ZDE 257: Warum sind erfahrene Mitarbeitende wichtig für die KI-Transformation, Iris Lanz?
Wie gelingt die Einführung von Künstlicher Intelligenz im Mittelstand? Und warum sind gerade Menschen mit langjähriger Berufserfahrung wichtig für eine erfolgreiche KI-Transformation?
In dieser Folge spricht Zukunft des Handels-Expertin Marilyn Repp mit Iris Lanz, Mehrfachgründerin, Aufsichtsrätin und Beraterin für KI-Strategie und Organisationsentwicklung. Mit ihrem Buch „Du kannst KI“ möchte sie insbesondere Berufserfahrene ermutigen, sich mit KI auseinanderzusetzen und den Wandel aktiv mitzugestalten.
Gemeinsam diskutieren sie, wie KI Führung und Zusammenarbeit verändert, warum die Einführung zunächst Mehrarbeit bedeuten kann und wie Unternehmen ihre Mitarbeitenden erfolgreich einbeziehen.
Themen der Folge:
• KI im Mittelstand: Wo Unternehmen heute stehen
• Wie KI Führung, Rollen und Entscheidungsprozesse verändert
• Warum Berufserfahrung bei der KI-Transformation ein Vorteil ist
• Von der Analyse der Prozesse zur konkreten KI-Strategie
• Warum auch kritische Mitarbeitende wichtige Impulse liefern
• KI im Kundenservice: Automatisierung und menschlicher Kontakt
• Chancen, Risiken und Europas Perspektiven im KI-Wettbewerb
Über unseren Gast:
Iris Lanz ist Mehrfachgründerin und Beraterin für KI-Strategie und Organisationsentwicklung. Sie war Mitgründerin der Hilfsorganisation Krisenchat und begleitet Unternehmen bei der Weiterentwicklung ihrer Strukturen und Prozesse.
Shownotes
Marilyn Repp – Key Note Speaker und Zukunft des Handels Expertin
Buch von Iris Lanz „Du kannst KI“
Die Folge zum Nachlesen
Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe des Zukunft des Einkaufens
Podcasts.
Ich freue mich sehr, heute hier eine echte KI-Expertin zu haben, nämlich Iris Lanz.
Sie ist mehrfache Gründerin, Aufsichtsrätin und selbstständige Beraterin in
Sachen KI-Strategie und Organisationsentwicklung.
Und wir nehmen uns heute eine spezielle Kohorte vor die Brust, nämlich die
Berufserfahrenen in unserer Berufswelt und ihre Anwendung und Nutzung von KI.
Das ist ein sehr schönes Thema, was ich schon lange auf der Uhr habe.
Und deswegen allerherzlichst willkommen, liebe Iris.
Stell dich ganz kurz auch selbst vor.
Iris Lanz:
Ja, vielen Dank. Danke für die Einladung.
Ja, genau, du hast es eigentlich schon gesagt. Ich bin mehrfache Gründerin. Ich
habe auch Unternehmen mit sehr jungen Menschen gegründet, kommen wir
vielleicht gleich noch mal zu.
Ich bin in einem Aufsichtsrat, war davor auch noch in einem Aufsichtsrat.
Ja, ich habe mich lange, eigentlich sehr, sehr lange, mit Marketing und Sales
beschäftigt, aber vor allen Dingen auch damit, wie man Organisationen erfolgreich
zum Wachstum bringen kann.
Und das bringe ich sozusagen als Gepäck mit, wenn ich in Unternehmen gehe,
vielfach in den Mittelstand, wo ich mit Führungskräften, aber auch mit Teams über
unterschiedliche Themen spreche. Gemeinsam erarbeiten wir Strategien, wie wir
Prozesse und Strukturen verbessern können, aber auch die Kultur im
Unternehmen, sodass eine Skalierung beziehungsweise ein gesundes Wachstum
möglich wird.
Und da habe ich immer schon gesehen, dass Technologie dabei sehr unterstützen
kann – und natürlich mit KI jetzt seit ein paar Jahren ganz besonders.
Marilyn:
Ja, du hast angesprochen: mehrfache Gründerin. Erzähl mal ganz kurz, um was
ging es da? Was hast du gegründet?
Iris Lanz:
Vor 25 Jahren habe ich eine Produktions- und Serviceagentur für Filmwerbung
und Events gegründet, die ich nach zwölf Jahren verkauft habe.
Und vor sechs Jahren habe ich mit fünf anderen zusammen ein
Sozialunternehmen gegründet: Krisenchat. Das ist eine Hilfsorganisation, die es
jungen Menschen erleichtern soll, sich Hilfe zu holen, und zwar 24 Stunden am
Tag per WhatsApp oder Chat.
Und da sind inzwischen 120 Mitarbeitende und 500 ehrenamtliche
Psychologinnen und Psychologen, die rund um die Uhr für junge Menschen in Not
da sind.
Ich selbst war mit im Aufbau und habe mich vor allen Dingen in meiner Rolle als
COO um Strukturen und Prozesse gekümmert, aber natürlich auch um People-
Themen, also rund um Ehrenamt, Community-Building und das Wachstum der
hauptamtlichen Mitarbeitenden.
