt auch tracken, wann sie wo was stationär einkaufen. Mehr Daten, mehr Wissen führen zu mehr Umsätzen.
  • Diebstahl wird zumindest erschwert. Den Laden können nur registrierte Kunden betreten, jede Ware wird getrackt und bei Entnahme berechnet. Natürlich ist auch dieses System auszutricksen, aber das erfordert dann doch etwas mehr als einfach mal schnell etwas in die eigene Tasche gleiten zu lassen.
  • Es ist möglich, die Kunden zur Ordnung anzuhalten. Die Rückbuchung eines Produkts erfolgt nur, wenn man es an seinen Platz zurück legt und nicht irgendwo im Laden liegen lässt.
  • Die Technologie kann überall dort zum Einsatz kommen, wo es schnell gehen soll, zum Beispiel an Bahnhöfen und Flughäfen.
  • Das Personal muss nicht mehr eher monotone Tätigkeiten ausüben wie das Kassieren sondern kann sich um die Kunden kümmern und dafür sorgen, dass das Einkaufserlebnis optimiert wird.

Contra

  • Es kann zu Entlassungen kommen, denn an der Kasse wird Personal eingespart.
  • Die Kunden werden tatsächlich gläsern: Gesichtserkennung, Lokalisierung, Einkaufsverhalten. Was gut für Amazon ist, mag den Kunden nicht unbedingt gefallen. Datenschutz, Datensicherheit und Kontrolle über die Daten sind offene Flanken.
  • Die Prozesse für Reklamationen und Fehlbuchungen müssen angepasst werden.

Zurzeit testet Amazon seine Lösung mit eigenen Mitarbeitern. Wann und wie der Roll-Out erfolgt, wurde noch nicht kommuniziert. Der Flagship Amazon Go Store steht in 2131 7th Ave, Seattle, WA und wird im Januar 2017 für alle geöffnet.

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4 Kommentare
  1. Uwe Hennig sagte:

    Eine sehr spannende Story. Ich bin mir nicht sicher ob „der gläserne Kunde“ als Contra gesehen werden muss. Solange der Handel mit den neu gewonnenen Kundendaten Wertschöpfung für den Kunden betreibt z. B. mit individuellen Angeboten, wird der Kunde es honorieren. Dass Datenschutz eingehalten werden muss, ist eh klar.

    Antworten
    • Heike Scholz
      Heike Scholz sagte:

      So einfach würde ich es nicht sehen wollen. Die Kunden sollten schon die Hoheit über ihre Daten haben, d.h. darüber entscheiden können, was sie wem, wann und wo zur Verfügung stellen und die Daten auch wieder löschen lassen können. Hier ist zunächst bei der Datenerhebung Transparenz notwendig und dann muss es definierte Prozesse geben, wie der Kunde seine Daten einsehen und wieder entfernen lassen kann. Beides sehe ich zurzeit (nicht nur) beim Handel nicht. Es würde aber zur Akzeptanz durch die Konsumenten deutlich beitragen.

      Antworten

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  1. […] sind die fast vollautomatischen „Amazon Go“-Läden oder auch der kürzlich getestete Mode-Pop-up-Store von Amazon mit Erlebniseinkauf. Es gab […]

  2. […] Amazon hat mittlerweile einen zweiten Amazon Go-Markt in den USA eröffnet. Zu Amazon sieht auch unseren Beitrag „Keine Kassen, keine Schlangen – Amazon Go zeigt wie es geht„. […]

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