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Frank Rehme

ZDE Podcast 253: Grab & Go Stores – Totgesagte leben länger, Stephan Rüschen?

13. September 2026 / Von Frank Rehme / Lesedauer: 11 Minuten 48 Sekunden

Amazon Go sollte den stationären Handel revolutionieren. 3.000 Grab & Go Stores waren angekündigt – geblieben ist davon keiner. Bedeutet das das Ende von Grab & Go? Oder steht die Technologie erst am Anfang ihrer Entwicklung?

Folge direkt anhören:

ZUKUNFT DES EINKAUFENS PODCAST · ZDE 253: Grab & Go Stores – Totgesagte leben länger, Stephan Rüschen?

Die Shownotes

In dieser Folge spricht Frank Rehme mit Prof. Dr. Stephan Rüschen (DHBW Heilbronn), einem der führenden Experten für Smart Stores und autonome Handelskonzepte. Gemeinsam werfen sie einen Blick auf den aktuellen Stand der Grab-&-Go-Technologie, diskutieren internationale Entwicklungen und zeigen auf, warum das Konzept trotz des Rückzugs von Amazon keineswegs gescheitert ist.

Im Mittelpunkt stehen neue Studienergebnisse, die Zukunft autonomer Convenience Stores sowie die Frage, welche Rolle KI, Kameratechnologie und intelligente Customer Journeys künftig im Handel spielen werden.

Themen dieser Folge

  • Warum Amazon seine eigenen Amazon-Go-Stores geschlossen hat
  • Was aus der Ankündigung von 3.000 Stores geworden ist
  • Die weltweite Entwicklung von Grab-&-Go-Konzepten
  • Warum Asien und Nordamerika Vorreiter sind
  • Die veränderte Customer Journey gegenüber den ersten Amazon-Go-Stores
  • Grab & Go versus Self-Checkout und RFID
  • Einsatzmöglichkeiten in Innenstädten, Stadien und Kliniken
  • Warum sich die Technologie für den ländlichen Raum bislang kaum eignet
  • Wie KI, Kameras und Retail Media den Business Case verbessern können
  • Die Zukunft autonomer Stores in Europa

Hier geht es direkt zum Whitepaper

Zu Gast

Prof. Dr. Stephan Rüschen

Professor für Lebensmittelhandel an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Heilbronn und einer der führenden Experten für Smart Stores, Grab & Go sowie Innovationen im stationären Handel.

Die Folge zum Nachlesen

Frank Rehme:

Ach du liebe Güte, wir haben schon wieder eine neue Folge unseres Retail Innovation Radios.

Heute zu dem Thema Grab & Go Stores.

Zukunft des Einkaufens – der Podcast für Innovation im Handel.

Ja, ich erinnere mich noch total gut: 2017 hat Amazon den Amazon Go vorgestellt. Das ging durch alle Medien. Ich bin damals auch von vielen Journalistinnen und Journalisten kontaktiert worden, die meine Einschätzung aus Handelssicht hören wollten. Ich habe vier oder fünf Interviews zu dem Thema gegeben. Das war wirklich spannend.

Natürlich habe ich danach weiter beobachtet: Was passiert denn eigentlich mit diesen Stores?

Ich habe später auch einen Amazon-Go-Store in New York besucht und ihn während der NRF-Messe selbst ausprobiert. Ich war wirklich begeistert von dem, was dort umgesetzt wurde.

Dann kam die große Ankündigung von Amazon: Bis 2023 sollen weltweit 3.000 Amazon-Go-Stores entstehen.

Ich habe mich gefragt: Was ist eigentlich daraus geworden?

Deshalb habe ich heute wieder unseren Lieblingsexperten für dieses Thema eingeladen: Professor Dr. Stephan Rüschen.

Grüß dich, Stephan!

Prof. Dr. Stephan Rüschen:

Hallo Frank, grüß dich.

Frank Rehme:

Bevor wir ins Thema einsteigen – stell dich doch unseren Hörerinnen und Hörern kurz vor.

Prof. Dr. Stephan Rüschen:

Ich bin Stephan Rüschen, Professor für Lebensmittelhandel an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn. Dort lehre ich seit 2013.