Marilyn:
Ja, und bei Krisenchat, das ich ja jetzt auch schon eine Zeit lang begleite – wir
kennen uns über eine gemeinsame Freundin, die auch dort tätig ist.
Iris Lanz:
Richtig.
Marilyn:
Genau, die Melli.
Und wie ist das bei Krisenchat? Wir sprechen jetzt über KI. Spricht man dort mit
einer KI?
Iris Lanz:
Nein, ganz bewusst nicht.
Das ist eine ethische Frage, die wir uns ziemlich am Anfang gestellt haben. Und
das war auch eigentlich meine erste wirkliche Konfrontation mit KI, also der Punkt,
an dem ich mich wirklich damit auseinandersetzen sollte.
Hilft uns das?
Wir müssen zunächst die Situation betrachten: Wir haben viel, viel mehr Anfragen
und einen viel größeren Bedarf, als wir abdecken können. Die Organisation
müsste also sehr viel größer sein.
Da haben wir uns als Gründerinnen und Gründer überlegt: Wie kann KI uns
unterstützen beziehungsweise vor allen Dingen die Beratenden?
Wir haben auch relativ früh mit Forschungsthemen angefangen. Beispielsweise
haben wir uns gefragt, ob man an der Art, wie jemand chattet, erkennen kann, ob
der Druck bei dieser Person höher ist als bei einer anderen.
Also ähnlich wie bei einem Triage-System, bei dem entschieden wird: Diese
Person bekommt Vorrang vor einer anderen, die vielleicht weniger schwierige
Probleme zu lösen hat.
Genau, da steckt also auch viel Wissenschaft und Forschung dahinter.
Marilyn:
Ja, sehr, sehr spannend und auch superinteressant: diese bewusste Entscheidung
gegen einen Chatbot in einer so hochsensiblen Umgebung, in der es um die
mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen geht.
Ich glaube, das war die richtige Entscheidung.
Ich sehe das auch in anderen Bereichen. Vor einigen Jahren ist das Thema
Chatbots und natürlich auch KI-Anwendungen im Audiobereich, in der
Kundenbetreuung und Beratung, total hochgekommen.
Es gibt aber auch schon wieder Gegenbewegungen. Trade Republic, glaube ich,
war es, die vor einiger Zeit bekannt gemacht haben, dass sie ihren Kundenservice
ausschließlich auf echten Beraterinnen und Beratern aufbauen wollen, also nichts
an KI-Bots abgeben möchten.
Das ging ganz schön durch die Presse und ist ein klares Statement.
Ich glaube, das ist spannend: Was gibt man ab und was nicht? Und wie trifft man
hier die Entscheidung?
Iris Lanz:
Genau. Und da gilt, wie so oft im Leben: Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß. Man
muss ganz genau schauen, wo ein Chatbot sinnvoll eingesetzt werden kann und
wo es die menschliche Verbindung braucht.
Gerade im Handel ist es superwichtig, Vertrauen aufzubauen. Gleichzeitig geht es
aber auch um Schnelligkeit.
Wir leben in einer Zeit, die immer schneller wird, und die Erwartungen der Kunden
an Echtzeitreaktionen steigen. Das kann nicht jedes Unternehmen leisten.
Die Frage ist deshalb, inwieweit man Chatbots einsetzen kann, um beispielsweise
einfache Fragen zu beantworten und Kunden zu unterstützen.
Auf der anderen Seite kann man dadurch Raum für die wirklich wichtigen
Kundengespräche schaffen, die ein Chatbot vielleicht noch nicht so gut lösen
kann.
Wie geben wir Mitarbeitenden, die beispielsweise im Servicebereich arbeiten,
mehr Raum für die wirklich wichtigen Kunden und Anliegen und entlasten sie auf
der anderen Seite?
Bei mir geht es bei diesen Themen immer wieder um die Frage der Entlastung.
Das heißt aber nicht, dass man sich komplett zurückzieht.
Darüber werden wir gleich noch sprechen.
Marilyn:
So, du hast ein Buch geschrieben: Du kannst KI – Ein Ratgeber für Menschen mit
Berufserfahrung. Wie kam es denn dazu?
Iris Lanz:
Ja, tatsächlich war der Ausgangspunkt meine persönliche Erfahrung.
Bei der Gründung habe ich gemerkt: Wow, hier ist ein echtes Tempo drin! Die
Jüngsten, mit denen ich gegründet habe, waren 18 Jahre alt. Es wurden Tools
benutzt, die ich mir vielleicht in anderen Zusammenhängen manchmal gewünscht
hätte. Es ging schon ganz schön um Schnelligkeit.
Schnell kam auch das Thema Künstliche Intelligenz auf, über das wir gerade
gesprochen haben. Da habe ich gemerkt, dass ich irgendwie ein bisschen am
Spielfeldrand stehe. Das wollte ich nicht weiter.
Die Neugier war stärker bei mir. Deshalb habe ich mich entschieden, neben
beziehungsweise zusätzlich zu meiner Arbeit in der Organisationsentwicklung eine
KI-Ausbildung als AI Expert und AI Leader zu machen.
