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Christine Mengelée

Grüne Filialen im Einzelhandel

15. Oktober 2025 / Von Christine Mengelée / Lesedauer: 4 Minuten 49 Sekunden

Klimaschutz als Pflicht und Chance

Der Klimawandel ist längst kein abstraktes Zukunftsszenario mehr, sondern eine reale Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft. Auch der Einzelhandel steht zunehmend in der Verantwortung, seinen Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasemissionen zu leisten. Dabei geht es nicht nur um ökologische Verantwortung, sondern auch um ökonomische Vernunft. Energieeffizienz senkt Betriebskosten, stärkt das Image und wird von Kund:innen zunehmend erwartet.

Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im Einzelhandel bedeutet das, dass Klimaschutz ein Teil der Unternehmensstrategie werden muss und zwar nicht nur auf dem Papier, sondern konkret im Store. Dieser Beitrag zeigt, wie das gelingen kann.

Maßnahmen zur Emissionsreduktion

Viele Maßnahmen zur CO₂-Reduktion sind technisch ausgereift, wirtschaftlich sinnvoll und lassen sich auch in kleineren Betrieben umsetzen. Im Folgenden stellen wir zentrale Hebel vor.

LED-Beleuchtung

Der Umstieg auf LED-Technologie ist eine der einfachsten und effektivsten Maßnahmen zur Energieeinsparung. LEDs verbrauchen bis zu 80 % weniger Strom als herkömmliche Glüh- oder Halogenlampen und haben eine deutlich längere Lebensdauer.

  • Eine Filiale mit 100 Leuchtmitteln kann durch LED-Technik jährlich mehrere tausend Kilowattstunden Strom einsparen.
  • LEDs erzeugen weniger Wärme, was die Klimatisierungskosten senkt.

Wärmerückgewinnung

Moderne Lüftungs- und Klimaanlagen können mit Wärmerückgewinnungssystemen ausgestattet werden. Dabei wird die Wärme aus der Abluft genutzt, um die Zuluft vorzuwärmen – das spart Heizenergie und senkt die CO₂-Emissionen.

  • Besonders effektiv in Märkten mit hoher Kundenfrequenz und großen Verkaufsflächen.
  • Auch bei Kühlanlagen lässt sich Abwärme nutzen, bspw. zur Warmwasserbereitung.

Verzicht auf Flugware

Ein oft unterschätzter Hebel liegt im Sortiment: Der Verzicht auf Lebensmittel, die per Flugzeug importiert werden, kann die Klimabilanz deutlich verbessern.

  • Laut dem Institut für Energie- und Umweltforschung (IFEU) verursacht 1 kg Ananas per Flugzeug rund 15,1 kg CO₂-Äquivalente, per Schiff nur 0,6 kg.
  • Einige Händler wie Lidl Österreich und Lidl Schweden haben Flugware vollständig aus dem Sortiment genommen.

Diese Maßnahme ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch kommunikativ wirksam – sie zeigt Kund:innen, dass Nachhaltigkeit ernst genommen wird.

Regionale Lieferanten

Die Zusammenarbeit mit regionalen Produzenten reduziert Transportwege, stärkt die lokale Wirtschaft und verbessert die CO₂-Bilanz.

  • Saisonale Produkte aus der Region benötigen weniger Verpackung und Kühlung.
  • Transparente Herkunft schafft Vertrauen und ermöglicht Storytelling im Marketing.

Gerade für KMU bietet die Nähe zu regionalen Lieferanten oft logistische Vorteile und mehr Flexibilität.

Nachhaltigkeit bei Kühlanlagen

Kühlung ist einer der größten Energieverbraucher im Lebensmitteleinzelhandel. Moderne Kühlanlagen mit natürlichen Kältemitteln (z. B. CO₂ oder Propan) sind deutlich klimafreundlicher als herkömmliche Systeme mit fluorierten Treibhausgasen.

  • Regelmäßige Wartung und intelligente Steuerung (bspw. Nachtabschaltung) erhöhen die Effizienz.
  • Türen oder Rollvorhänge an Kühlregalen reduzieren den Energiebedarf erheblich.

Verzicht auf Handzettel

Gedruckte Werbematerialien wie Handzettel verursachen nicht nur Papiermüll, sondern auch CO₂-Emissionen durch Druck, Transport und Entsorgung.

  • Digitale Alternativen wie Apps, Newsletter oder QR-Codes sind kostengünstig und umweltfreundlich.
  • Handelsketten wie REWE und EDEKA setzen bereits verstärkt auf digitale Kommunikation.

Der Verzicht auf Handzettel ist ein sichtbares Zeichen für Nachhaltigkeit und spart bares Geld.

Strom vom eigenen Dach

Solardächer sind ein wirkungsvoller Hebel zur Reduktion von CO₂-Emissionen und zur Senkung der Energiekosten. Gerade Einzelhandelsimmobilien bieten durch ihre großen Dachflächen ideale Voraussetzungen für Photovoltaikanlagen.

  • Eigenerzeugung statt Fremdbezug: Supermärkte und Einkaufszentren verbrauchen viel Energie für Beleuchtung, Kühlung und Klimatisierung. Mit Solaranlagen kann ein erheblicher Teil des Strombedarfs selbst gedeckt werden.
  • Die Investition amortisiert sich über die Jahre durch Einsparungen bei den Stromkosten und mögliche Einspeisevergütungen.
  • Sichtbare Solaranlagen signalisieren Umweltbewusstsein und stärken die Kundenbindung.

Einige Handelsunternehmen setzen bereits konsequent auf Photovoltaik. Laut Branchenberichten sind Solardächer nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch ein effektives Marketinginstrument.