Mittlerweile bin ich 60 Jahre alt und darf noch ein paar Jahre arbeiten.

Vor meiner Hochschulzeit war ich viele Jahre – unter anderem gemeinsam mit dir – bei Metro Cash & Carry tätig. Dort haben wir bereits sehr früh an Innovationsprojekten im Handel gearbeitet.

Frank Rehme:

Genau. Ich erinnere mich noch gut an unsere gemeinsamen Projekte, beispielsweise an die Metro Business Suite und viele digitale Lösungen für den Großhandel.

Damals waren wir in einigen Bereichen unserer Zeit schon weit voraus.

Kommen wir aber zum heutigen Thema.

Amazon hatte 3.000 Stores angekündigt.

Was ist daraus geworden?

Prof. Dr. Stephan Rüschen:

Im Grunde genommen: gar nichts.

Amazon hatte am Ende ungefähr 15 Stores in Großbritannien und rund 20 in den USA.

Im vergangenen Jahr wurde dann angekündigt – und inzwischen auch umgesetzt –, dass sämtliche eigenen Amazon-Go-Stores geschlossen werden.

Von den ursprünglich angekündigten 3.000 Stores existiert heute kein einziger mehr.

Frank Rehme:

Trotzdem sehen wir heute vielerorts Grab-&-Go-Konzepte.

Man geht hinein, nimmt seine Produkte aus dem Regal und verlässt den Laden wieder – der Bezahlvorgang erfolgt automatisch.

Ist dieses Konzept weltweit inzwischen bedeutungslos geworden?

Oder entwickelt sich der Markt doch weiter?

Du hast ja gerade erst eine Studie dazu veröffentlicht.

Prof. Dr. Stephan Rüschen:

Genau.

Als Amazon seine eigenen Stores geschlossen hat, gab es vor allem auf LinkedIn zahlreiche Kommentare nach dem Motto:

“Wir haben doch schon immer gewusst, dass das nicht funktioniert.”

Oder:

“Das war doch nur durch Menschen möglich, die im Hintergrund alles überwacht haben.”

Wir wollten uns nicht auf Meinungen verlassen, sondern auf Fakten.

Deshalb haben wir weltweit sämtliche Grab-&-Go-Stores recherchiert und – wie wir das immer machen – Store für Store dokumentiert.

Im Februar, als wir unsere Studie veröffentlicht haben, kamen wir in Nordamerika und Europa auf insgesamt 389 Grab-&-Go-Stores.

Das sind natürlich deutlich weniger als die ursprünglich angekündigten 3.000 Amazon-Stores.

Aber gleichzeitig zeigt diese Zahl auch: Die Technologie lebt.

Sie wächst zwar langsamer als erwartet, ist aber keineswegs verschwunden.

Frank Rehme:

Fast jeder größere Händler scheint inzwischen mit solchen Konzepten zu experimentieren.

Warum?

Prof. Dr. Stephan Rüschen:

In Europa sehen wir tatsächlich, dass nahezu alle großen Handelsunternehmen Erfahrungen sammeln.

Rewe, Netto, Penny in Rumänien, Tesco, Auchan oder auch Aldi in den Niederlanden – sie alle testen entsprechende Konzepte oder haben sie getestet.

Natürlich interessiert alle Händler dieselbe Frage:

Funktioniert das wirtschaftlich?

Und genauso wichtig:

Wie nehmen Kundinnen und Kunden diese Technologie an?

Interessant ist außerdem, dass sich zwar die eigentliche Technologie kaum verändert hat, die Customer Journey aber inzwischen ganz anders aussieht als noch zu Beginn.

Deshalb testen viele Unternehmen weiter.

Nicht unbedingt, weil es heute schon perfekt funktioniert, sondern weil sie überzeugt sind, dass darin langfristig Potenzial steckt.

Frank Rehme:

Das erinnert mich ein wenig an unseren Future Store damals.

Viele Ideen waren ihrer Zeit einfach voraus.

Wir hatten schon vor über 20 Jahren Mobile Commerce.