Ich wollte verstehen, wie Transformationen in Unternehmen gut aufgesetzt werden
sollten, wenn solche Change-Prozesse notwendig sind. Und die sind notwendig.
Es geht ja nicht nur darum, eine Technologie einzusetzen, sondern auch darum,
die Menschen abzuholen und sie wieder ins Zentrum zu rücken. Das fehlt
manchmal ein bisschen, wenn wir sagen: Wir setzen jetzt ganz schnell mal ein
Tool ein.
Der Auslöser für mein Buch war dann eigentlich ein Abend in einer Pizzeria mit
Freunden. Ich erzählte, dass ich diese Weiterbildung mache, und wurde ganz
erstaunt angeschaut.
Was, das tust du dir noch an? Sowas zu machen? Mit Anfang 50? Das ist ja krass,
so ein total neues Thema!
Da habe ich gesagt: Ich finde es eher sehr mutig, sich nicht damit zu beschäftigen.
Anschließend bin ich in die einschlägigen Buchhandlungen gegangen und habe
gefragt: Gibt es hier eigentlich ein Buch zum Thema KI? Wie kann ich damit
starten? Wie kann ich meine Neugier noch ein bisschen beflügeln oder meine
Ängste ein bisschen abbauen?
Tatsächlich gab es kein Buch, das mich angesprochen hat. Da habe ich gesagt:
Okay, dann muss ich es wahrscheinlich schreiben.
Und so habe ich es dann auch aufgesetzt.
Es ist ein Buch, das meinen persönlichen Weg in Form eines Tagebuchs
beschreibt, kombiniert mit einem Ratgeberteil. Dazu kommen größere
Fokuskapitel, in denen es um die zentralen Themen geht:
Wie verändert KI unsere Kommunikation? Wie verändert KI unsere
Organisationen und Unternehmen in Zukunft? Ist KI ein Weltuntergang oder nicht?
Wird es den Weltuntergang geben, wird also die Maschine über uns bestimmen?
All diese Fragen haben mich natürlich auch sehr beschäftigt. Das habe ich in Du
kannst KI zusammengebracht.
Es soll ein Mutmachbuch sein für Menschen, die eigentlich wissen, dass sie sich
mit dem Thema beschäftigen müssen oder wollen, aber noch nicht so richtig
wissen, wie sie anfangen sollen.
Marilyn:
Ja, dann steigen wir gleich ein.
Wie verändert KI denn die meisten Organisationen?
Das Schöne finde ich: Wir sind jetzt, Mitte 2026, tatsächlich schon an einem
Punkt, an dem wir einige Erkenntnisse aus den vergangenen Jahren ziehen
können.
Ich bin ja auch schon lange an diesen digitalen Themen, Technologiethemen und
Transformationsthemen dran und sehe, dass wir inzwischen ein bisschen mehr
Wissen darüber haben, wie die tatsächliche Anwendung aussieht.
Das ist auch etwas, das mich beschäftigt: Nur weil etwas technologisch möglich
ist, heißt das noch lange nicht, dass es sinnvoll ist oder von den Menschen, die es
nutzen sollen, tatsächlich so genutzt wird.
Wo stehen wir denn da? Wie würdest du das beschreiben?
Iris Lanz:
Ich würde sagen, bei den großen Unternehmen sind wir schon ganz gut
aufgestellt. Das sieht man auch auf Konferenzen: Wer beschäftigt sich mit dem
Thema? Wer ist wirklich dabei? Wer hat eine Strategie?
Problematisch ist es tatsächlich im kleineren Mittelstand, also bei Unternehmen
mit bis zu 250 Mitarbeitenden.
Natürlich kann man das nicht alles über einen Kamm scheren. Aber das zeigen
auch Forschung und neuere Studien: Gerade dort sind die wenigsten
Unternehmen strategisch unterwegs.
Viele wissen auch gar nicht, wie ihre Mitarbeitenden KI eigentlich einsetzen. Da
gibt es ein großes Dunkelfeld.
Das heißt, ich weiß als Geschäftsführerin oder Geschäftsführer möglicherweise
überhaupt nicht, wann KI in meinem Unternehmen verwendet wird.
Das ist problematisch, wenn wir berücksichtigen, dass der AI Act der
Europäischen Union Anforderungen stellt und von uns auch Klarheit verlangt.
Wie verändert KI Unternehmen?
Vor allen Dingen werden sich Rollen und Verantwortlichkeiten verändern. Das
betrifft auch die Art und Weise, wie Unternehmen geführt werden.
Ich glaube, dass es gerade Gründerinnen und Gründern schwerer fällt,
Verantwortung abzugeben. Sie sehen ihr Unternehmen als ihr Baby. Das kann
Veränderungen zusätzlich erschweren.
Marilyn:
Inwiefern verändert sich die Führung durch KI ganz konkret?
Iris Lanz:
Es entstehen durch KI ganz neue Rollen, die auch erforderlich sind.
Entscheidungsprozesse werden nicht mehr nur von wenigen Menschen
vorangetrieben, sondern auch durch KI als Mitspieler im Unternehmen.