E-Ladesäulen

Die Elektromobilität nimmt Fahrt auf – und der Einzelhandel kann davon profitieren. Mit der Installation von E-Ladesäulen auf Kundenparkplätzen wird nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet, sondern auch ein attraktiver Service geboten.

  • Kund:innen laden ihr Fahrzeug während des Einkaufs – das erhöht die Aufenthaltsdauer und kann den Umsatz steigern.
  • Fahrer:innen von Elektroautos sind oft besonders kaufkräftig und bevorzugen Standorte mit Ladeinfrastruktur.
  • Der Ausbau von Ladepunkten wird vielfach staatlich gefördert, was die Investitionskosten senkt.

Laut Handelsverband Deutschland stellt der Einzelhandel bereits über 15 % der öffentlich zugänglichen Ladepunkte in Deutschland. Besonders Schnellladepunkte mit hoher Leistung sind gefragt, da sie eine Reichweitenverlängerung von bis zu 200 km in nur 30 Minuten ermöglichen.

Beispiel: Green Buildings bei REWE

Ein Vorreiter im Bereich nachhaltiger Filialarchitektur ist die REWE Group. Seit 2013 setzt das Unternehmen bei Neubauten konsequent auf das Green-Building-Konzept, das durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) zertifiziert wird.

Merkmale der REWE Green Buildings:

  • Einsatz regenerativer Energien (bspw. Photovoltaik)
  • Wärmedämmung nach neuesten Standards
  • Nutzung von Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft
  • Energieeffiziente Kühl- und Beleuchtungstechnik
  • Begrünte Dächer und Fassaden zur Verbesserung des Mikroklimas

Der Primärenergiebedarf konnte gegenüber konventionellen Märkten um bis zu 40 % gesenkt werden. Die Green Buildings sind nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich attraktiv – sie erzielen überdurchschnittliche Kundenfrequenz und Umsätze.

Klimaziele in Standortstrategie und Facility Management integrieren

Klimaschutz darf kein isoliertes Projekt sein, sondern muss in die strategische Planung von Standorten und das Facility Management eingebettet werden.

Standortstrategie

Bereits bei der Auswahl neuer Standorte sollten Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt werden:

  • Nähe zu öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Möglichkeit zur Installation von PV-Anlagen oder E-Ladestationen
  • Gebäudestruktur mit Potenzial für energieeffiziente Nachrüstung

Auch die Entscheidung für Mietobjekte oder eigene Immobilien hat Einfluss auf die Umsetzungsmöglichkeiten.

Facility Management

Das Facility Management spielt eine zentrale Rolle bei der Umsetzung von Klimazielen:

  • Monitoring von Energieverbräuchen
  • Optimierung von Wartungszyklen
  • Auswahl nachhaltiger Dienstleister und Reinigungsmittel
  • Integration von ESG-Kriterien in Ausschreibungen und Verträge

Laut einer Studie der TU Darmstadt sehen sich Facility Manager zunehmend in einer beratenden Rolle zur Dekarbonisierung von Gebäuden. Die größten Herausforderungen liegen in fehlenden Ressourcen und Fachkräften – hier sind Kooperationen mit spezialisierten Dienstleistern sinnvoll.

 

Fazit: Nachhaltigkeit als Erfolgsfaktor für KMU

Klimaschutz im Store ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit – und eine Chance. Gerade kleine und mittlere Unternehmen können durch gezielte Maßnahmen ihre Betriebskosten senken, ihr Image stärken und sich zukunftsfähig aufstellen.

Die wichtigsten Schritte:

  • Energieeffizienz durch Technik (LED, Wärmerückgewinnung, Kühlung, Solardächer)
  • Nachhaltige Sortimentsgestaltung (Verzicht auf Flugware, regionale Produkte)
  • Digitalisierung von Prozessen (Handzettel, Kommunikation)
  • Infrastruktur für die Verkehrswende (E-Ladesäulen)
  • Integration von Klimazielen in Standortwahl und Facility Management

Wer heute handelt, sichert sich morgen Wettbewerbsvorteile und leistet einen messbaren Beitrag zur Erreichung der Klimaziele. Nachhaltigkeit ist kein Trend, sondern ein strategischer Imperativ für den Einzelhandel.

 

 

Quellen:

Montage von Solaranlagen auf Supermärkten und Einkaufszentren – Photovoltaikmontagen.de

Handelsverband Deutschland – Nachhaltigkeit im Einzelhandel

Solardächer – Nachhaltige Energiegewinnung – Solarproduktion.com

Leitfaden Elektromobilität im Einzelhandel – HDE Klimaschutzoffensive

Positionspapier Ladeinfrastruktur im Einzelhandel – HDE

EHI Retail Institute – Klima + Energie im Handel

REWE Nachhaltigkeit – Green Buildings

REWE Group – Green Building Konzept

Ökokiste – Warum Flugware klimaschädlich ist

Watson – Lidl stoppt Flugware in mehreren Ländern

 

 

Christine Mengelée

Bankkauffrau

Diplom Betriebswirtin

Msc. Umweltwissenschaftlerin (lfd.)

20-jährige Erfahrung im Einkauf von Nonfood Produkten

2-jährige Erfahrung im Bereich Kreislaufwirtschaft / Wertstoffmanagement

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Kategorie: Nachhaltigkeit
Schlagworte: Digitalisierung, Handzettel, Immobilien, Kommunikation, LEH, Loyalty, Marketing, Mobile, Nachhaltigkeit, Packaging, Sortimentsanalyse
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