Damals liefen diese Anwendungen allerdings noch auf Nokia-Handys.

Die Technik war vorhanden – der Markt war nur noch nicht bereit.

Glaubst du, dass Grab & Go irgendwann denselben Weg gehen wird?

Oder gibt es Regionen, in denen die Technologie bereits heute deutlich stärker angenommen wird?

Prof. Dr. Stephan Rüschen:

Ja.

Wenn wir uns die geografische Verteilung anschauen, sehen wir deutliche Unterschiede.

Von den 389 dokumentierten Stores befinden sich rund 229 in Nordamerika.

Etwa 150 liegen in Europa.

Einige wenige gibt es außerdem in Australien und Südamerika.

In Afrika haben wir aktuell keinen einzigen Grab-&-Go-Store gefunden.

Besonders erfolgreich ist das Konzept in Nordamerika vor allem bei kleinen Convenience Stores.

Sehr häufig findet man sie beispielsweise in Stadien oder Krankenhäusern.

Dort müssen innerhalb kürzester Zeit viele Menschen versorgt werden.

Genau dafür eignet sich diese Technologie hervorragend.

Frank Rehme:

Verändert das den klassischen Lebensmittelhandel denn grundlegend?

Prof. Dr. Stephan Rüschen:

Wahrscheinlich nicht.

Bleiben wir zunächst noch einmal bei der geografischen Betrachtung.

Die 389 Stores beziehen sich ausschließlich auf Nordamerika und Europa, weil wir dort tatsächlich jeden einzelnen Store recherchieren konnten – inklusive Adresse, Händler und Technologieanbieter.

In Asien war das nicht möglich.

Dort mussten wir auf Angaben der Unternehmen zurückgreifen.

Ein Beispiel ist Cloudpick. Das Unternehmen gibt an, bereits mehr als 1.000 Grab-&-Go-Stores in Asien ausgestattet zu haben.

Wir konnten diese Zahl nicht vollständig verifizieren, sehen aber anhand zahlreicher Veröffentlichungen, dass Cloudpick inzwischen in vielen asiatischen Ländern aktiv ist.

Spannend ist vor allem der Blick in die Zukunft.

Cloudpick geht davon aus, bis zum Jahr 2030 insgesamt 100.000 Stores ausgestattet zu haben.

Das wäre eine enorme Größenordnung.

Rechnet man das herunter, müssten seit dem 1. Januar 2026 jeden einzelnen Tag – inklusive Sonntagen – rund 50 neue Stores eröffnet werden.

Ob das tatsächlich gelingt, werden wir sehen.

Da fällt mir immer ein schönes Zitat von Karl Valentin ein:

“Alle Menschen sind klug – die einen vorher, die anderen nachher.”

2030 wissen wir mehr.

Frank Rehme:

Offensichtlich scheint die Akzeptanz in Asien deutlich höher zu sein.

Aber auch in Europa sehen wir immer mehr Beispiele.

Auffällig ist allerdings, dass vor allem kleinere Stores erfolgreich sind.

Die größeren Konzepte – etwa die Rewe Pick & Go Stores – funktionieren etwas anders.

Prof. Dr. Stephan Rüschen:

Genau.

Die Rewe Pick & Go Stores sind keine vollständig autonomen Läden.

Es handelt sich weiterhin um ganz normale Supermärkte.

Die Grab-&-Go-Technologie ist dort lediglich eine zusätzliche Einkaufsmöglichkeit.

Wer möchte, kann ganz klassisch an eine Self-Checkout-Kasse gehen.

Oder an eine bediente Kasse.

Die Kundinnen und Kunden entscheiden selbst.

Ein besonders spannendes Beispiel ist außerdem der Continente-Store in Portugal – in der Nähe von Lissabon.

Der Markt umfasst rund 1.400 Quadratmeter und wurde von Sensei ausgestattet.

Dort werden inzwischen über 80 Prozent aller Einkäufe über die Grab-&-Go-Technologie abgewickelt.

Nur noch etwa jeder fünfte Einkauf endet an einer klassischen Kasse.