Das bedeutet, dass Mitarbeitende ein Bewusstsein dafür entwickeln müssen, wie
KI überhaupt funktioniert und warum sie zu bestimmten Ergebnissen oder
Entscheidungen kommt.
Transparenz beim Einsatz von KI ist wahnsinnig wichtig, damit die Technologie
von den Mitarbeitenden auch wirklich genutzt wird.
Marilyn:
Also bekommen wir quasi eine neue Entscheidungsebene dazu?
Iris Lanz:
Genau. Das mittlere Management wird sich stark verändern. Das hören vielleicht
viele nicht gerne, aber mittlere Führungskräfte sind in Unternehmen manchmal
auch diejenigen, die Veränderungen blockieren.
Sie spüren natürlich ebenfalls, dass sich etwas verändert. Wenn sie sich nicht
selbst verändern, wird das möglicherweise in fünf oder zehn Jahren noch
deutlicher spürbar werden.
Ich möchte mich da gar nicht auf einen konkreten Zeitraum festlegen. Es gibt
unterschiedliche Szenarien mit unterschiedlicher Geschwindigkeit.
Aber in den nächsten Jahren wird es definitiv wichtig sein, dass sich vor allen
Dingen die mittlere und obere Führungsebene intensiv damit auseinandersetzt.
Sie muss sich überlegen, wie das eigene Unternehmen aufgestellt werden kann,
um mit KI weiterzuwachsen.
Marilyn:
Bevor wir dazu kommen, wie man eine konkrete KI-Strategie auf den Weg bringt
und welche Empfehlungen du dafür hast, möchte ich dich noch mit etwas
konfrontieren, das bei neuen Technologien häufig diskutiert wird.
Ich habe erst kürzlich wieder gelesen, dass KI möglicherweise zu Mehrarbeit führt.
Was sagst du dazu?
Iris Lanz:
Diesen Effekt möchte ich gar nicht schönreden. Aber ich möchte zunächst einmal
das große Bild betrachten.
Seit der Industrialisierung gibt es immer wieder die Befürchtung, dass neue
Technologien Arbeitsplätze zerstören und wir in eine Massenarbeitslosigkeit
hineinlaufen.
Mitnichten! Das Gegenteil ist der Fall: Die Arbeitsplätze haben sich natürlich
komplett verändert und verschoben. Neue Industrien sind entstanden, und gerade
in der Produktion haben Maschinen immer mehr Aufgaben übernommen.
Ich denke, dass wir auch jetzt wieder solche Veränderungen erleben werden.
Marilyn:
Ich glaube auch nicht, dass wir in Zukunft in einer Massenarbeitslosigkeit landen.
Die Arbeitsplätze verändern sich, aber wie siehst du das? Haben wir durch KI-
Tools tatsächlich Mehrarbeit?
Iris Lanz:
Am Anfang auf jeden Fall!
Das möchte ich überhaupt nicht schönreden. Und das sind ja häufig auch die
Gründe für Widerstand in Unternehmen.
Da heißt es dann: Das sollen wir jetzt auch noch machen? Ich habe doch schon
genug zu tun!
Sich zusätzlich Zeit für eine strategische Neuausrichtung zu nehmen und im
eigenen Unternehmen aufzuräumen, gerade bei Prozessen und
Verantwortlichkeiten, ist eine Herausforderung.
Wer im normalen Mittelstand arbeitet, kennt das: Ich brauche noch drei
Unterschriften, bevor wir loslegen können.
Bis ich diese drei Unterschriften habe, ist der Mitbewerber möglicherweise schon
fünf Meter weitergelaufen.
Es geht darum, herauszufinden, an welchen Stellen unbedingt ein Mensch
entscheiden muss. Wir sprechen hier von Human in the Loop.
Wo muss der Mensch entscheiden? Und wo können wir beispielsweise agentische
KI einsetzen, ohne ein zu großes Risiko einzugehen, aber gleichzeitig einen
großen Mehrwert zu schaffen?
Das herauszufinden bedeutet, dass wir uns mit unseren eigenen
Geschäftsmodellen auseinandersetzen müssen.
Wir müssen prüfen: Macht es eigentlich noch Sinn, so zu arbeiten wie bisher, oder
müssen wir etwas verändern?
Wir haben ähnliche Entwicklungen bereits in der Musikindustrie und in der
Filmindustrie erlebt. Die Digitalisierung hat dort große Wellen geschlagen. Und
diejenigen, die sich tiefgreifend damit auseinandergesetzt haben, gehörten
letztlich zu den Gewinnern.
Von daher bedeutet KI zunächst einmal mehr Arbeit, weil wir uns mit uns selbst
auseinandersetzen müssen.
Wir müssen unseren eigenen Führungsstil hinterfragen und uns mit den
Bedürfnissen, Ängsten, aber auch den Erwartungen und Chancen unserer
Mitarbeitenden beschäftigen.
Das Ganze müssen wir auf einen Weg bringen, der glaubwürdig und transparent
ist. Gleichzeitig dürfen wir das normale Geschäft nicht vernachlässigen.
Das ist definitiv eine Herausforderung.
