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Christine Mengelée

Zu gut für die Tonne! Wie KMU Verantwortung übernehmen können

17. September 2025 / Von Christine Mengelée / Lesedauer: 3 Minuten 12 Sekunden
pixabay

Lebensmittelverschwendung als unterschätzter Hebel für Nachhaltigkeit

Lebensmittelverschwendung betrifft nicht nur Supermärkte oder Großküchen, sondern ist ein branchenübergreifendes Thema. Ob produzierendes Gewerbe, Dienstleistungsbetrieb oder Handwerksunternehmen. Überall dort, wo mit Lebensmitteln gearbeitet wird, sei es in Kantinen, bei Veranstaltungen, im Catering oder in der Produktentwicklung entstehen vermeidbare Abfälle. Auch in der Büroverpflegung oder bei Meetings werden regelmäßig genießbare Lebensmittel entsorgt.

Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ist Food Waste oft ein blinder Fleck im Nachhaltigkeitsmanagement. Dabei bietet gerade dieser Bereich einen konkreten Hebel, um Ressourcen zu schonen, Kosten zu senken und das eigene Engagement sichtbar zu machen.

 

Ursachen von Lebensmittelverschwendung in KMU

Die Gründe für Lebensmittelverluste sind vielfältig und oft strukturell bedingt:

  • Ungenaue Mengenplanung bei Veranstaltungen oder Kantinenbetrieb
  • Überproduktion in der Lebensmittelverarbeitung oder Gastronomie
  • Fehlende Lagertransparenz und kurze Haltbarkeiten
  • Unzureichende Kommunikation zwischen Einkauf, Küche und Logistik
  • Fehlende Prozesse zur Weiterverwertung oder Spende

Diese Herausforderungen lassen sich mit gezielten Maßnahmen und digitalen Tools deutlich besser steuern, auch mit begrenzten Ressourcen.

KI-basierte Bedarfsplanung

Künstliche Intelligenz kann KMU dabei unterstützen, Lebensmittelbedarfe präziser zu planen. Ob für die Kantine, das Catering oder die Produktion: KI-gestützte Systeme analysieren historische Daten, saisonale Schwankungen, Wetterprognosen und Buchungsverhalten, um Bestellmengen optimal zu steuern. Auf Basis von Mitarbeiterzahlen, Menüpräferenzen und Wetterdaten die tägliche Essensmenge prognostiziert, lassen sich Überproduktionen vermeiden und die Zufriedenheit steigern. Selbst bei Eventplanungen oder in der Gastronomie können solche Tools helfen, die richtige Menge vorzubereiten und Food Waste zu reduzieren.

Dynamische Preisgestaltung und Resteverwertung

Für KMU mit gastronomischem Angebot, wie etwa Kantinen, Cafés oder Werksverkauf bietet die dynamische Preisgestaltung eine Möglichkeit, Lebensmittel kurz vor Ablauf günstiger anzubieten. Auch kreative Resteverwertung kann helfen, Überschüsse sinnvoll zu nutzen.

Eine Möglichkeit für Unternehmen mit eigener Kantine könnte ein Tagesgericht aus überschüssigen Zutaten sein. Ein „Restemenü“ aus übrig gebliebenen Zutaten, was die Mitarbeitenden schätzen und die Küche gleichzeitig Kosten spart und Abfälle reduziert.

Kooperation statt Entsorgung

Nicht verkaufte oder übrig gebliebene Lebensmittel müssen nicht im Müll landen. KMU können mit lokalen Tafeln, Foodsharing-Initiativen oder Plattformen wie „Too Good To Go“ zusammenarbeiten, um genießbare Produkte weiterzugeben.

Auch kleinere Betriebe, wie etwa Bäckereien, Cafés oder Kantinen können bspw. über die App „Too Good To Go“ überschüssige Lebensmittel vergünstigt anbieten. Das stärkt die lokale Vernetzung und das Nachhaltigkeitsprofil.