Das zeigt sehr deutlich, dass Kundinnen und Kunden solche Konzepte durchaus akzeptieren.

Frank Rehme:

Das Stichwort ist Akzeptanz.

Reagieren europäische Kundinnen und Kunden grundsätzlich anders auf diese Technologien als Menschen in Asien?

Prof. Dr. Stephan Rüschen:

Ja, durchaus.

In Asien ist der Umgang mit digitalen Technologien oft deutlich selbstverständlicher.

Dort hat sich vieles wesentlich schneller entwickelt.

Bei uns hat sich vor allem die sogenannte Customer Journey verändert.

Die eigentliche Technologie ist heute im Grunde dieselbe wie 2017 bei Amazon Go.

Damals musste man sich zunächst in einer App registrieren, ein Zahlungsmittel hinterlegen und sich am Eingang identifizieren.

Erst danach konnte man einkaufen.

Beim Verlassen des Stores wurde der Einkauf automatisch abgerechnet.

Genau dieser Ablauf hat sich als problematisch erwiesen.

Viele Menschen empfanden ihn als unangenehm.

Man verlässt den Laden, ohne überhaupt zu wissen, welche Produkte tatsächlich berechnet wurden.

Das erzeugt einen Kontrollverlust.

Man fragt sich:

Wurde alles richtig erkannt?

Fehlt etwas?

Habe ich versehentlich etwas mitgenommen?

Dieses Gefühl möchten viele Menschen nicht haben.

Deshalb sieht die Customer Journey heute anders aus.

Frank Rehme:

Wie genau?

Prof. Dr. Stephan Rüschen:

Es gibt heute verschiedene Varianten.

Teilweise hält man am Eingang lediglich eine Kreditkarte vor.

Andere Stores – beispielsweise Rewe Pick & Go oder auch Aldi in Eindhoven – verzichten sogar komplett auf eine vorherige Registrierung.

Man geht einfach hinein.

Beim Verlassen des Geschäfts erscheint an einem Terminal automatisch der komplette Einkauf.

Die Kundinnen und Kunden sehen sofort ihre Rechnung und bezahlen anschließend kontaktlos.

Sie müssen während des Einkaufs nichts scannen.

Das funktioniert deutlich intuitiver.

Zwar ist das nicht mehr ganz so “frictionless” wie ursprünglich bei Amazon Go gedacht.

Aber genau dieser zusätzliche Schritt sorgt dafür, dass sich die Menschen wohler fühlen.

Sie behalten die Kontrolle.

Und genau das erhöht die Akzeptanz.

Frank Rehme:

Eigentlich ist das doch genau das, wovon RFID-Befürworter schon vor 25 oder 30 Jahren geträumt haben.

Damals hieß es:

Der Einkaufswagen fährt durch ein Tor, alle Produkte werden automatisch erkannt und bezahlt wird ganz ohne Scannen.

Prof. Dr. Stephan Rüschen:

Das stimmt.

Im Textilhandel ist RFID heute bereits sehr weit verbreitet.

Im Lebensmittelhandel gibt es allerdings nach wie vor Herausforderungen.

Vor allem die Kosten spielen eine Rolle.

Ein RFID-Tag kostet zwar heute deutlich weniger als früher.

Wenn ein Produkt im Durchschnitt aber vielleicht nur 1,20 Euro kostet, machen selbst wenige Cent pro Artikel einen großen Unterschied.

Irgendjemand muss diese Kosten schließlich tragen.

Deshalb sehen wir RFID im Lebensmittelbereich bislang nur eingeschränkt.

Ich persönlich glaube allerdings, dass wir auch dort noch entsprechende Anwendungen erleben werden.

Gerade Discounter mit einem sehr hohen Eigenmarkenanteil könnten künftig interessante Pilotprojekte starten.

Sie haben deutlich mehr Einfluss auf die gesamte Lieferkette.

⸻

Frank Rehme:

Da kann ich dich beruhigen.

Ich habe kürzlich gelesen, dass Kroger in den USA genau in diese Richtung arbeitet und stärker auf Item Tagging setzt.

Prof. Dr. Stephan Rüschen:

Das überrascht mich überhaupt nicht.