Marilyn:
Genau. Und da liegt im Prinzip der Engpass, den ich momentan sehe.
Es gibt ohnehin genug zu tun und genügend Herausforderungen. Die Menschen
sind erschöpft, und jetzt sollen sie sich auch noch mit KI beschäftigen.
Man muss verstehen, was das große Ganze ist, welche Vision dahintersteckt und
welches Ziel verfolgt wird.
Und wie KI darauf einzahlt, ist natürlich auch eine Kommunikationsfrage – wie
immer bei einer Transformation.
Marilyn:
Ja, da muss man natürlich verstehen, was das große Ganze ist, was die Vision
und das Ziel sind und wie KI darauf einzahlt. Das ist natürlich ein
Kommunikationsthema, wie immer in der Transformation.
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um ein bisschen Platz für unseren
Sponsor der heutigen Folge, nämlich Billbee, zu schaffen.
Billbee ist ein All-in-One-Tool für den Onlinehandel, mit dem ihr Bestellungen,
Versand, Rechnungen und Warenbestand zentral verwalten und auch
automatisieren könnt. Dabei ist es egal, ob ihr Amazon, Shopify, eBay oder ganz
andere Marktplätze und Shopsysteme benutzt.
Den größten Mehrwert habt ihr bei Billbee, wenn ihr im Multichannel aktiv seid.
Ganz besonders zeigt sich dieser durch die Zeitersparnis bei der Automatisierung
und die Zentralisierung aller Verkaufskanäle auf einer Plattform.
Mein Kollege Frank hat Billbee schon selbst in einigen Projekten mit Unternehmen
umgesetzt. Das lohnt sich besonders, wenn ihr mit einer kleinen Belegschaft
auskommen müsst.
Jetzt kommt das Beste: In den Shownotes findet ihr Links zu den verschiedenen
Produkten, zum Beispiel auch für die verlängerte Testphase von 60 anstelle von
30 Tagen bei Billbee. Außerdem findet ihr dort weitere Benefits für Produkte aus
dem Hause Commerce.
Schaut also mal rein!
So viel zu unserem Werbepartner von heute und jetzt viel Spaß bei der Folge!
Marilyn:
Was beobachtest du denn bei der Nutzung von KI in Unternehmen? Wir wollten ja
heute besonders über Berufserfahrene sprechen.
Du gehst oft in Unternehmen, gerade auch in mittelständische Unternehmen, und
bringst dort Strategien auf den Weg.
Beobachtest du Unterschiede zwischen den verschiedenen Altersgruppen bei der
Nutzung von KI?
Iris Lanz:
Ich würde sagen, dass man auch hier nicht unbedingt schwarz-weiß in
Altersgruppen unterscheiden kann.
Menschen, die vielleicht schon 20 Jahre im Unternehmen sind, tun sich
möglicherweise etwas schwerer damit, transformatorisch zu denken als jüngere
Menschen.
Allerdings unterscheidet man in der Organisationsentwicklung verschiedene
Gruppen.
Es gibt die Menschen, die total begeistert sind, die First Mover. Sie probieren
jedes Tool aus.
Dann gibt es das genaue Gegenteil: die Verweigerer. Die sagen: Nein, auf keinen
Fall! Ich sehe nur Probleme.
Und dazwischen gibt es die träge Masse.
Diese Gruppen findet man ehrlich gesagt in allen Altersgruppen.
Was mich im letzten halben Jahr besonders positiv überrascht hat, ist, dass
Frauen sich sehr aktiv einbringen und viel Nutzen in KI sehen.
Vielleicht sind sie zunächst etwas abwartend. Wenn sie aber verstehen, wie KI
funktioniert und was KI eigentlich ist, verändert sich das.
Wenn wir beispielsweise darüber sprechen, was künstliche Intelligenz und was
menschliche Intelligenz ist, dann merken sie, dass sie nicht zwangsläufig
diejenigen sind, die ersetzt werden.
Ersetzt würden sie eher durch jemanden, der KI besser einsetzen kann.
Dann sind sie auch motiviert, etwas zu machen und sich in ihrem eigenen
Arbeitsumfeld Anwendungsfälle zu überlegen.
Sie fragen sich: Wow, wäre es nicht toll, wenn ich diese Aufgabe mit KI lösen
könnte?
Deswegen habe ich auch das Buch geschrieben.
Ich finde es unglaublich wichtig, dass sich gerade Berufserfahrene in diese
Transformation einbringen – mit all ihrer Erfahrung, mit einem kritischen Blick und
mit den schwierigen Fragen, die sie vielleicht stellen.
Auch in meiner eigenen Ausbildung habe ich gesehen, dass viele Menschen in
meinem Alter, die teilweise Jahrzehnte Berufserfahrung hatten, anfangs
Schwierigkeiten damit hatten, überhaupt eine Frage zu stellen.
Sie haben dann gelernt: Fragen haben alle! Die Jungen genauso wie die Älteren.
Und diese Fragen muss man bei KI auch stellen. Nur dann findet man gute
Lösungen.