Verpackung, Lagerung und Kennzeichnung

Auch die richtige Lagerung und Verpackung kann Food Waste vermeiden. Intelligente Etiketten, klare Haltbarkeitskennzeichnung und Schulungen zur Lagerführung helfen, den Überblick zu behalten und Fehlentsorgungen zu vermeiden. Manchmal bringen kleine Veränderungen schnell eine große Wirkung.

Beispielsweise sensibilisiert die Initiative „Oft länger gut“ für den Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum und tatsächlicher Genießbarkeit. KMU können diese Hinweise in Kantinen oder bei internen Schulungen nutzen, um Mitarbeitende zu sensibilisieren.

Kommunikation und Unternehmenskultur

Food Waste ist auch ein kulturelles Thema. Wer offen kommuniziert, Mitarbeitende einbindet und kreative Lösungen fördert, schafft ein Bewusstsein für nachhaltiges Handeln.

Erfolgsfaktoren:

  • Transparente Kommunikation über Maßnahmen
  • Einbindung der Mitarbeitenden in Ideenfindung und Umsetzung
  • Anreize für nachhaltiges Verhalten, wie vergünstigte Restemenüs
  • Integration in CSR-Strategie und Nachhaltigkeitsberichte

Food Waste als KPI im Nachhaltigkeitsreporting?

Sollte die Reduktion von Lebensmittelverschwendung ein verpflichtender KPI im Nachhaltigkeitsreporting von KMU werden? Die Antwort hängt von Branche und Unternehmensgröße ab, doch der Impuls ist klar: Messbare Ziele fördern Verbindlichkeit und Innovation.

Warum ein KPI sinnvoll ist:

  • Erhöht die Transparenz gegenüber Stakeholdern
  • Fördert interne Prozessoptimierung
  • Stärkt das Nachhaltigkeitsprofil bei Kunden und Partnern
  • Ermöglicht Benchmarking und kontinuierliche Verbesserung

Handlungsempfehlungen für KMU

Unabhängig von Branche oder Größe können KMU aktiv zur Reduktion von Lebensmittelverschwendung beitragen:

  1. Analyse der eigenen Prozesse: Wo entstehen Verluste?
  2. Digitale Tools prüfen: Gibt es skalierbare Lösungen zur Mengenplanung oder Lagerführung?
  3. Kooperationen aufbauen: Mit Tafeln, Foodsharing oder Plattformen wie „Too Good To Go“
  4. Mitarbeitende einbinden: Schulungen, Ideenwettbewerbe, Resteverwertung
  5. Kommunikation stärken: Intern und extern über Maßnahmen berichten
  6. KPI definieren: Food Waste als messbare Größe im Nachhaltigkeitsreporting

Fazit: Verantwortung beginnt im Alltag

Lebensmittelverschwendung ist kein Randthema, sondern ein konkreter Hebel für Nachhaltigkeit, Effizienz und Unternehmenskultur. KMU, die aktiv handeln, zeigen Verantwortung, stärken ihre Marke und leisten einen Beitrag zur Ressourcenschonung. Ob mit KI, Kooperationen oder kreativen Ideen: Jeder Schritt zählt.

 

Quellen:

WWF Deutschland – Lebensmittelverschwendung durch KI minimieren

Too Good To Go – Unternehmenspartnerschaften

Oft länger gut – Initiative zur Haltbarkeitskennzeichnung

SEEBURGER Blog – Food Waste im Einzelhandel

IT-Zoom – Projekt REIF zur KI-gestützten Reduktion von Food Waste

 

Christine Mengelée

Bankkauffrau

Diplom Betriebswirtin

Msc. Umweltwissenschaftlerin (lfd.)

20-jährige Erfahrung im Einkauf von Nonfood Produkten

2-jährige Erfahrung im Bereich Kreislaufwirtschaft / Wertstoffmanagement

 

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Kategorie: Nachhaltigkeit
Schlagworte: Innovation, KI, Kommunikation, LEH, Logistik, Mitarbeitende, Nachhaltigkeit, Packaging
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