Kroger war schon immer sehr innovationsfreudig.

Damals mussten zunächst überhaupt Standards für RFID entwickelt werden.

Heute profitieren wir von genau diesen Standards beispielsweise bei der Paketverfolgung.

Viele Technologien brauchen einfach Zeit.

Frank Rehme:

Kommen wir noch einmal zurück zum eigentlichen Thema.

Wenn wir über Grab & Go sprechen, stellt sich natürlich auch die Frage nach den Investitionskosten.

War das am Ende nicht auch einer der Hauptgründe dafür, warum Amazon seine eigenen Stores wieder geschlossen hat?

Prof. Dr. Stephan Rüschen:

Das wird häufig vermutet.

Ich glaube allerdings nicht, dass Amazon für den stationären Handel der Maßstab sein sollte.

Denn eines wird oft vergessen:

Amazon hat zwar seine eigenen Stores geschlossen, ist aber als Technologieanbieter weiterhin aktiv.

Von den weltweit erfassten 389 Grab-&-Go-Stores basieren 168 auf der Amazon-Go-Technologie.

Amazon verkauft also die Technologie weiterhin an andere Händler.

Sie haben lediglich den Betrieb eigener Filialen eingestellt.

Natürlich bleibt trotzdem die entscheidende Frage:

Lohnt sich das wirtschaftlich?

Ich glaube, dass gerade kleinere Convenience Stores davon profitieren können.

Mit dieser Technologie lassen sich solche Läden unbemannt betreiben – rund um die Uhr und, je nach rechtlichen Rahmenbedingungen, auch an Sonn- und Feiertagen.

Gerade in Innenstädten könnte das ein spannendes Modell sein.

Die Einstiegskosten für einen kleinen Store liegen heute ungefähr bei 50.000 Euro.

Hinzu kommen natürlich laufende Betriebskosten.

Verglichen mit früher ist das jedoch deutlich günstiger geworden.

Frank Rehme:

Das klingt durchaus interessant.

Mir kommt dabei aber noch ein ganz anderer Gedanke.

Ich verbringe regelmäßig Zeit an der Mosel.

Dort gibt es viele kleine Orte mit wenigen Hundert Einwohnern und oft keinen einzigen Supermarkt mehr.

Gerade im ländlichen Raum wird Nahversorgung immer schwieriger.

Wäre Grab & Go dort vielleicht eine Lösung?

Prof. Dr. Stephan Rüschen:

Ich glaube eher nicht.

Ich beschäftige mich seit Jahren intensiv mit Smart Stores und unbemannten Nahversorgungskonzepten.

Gerade im ländlichen Raum gibt es inzwischen über 1.000 solcher Märkte in Deutschland.

Dort kommen allerdings meist andere Technologien zum Einsatz.

Der Grund ist einfach:

Die Kundenfrequenz ist zu niedrig.

Damit rechnet sich die vergleichsweise aufwendige Grab-&-Go-Technologie wirtschaftlich oft nicht.

Dort funktionieren klassische Self-Checkout-Lösungen deutlich besser.

Oder auch RFID-basierte Konzepte.

Ein interessantes Beispiel sind Metzgereien.

Mehr als 100 Metzgereien arbeiten inzwischen mit RFID.

Dort lohnt sich das, weil die Produkte einen höheren Warenwert haben und gleichzeitig wichtige Zusatzfunktionen möglich sind – etwa die automatische Kontrolle von Mindesthaltbarkeitsdaten.

Für klassische Dorfläden halte ich Grab & Go dagegen aktuell eher nicht für den richtigen Ansatz.

Frank Rehme:

Genau dort sehen wir ja inzwischen Konzepte wie Tante M oder Tante Enso.

Prof. Dr. Stephan Rüschen:

Ganz genau.

Diese Modelle wachsen derzeit sehr stark.

Auch viele Metzgereien eröffnen inzwischen wieder neue Standorte.

Technologie kann also durchaus dazu beitragen, dass stationärer Handel wieder wirtschaftlich betrieben werden kann.