Marilyn:
Man ist ja sehr schnell dazu verleitet, bei KI- oder allgemeinen
Transformationsprojekten bestimmte Verantwortliche herauszunehmen, die sich
dann projektbasiert um das Thema kümmern oder als Botschafterinnen und
Botschafter auftreten.
Das habe ich auch beim Thema KI schon sehr oft gehört.
Ich glaube, da besteht das Risiko, immer die besonders KI-affinen Menschen
auszuwählen, die ohnehin schon weit vorne sind, offen für alles sind und sich gut
auskennen.
Das kann diejenigen abschrecken, die vielleicht einer anderen Altersgruppe
angehören oder grundsätzlich eine kritischere Haltung haben.
Ich würde deshalb immer empfehlen, auch Menschen mit einer eher kritischen
Haltung als Botschafterinnen und Botschafter mit an Bord zu nehmen.
Sie können diese Zielgruppen im Unternehmen möglicherweise besser
ansprechen.
Iris Lanz:
Absolut!
Deswegen schlage ich oft vor, mit konkreten Anwendungsfällen in den Bereichen
anzufangen, in denen es eher kritische Stimmen gibt.
Gerade dort kann man Überzeugungskraft entwickeln und gemeinsam im Team
Erfolge erzielen.
Man sollte also auf keinen Fall immer nur die High Performer auswählen, die
gerne Fremdwörter benutzen und als Mentor im Workshop stehen, während sich
die anderen nicht mehr trauen, etwas zu sagen.
Stattdessen sollte man tatsächlich diejenigen einbeziehen, die eher skeptisch
sind.
Am Ende ist das Ergebnis dann möglicherweise sogar besser.
Marilyn:
Interessant! Der kritische Blick ist also auf jeden Fall wichtig.
Iris, jetzt wollen wir einmal in das Thema KI-Strategie einsteigen.
Wenn du ein paar konkrete Schritte mitbringen könntest, wäre das toll. Vielleicht
hast du auch das eine oder andere Beispiel, bei dem du keine Namen nennen
musst, aber zeigen kannst, wie etwas zum Erfolg geführt hat.
Iris Lanz:
Am Ende geht es natürlich immer darum, das eigene Arbeitsumfeld zu beleuchten.
Vorher muss man aber überhaupt erst einmal verstehen, was KI eigentlich ist.
Es gibt nicht die eine KI. Genauso wenig, wie Google das Internet ist.
Viele denken bei KI direkt an Sprachmodelle. Das ist natürlich auch dadurch
begründet, dass ChatGPT uns alle abgeholt und Ende 2022 einen Hype ausgelöst
hat, den wahrscheinlich selbst die Entwickler nicht in diesem Ausmaß erwartet
hatten.
Zunächst geht es also darum, die Menschen auf einen gemeinsamen
Wissensstand zu bringen.
Danach schaut man sich an: Wo liegen eure Pain Points, also eure
Schmerzpunkte bei der Arbeit?
Wie oft müsst ihr etwas von einem System in ein anderes übertragen? Welche
Aufgaben wiederholen sich ständig?
Können wir Dinge einfach automatisieren? Oder wäre es sinnvoll, dafür KI
einzusetzen?
Welche KI wäre dafür notwendig und welche Verantwortung ergibt sich daraus?
Wo muss weiterhin der Mensch eingebunden sein und Entscheidungen treffen?
Das ist im Grunde das Gerüst.
Am Ende geht es natürlich auch ganz wesentlich um die Befähigung der
Mitarbeitenden.
Wenn ich mir die Stellenausschreibungen anschaue, wird überall KI-Kompetenz
gefragt. Daran kommt man kaum noch vorbei.
Die Frage ist aber: Wen kann ich im eigenen Unternehmen befähigen, sich mit
dem vorhandenen Wissen und der eigenen Berufserfahrung im Bereich KI
weiterzuentwickeln?
Dafür plädiere ich immer.
Man sollte zunächst im eigenen Umfeld schauen, wen man befähigen kann, wo
Botschafterinnen und Botschafter entwickelt werden können und wo sich Peer-
Learning-Gruppen bilden lassen.
Der Austausch ist unglaublich wichtig.
Es reicht nicht, einfach etwas einzusetzen und auszuprobieren. Man muss
kontinuierlich daran weiterarbeiten. Nur dann ist eine solche Transformation
wirklich möglich.
Eine KI-Strategie braucht natürlich auch eine Vision und einen Zielstern.
Dieser muss mit der bisherigen Unternehmensvision abgeglichen werden – sofern
es überhaupt eine gibt. Manche Unternehmen haben noch gar keine klar
formulierte Vision.
Dann geht es darum, den eigenen Markenkern zu bestimmen und die Kunden
wirklich zu verstehen.
Was ist der tatsächliche Bedarf?
Denn am Ende tun wir alles für den Kunden und nicht für uns selbst. Das dürfen
wir bei der Einführung von KI nicht aus den Augen verlieren.
Gerade in Vertriebsteams kann KI beispielsweise schnell helfen.
Man kann bessere Kundengespräche führen und sich viel besser darauf
vorbereiten.
