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Heike Scholz

Zollfreigrenze kippen?

28. Mai 2024 / Von Heike Scholz / Lesedauer: 1 Minuten 43 Sekunden

Billiganbieter aus China wie Temu, Shein oder AliExpress drängen massiv auf internationale Märkte. Damit verändern sie auch die eCommerce-Landschaft in Europa. Aktuell erhöht die Politik den Druck auf die Plattformen und will unter anderem die 150-Euro-Zollfreigrenze schneller als bisher geplant abschaffen.

Die 150-Euro-Zollfreigrenze

Pakete aus Drittländern, deren Inhalt einen Warenwert von 150 Euro nicht übersteigen, können in die EU zollfrei eingeführt werden. Laut EU-Kommission wurden 2023 insgesamt ca. zwei Milliarden Pakete ohne Zollgebühr aus Drittländern nach Europa geliefert.

Stimmen die Schätzungen der Expert:innen, stammen in Deutschland davon allein 73 Mio. Pakete von Temu, also rund 200.000 Pakete pro Tag. Alexander Bartz von der SPD-Bundestagsfraktion nannte gegenüber der „Bild am Sonntag“ die Zahl von 400.000 Paketen täglich, die von chinesischen Billiganbietern nach Deutschland kommen.

Der Warenwert eines Temu-Pakets soll in den USA zwischen 30 und 50 Dollar liegen, was sicherlich bei uns in Europa nicht viel anders ist. Damit kann Temu die Pakete zollfrei in die EU schicken und macht sich damit dieses Schlupfloch zunutze, um niedrige Preise anbieten zu können.

Allerdings sollen, nach einer Schätzung der EU-Kommission, rund 65 Prozent der Pakete falsch deklariert sein. Eine Kontrolle dieser Paketflut ist für die ohnehin bereits überlasteten Zollbehörden nicht zu leisten.

Die EU hat bereits Pläne, diese Zollfreigrenze bis 2028 abzuschaffen. Bartz von der SPD drängt nun darauf, dies schon 2025 umzusetzen.

Werden Pakete mit einem echten Warenwert unter 150 Euro, korrekt deklariert, in die EU geliefert, ist Temu zunächst kein Vorwurf zu machen. Doch die Auswirkungen dieser Paketflut sind unübersehbar: Überlastete Zollbehörden, Unmengen Verpackungsmüll und die mit Billigprodukten verbundenen Nachteile hinsichtlich Produktqualität, -sicherheit und -entsorgung. Und Temu ist nicht der einzige Anbieter. Weitere, die wir heute noch nicht im Markt erleben, wie Alibabas Tmall, werden folgen.

Es sieht also so aus, als ob es nur logisch und in unserem Sinne wäre, die 150-Euro-Zollfreigrenze abzuschaffen. Doch gibt es hierzu auch kritische Stimmen, wie vom E-Commerce Verband BEVH, der davor warnt, dass dies auch zu Verschärfungen in den Handelsbeziehungen mit anderen Nationen wie den USA führen kann. Denn US-amerikanische Unternehmen wie Amazon wären vom Wegfall der Zollfreiheit ebenfalls betroffen. Und das sind, Stand heute, ganz andere Schwergewichte im eCommerce.

Was meinen Sie? Löst der Wegfall der 150-Euro-Zollfreigrenze Europas Probleme mit chinesischen Billiganbietern? Oder können wir angesichts von rund 30 US-Dollar Verlust, die Temu mit jedem Paket machen soll, einfach abwarten, bis auch Temu sich das nicht mehr leisten kann? Ich freue mich auf Ihre Meinung dazu in den Kommentaren.

Heike Scholz

Beitragsbild von Tung Lam auf Pixabay

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Kategorie: eCommerce
Schlagworte: China, E-Commerce, Plattform
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