Frank Rehme:

Wenn wir den Gartner Hype Cycle betrachten – wo würdest du Grab & Go heute einordnen?

Prof. Dr. Stephan Rüschen:

Ganz klar im Tal der Enttäuschung.

Die spannende Frage lautet aber:

Wie kommt die Technologie dort wieder heraus?

Ich glaube, indem man die vorhandene Technik für deutlich mehr Anwendungsfälle nutzt.

Wenn die Kameras ohnehin installiert sind, können sie weit mehr leisten als nur automatisch abzurechnen.

Zum Beispiel:

  • Diebstahlprävention
  • Out-of-Stock-Erkennung direkt am Regal
  • Heatmaps zur Analyse von Kundenbewegungen
  • Optimierung von Zweitplatzierungen
  • Retail Media mit zielgerichteter Werbung

Gerade Retail Media wird dabei immer interessanter.

Wenn ich ohnehin Kameras im Store habe, kann ich Werbeinhalte viel gezielter ausspielen.

Dadurch verbessert sich der wirtschaftliche Nutzen der gesamten Installation erheblich.

Je mehr zusätzliche Anwendungsfälle entstehen, desto attraktiver wird auch der Business Case.

Die Kosten für die Technologie haben sich in den vergangenen Jahren bereits mehr als halbiert.

Deshalb bin ich überzeugt, dass Grab & Go durchaus noch großes Potenzial besitzt.

Frank Rehme:

Zum Abschluss noch eine persönliche Einschätzung.

Wenn wir uns in fünf Jahren wieder hier treffen – kurz vor deiner Rente – wie viel Prozent deiner Einkäufe wirst du dann in Grab-&-Go-Stores erledigen?

Prof. Dr. Stephan Rüschen:

Wenn ich einen entsprechenden Store direkt in meiner Nähe hätte?

Dann wahrscheinlich fast alle.

Ich mag diese Technologie wirklich.

Wir betreiben an unserer Hochschule seit 2021 selbst einen Grab-&-Go-Store.

Das ist kein Laborversuch, sondern ein ganz normaler 24/7-Shop für Studierende und Mitarbeitende.

Deshalb weiß ich sehr genau, wie gut das funktionieren kann.

Was die Verbreitung angeht, bin ich vorsichtig optimistisch.

Ich glaube, dass wir in den Innenstädten Europas deutlich mehr Grab-&-Go-Convenience-Stores sehen werden.

Vor allem deshalb, weil diese Technologie beim Thema Diebstahl enorme Vorteile bietet.

Während Self-Checkout-Systeme häufiger missbraucht werden, ist Grab & Go deutlich schwieriger zu manipulieren.

Allein die Unsicherheit darüber, ob ein Diebstahl überhaupt möglich wäre, wirkt bereits abschreckend.

In unserem Hochschulstore haben wir übrigens einen kleinen Mechanismus eingebaut, mit dem wir erkennen würden, wenn jemand etwas gestohlen hätte.

Wie genau dieser funktioniert, verrate ich natürlich nicht.

Aber in über fünf Jahren Betrieb ist kein einziger Diebstahl aufgetreten.

Frank Rehme:

Das wäre eigentlich schon wieder Stoff für eine eigene Podcastfolge – KI und Ladendiebstahl.

Aber das heben wir uns für ein anderes Mal auf.

Stephan, vielen Dank, dass du wieder dabei warst.

Wie immer hochspannende Einblicke.

Und natürlich verlinken wir dein aktuelles Whitepaper – auf Deutsch und Englisch – in den Shownotes.

Prof. Dr. Stephan Rüschen:

Vielen Dank, Frank.

Ich freue mich schon auf unser nächstes Gespräch.

Frank Rehme:

Dann macht’s gut.

Bis zur nächsten Folge.

Tschüss!

Prof. Dr. Stephan Rüschen:

Tschüss!

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Kategorie: Zukunft des Einkaufens Podcast
Schlagworte: Click & Collect, Convenience, Customer Journey, Discounter, Innovation, Interviews, KI, Mitarbeitende, Mobile, Podcast, Retail Innovation, RFID, Shop, Supermarkt, Werbung, Whitepaper
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