Man muss nicht mehr nach einem Gespräch auf dem Parkplatz sitzen und das
CRM-System mit den Gesprächsinhalten füttern, sondern kann KI sinnvoll
einsetzen, um solche Aufgaben zu erleichtern.
Dafür braucht man natürlich Daten. Und diese Daten gibt es in vielen
Unternehmen, strukturiert oder unstrukturiert.
Das ist eine weitere wichtige Frage der Strategie: Haben wir überhaupt die
notwendigen Daten? Können wir sie nutzen oder müssen wir sie zunächst
aufbereiten?
Daraus ergibt sich im Prinzip eine Strategie, die drei zentrale Bereiche umfasst:
Erstens die Menschen, also die Mitarbeitenden.
Zweitens die Ressourcen, Prozesse und Strukturen.
Und drittens unser Leitbild, unsere Ziele und unsere Strategie.
Marilyn:
Eine kurze Werbung in eigener Sache.
Wenn ich nicht gerade Podcasts aufnehme, dann stehe ich viel auf der Bühne. Ich
bin Keynote-Speakerin für die Zukunft des Handels und spreche über Trends im
Handel, über Technologien, aber vor allem auch darüber, wie sich
Kundenbedürfnisse verändern und wie Technologien Märkte verändern.
Zuletzt spreche ich viel über das Thema Künstliche Intelligenz und
Konsumverhalten. Denn ich weiß nicht, wie es euch geht: Viele Menschen nutzen
heutzutage schon ChatGPT, Claude, Gemini und Co., um sich über Produkte zu
informieren.
Jetzt ist die Frage: Wie verändert das natürlich den Handel? Was bedeutet das für
die Geschäftsmodelle der Zukunft?
Wenn ihr einen lebendigen Vortrag über diese Themen inklusive Best Practices für
eure Konferenz braucht, dann schreibt mir sehr gerne.
Ja, wir hier bei Zukunft des Einkaufens machen sehr gerne Content rund um die
Trends und die Zukunft des Handels.
Um uns zu unterstützen, lasst uns doch sehr gerne fünf Sterne in den Podcastern
eurer Wahl da. Unterstützt uns als Unterstützer, also werft uns ein paar Euro im
Monat in den Hut. Das geht auf zukunftdeseinkaufens.de.
Oder empfehlt uns euren Kolleginnen und Kollegen, liked, shared und diskutiert
mit uns. Darüber freuen wir uns sehr.
Und jetzt geht’s weiter!
Marilyn:
Hast du denn ein tolles Beispiel, von dem du berichten kannst, wo du zuletzt in
einem Unternehmen tätig warst und ihr gemeinsam tolle Ziele erreicht habt?
Iris Lanz:
Ja, ich muss sagen, bei einem Punkt hatte ich eigentlich mit sehr viel Widerstand
gerechnet.
Es ging um ein kleines Team mit zehn Leuten. Ich hatte zunächst gedacht: Okay,
wir sind sowieso schon mit Arbeit überlastet. Das wird gar nicht funktionieren.
Dann war es aber ein wirklich sehr gelungener Strategie-Workshop, der uns
geholfen hat, eine massive Motivation bei den Mitarbeitenden zu entwickeln.
Die Mitarbeitenden hatten eigentlich schon auf diesen Moment gewartet. Sie
wollten, dass endlich etwas passiert und sie mitgestalten können.
Ich glaube, genau das ist der entscheidende Faktor: Wenn Mitarbeitende spüren,
dass sie mitgestalten können und ihnen nicht einfach etwas von oben übergestülpt
wird, dann funktioniert es.
Ich habe auch schon erlebt, dass Unternehmen sagen: Wir machen jetzt mal New
Work und reißen bei uns die Wände ein. Und dann ist das New Work.
So kann das nicht funktionieren.
Es kann nur funktionieren, wenn wir die Menschen mitnehmen.
Das ist uns in diesem Fall sehr gut gelungen. Wir haben mehrere Use Cases
identifiziert, die wir im nächsten halben Jahr umsetzen werden. Darauf freue ich
mich sehr.
Marilyn:
Ja, die Menschen müssen also mitziehen.
Ich wollte dich eigentlich noch nach den größten Showstoppern fragen, aber ich
glaube, das beantwortet sich an dieser Stelle schon: Es geht vor allem um
Kommunikation und darum, die Menschen mitzunehmen.
Iris Lanz:
Ganz zentral!
Das wird leider immer wieder vernachlässigt und unterschätzt. Dabei kann diese
Dynamik enorme Auswirkungen haben.
Sie kann sogar zu Kündigungen führen oder eine Verweigerungshaltung auslösen.
Das ist wahnsinnig schade, weil KI uns riesige neue Chancen bietet, die wir
nutzen sollten, statt das Vertrauen unserer Mitarbeitenden aufs Spiel zu setzen,
indem wir sie ignorieren.
Marilyn:
Ja, ein tolles Schlusswort! Aber ich habe leider noch eine Frage.
Du hattest ganz zu Beginn angesprochen, dass du in deinem Buch auch
Schreckensszenarien thematisierst.
Ich glaube, das geht vielen Menschen momentan wirklich unter die Haut. Es gibt
viele Nachrichten darüber, dass KIs aus Testumgebungen ausbrechen und sich in
andere Unternehmen einhacken.
Wir sind momentan, was KI angeht, noch sehr stark auf der Softwareseite
unterwegs. Aber ich glaube, da wird es bald einen Wechsel geben.
Es gibt ja bereits viele Kombinationen aus Robotik und Künstlicher Intelligenz.
Roboter und Software werden gemeinsam trainiert, um beispielsweise zu Hause
den Haushalt zu unterstützen. Dazu laufen derzeit viele Pilotprojekte.
Das bedeutet, dass wir in Zukunft möglicherweise intelligente Roboter zu Hause
haben werden, die mit dem Internet verbunden sind.
Wie schätzt du die Zukunft in diesem Bereich ein?
Iris Lanz:
Grundsätzlich lässt sich nicht wegreden, dass es auch eine Kehrseite der Medaille
gibt. Das beängstigt mich in Teilen ebenfalls.
Ich halte es allerdings nicht für richtig, sich deshalb nicht mit dem Thema zu
beschäftigen.
Im Gegenteil: Gerade wenn wir über digitale Souveränität und Unabhängigkeit von
Ländern mit anderen Regulierungsansätzen sprechen, müssen wir uns damit
auseinandersetzen.
Es bringt uns nichts, die Schotten dichtzumachen und zu sagen: Wir beschäftigen
uns damit nicht und ignorieren das Thema.
Gerade wenn wir Ängste überwinden wollen, hilft Wissen.
Ich glaube, Menschen, die sehr angstvoll mit dem Thema umgehen, sollten sich
damit beschäftigen. Das bedeutet nicht, dass man sich nicht kritisch damit
auseinandersetzen sollte.
Im Gegenteil: Es ist wichtig, Gespräche zu führen und sich auszutauschen.
Wenn wir uns mit dem Thema beschäftigen, können wir unsere Ängste
möglicherweise besser in den Griff bekommen.
Marilyn:
Ja, da sind wir uns, glaube ich, einig. Wir müssen uns mit dem Thema befassen.
Aber niemand kann so recht in die Glaskugel schauen und die Zukunft
vorhersagen.
Ob wir bei den großen Systemen tatsächlich die Kontrolle behalten, da bin ich
skeptisch. Ich weiß nicht, ob uns das gelingt.
Wir befinden uns schließlich auch in einem Wettstreit zwischen China und den
USA, der die Sicherheit nicht gerade fördert, sondern eher infrage stellt.
Das beängstigt einen manchmal schon. Aber das hilft ja alles nichts.
Iris Lanz:
Ich glaube, wir müssen hier differenzieren.
Wir sehen beispielsweise bei den Sprachmodellen, dass wir momentan kein
europäisches Sprachmodell haben, das mit den großen internationalen Anbietern
mithalten kann. Auch bei den Investitionssummen können wir kaum konkurrieren.
Was wir aber haben, sind sehr spezifische Anwendungen. Und in diesen
Bereichen sind wir gut, weil wir wirklich kluge Köpfe haben.
Ich glaube, dass wir große Chancen haben, wenn wir uns auf solche
Spezialisierungsbereiche konzentrieren und neue Geschäftsmodelle entwickeln.
Das gilt nicht nur für Europa, sondern gerade auch für Deutschland.
Man sieht das an den vielen Gründungen, die momentan entstehen, auch
aufgrund von KI. Es gibt außerdem neue Wissenszentren, Austauschzentren und
Hubs.
Es geht darum, für uns herauszufinden, wo unsere Nischen liegen.
Die großen Themen befinden sich teilweise bereits in einem Wettrennen, das wir
kaum gewinnen können.
Deshalb müssen wir uns überlegen, wie wir diese Technologien nutzen können,
ohne dass sie uns schaden.
Marilyn:
Genau. Aber auch da bin ich inzwischen immer optimistischer.
Gerade mit Blick auf den Handel sehen wir einige europäische Entwicklungen.
Ein Beispiel ist Wero, ein europäischer Zahlungsdienst als Gegenentwurf zu
PayPal, mit dem wir unabhängiger werden wollen.
Dann kommt die EUDI-Wallet, also die europäische digitale Identität, mit der wir
uns unabhängiger von Google, Apple oder Microsoft machen können.
Ich glaube, wir sind da auf einem ganz guten Weg.
Es geht vielleicht alles ein bisschen langsamer bei uns. Aber unsere europäischen
Grundwerte – Datenschutz, Freiheit und Menschenzentrierung – können uns in
Zukunft stark machen.
Iris Lanz:
Ja, das glaube ich auch. Da bin ich völlig deiner Meinung.
Marilyn:
Liebe Iris, herzlichen Dank für diese Einblicke in den Status quo der KI-Nutzung in
Unternehmen, vor allem auch im Mittelstand, und für deine konkreten Tipps.
Ich danke dir ganz herzlich und wünsche dir weiterhin ganz viel Erfolg bei der
Digitalisierung und KI-Transformation des Mittelstands.
Iris Lanz:
Ja, ich danke dir!









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