ZDE Podcast 236: Heidi Kriz erklärt, wie Stores heute gestaltet sein müssen, um zu verkaufen!
Heidi blickt auf fast 30 Jahre Erfahrung im Retail zurück – von Architektur über Visual Merchandising bis hin zu Marketing, Sales und Neuromarketing. Sie begleitet Händler:innen als Point-of-Sale-Doktorin, analysiert bestehende Stores und zeigt mit oft kleinen Hebeln große Wirkung.
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Die Shownotes
• 🏬 Warum schöne Stores scheitern können
Wenn Architektur zum Museum wird und die Shopper Journey ignoriert.
• 🧠 Retail-Psychologie & Emotionen am POS
Warum Information ohne Emotion im Gehirn wirkungslos bleibt.
• 🛍️ Warenpräsentation neu gedacht
Weg vom Warendruck, hin zu Übersicht, Storytelling und Inszenierung.
• 🌿 Zukunftstrends im Ladenbau
•Nachhaltige & wiederverwendbare Materialien
•Modulare Store-Konzepte
•Biophiles Design & Ruheinseln
•Multisensorik (Licht, Duft, Akustik)
• 🌍 Internationale Best Practices
Von Wien über Amsterdam bis New York (NRF, Store Checks, Retail Tours).
• 🤝 Stores als Community-Orte
Workshops, Events, Cafés & Begegnungsräume statt reiner Verkaufsflächen.
✨ Inspirierende Beispiele aus der Folge
•Globetrotter Re:Think Store (Bonn)
•Rituals „House of Rituals“ (Amsterdam)
•Aesop – Regionalität & Ruhe als Markenkern
•Zara – weniger Ware, mehr Wertigkeit
•Longchamp & Gucci Stores in New York
•Flying Solo (SoHo) – Plattform für junge Designer:innen
🎤 Bühne frei auf der EuroShop
Heidi Kritz ist auch live zu erleben auf der EuroShop:
🗓 26. Februar
📍 Purple Stage | Halle 4
🕚 11:00 Uhr
🎯 Transforming Stores into Experience & Inspiration
🎧 Fazit für Händler:innen & Marken
•Weniger Produkte, mehr Klarheit
•Emotion schlägt Information
•Stores sind Erlebnisräume, keine Warenlager
•Zielgruppenfokus statt „für alle“
•Design muss verkaufen – nicht nur beeindrucken
Die Folge zum Nachlesen
Zukunft des Einkaufens – Interview-Transkript
Thema: Stores der Zukunft – Design, Emotion & Verkaufslogik
Host: Frank Rehme
Gast: Heidi Kriz
Frank Rehme
Heidi, schön, dass du wieder im Podcast bist. Du bist seit fast drei Jahrzehnten im Handel unterwegs. Wenn wir heute über Stores der Zukunft sprechen – was ist aus deiner Sicht das größte Missverständnis, das viele Händler noch haben?
Heidi Kriz
Danke Frank, ich freue mich sehr.
Das größte Missverständnis ist tatsächlich, dass viele glauben: Wenn der Store schön ist, dann verkauft er auch.
Aber Schönheit allein reicht nicht. Ich habe Stores gesehen, die architektonisch großartig waren, Preise gewonnen haben – und wirtschaftlich komplett gescheitert sind. Weil niemand darüber nachgedacht hat, wie sich Kund:innen eigentlich im Raum bewegen, was sie wahrnehmen, wie Entscheidungen entstehen.
Frank Rehme
Du hast mal von einem Flagship-Store erzählt, der extrem aufwendig gebaut war – aber trotzdem nicht funktioniert hat. Was war da das Problem?
Heidi Kriz
Der Store war eher ein Museum als ein Geschäft.
Großzügig, tolle Materialien, spektakuläre Architektur – aber keine klare Warenführung. Die Kund:innen wussten schlicht nicht: Wo fange ich an? Was ist relevant für mich?
Es gab keine Emotion, keine Story, keine Einladung zum Kaufen. Das ist etwas, was wir leider immer wieder sehen.
Frank Rehme
Das Stichwort Emotion kommt bei dir immer wieder vor. Warum ist das im stationären Handel so entscheidend?
Heidi Kriz
Weil Kaufentscheidungen emotional getroffen werden – und erst danach rational begründet.
Wenn ich Menschen nur mit Informationen zuschütte, passiert im Gehirn nichts. Emotion ist der Türöffner.
Das kann Atmosphäre sein, Licht, Materialien, Düfte, aber auch die Art, wie Ware präsentiert wird. Erst wenn ich mich wohlfühle, bleibe ich, lasse mich inspirieren und bin bereit zu kaufen.
Frank Rehme
Viele Händler kämpfen mit zu viel Ware auf zu wenig Fläche. Was sagst du ihnen?
Heidi Kriz
Weniger ist fast immer mehr.
Zu viel Ware erzeugt Stress. Kund:innen fühlen sich erschlagen und gehen schneller wieder raus.
Ich plädiere sehr für kuratierte Sortimente. Lieber weniger Produkte, dafür klar inszeniert, verständlich präsentiert und emotional aufgeladen.
Frank Rehme
Du arbeitest ja auch viel mit Neuromarketing. Was bedeutet das konkret für den Store?
Heidi Kriz
Neuromarketing hilft uns zu verstehen, wie Menschen Räume wahrnehmen.
Zum Beispiel: Wo ist der natürliche Laufweg? Wo bleibt der Blick hängen? Wo entstehen Pausen?
Ein Store braucht Orientierung, aber auch Überraschung. Ruhepole, an denen man kurz durchatmen kann. Das ist gerade heute extrem wichtig, weil wir ohnehin permanent überreizt sind.
Frank Rehme
Stichwort Ruhe – du sprichst oft über biophiles Design. Was steckt dahinter?
Heidi Kriz
Biophiles Design bedeutet, Elemente aus der Natur in den Raum zu holen. Pflanzen, natürliche Materialien, warme Farben, Tageslicht.
Das senkt Stress, verlängert die Verweildauer und steigert nachweislich das Wohlbefinden.
Gerade in Innenstädten können Stores damit echte Rückzugsorte werden.
Frank Rehme
Wenn wir nach vorne schauen: Welche Trends siehst du aktuell im Ladenbau?
Heidi Kriz
Ganz klar: Modularität und Nachhaltigkeit.
Stores müssen flexibler werden, schnell umbaubar, wiederverwendbar. Niemand kann es sich mehr leisten, alle fünf Jahre alles neu zu bauen.
Außerdem sehen wir immer mehr multisensorische Konzepte – also das Zusammenspiel von Licht, Akustik, Haptik und Duft.
Frank Rehme
Du bist viel international unterwegs. Gibt es Beispiele, die dich besonders beeindrucken?
Heidi Kriz
Ja, einige.
Der Re:Think Store von Globetrotter in Bonn ist ein tolles Beispiel für Nachhaltigkeit und Erlebnis.
Oder Rituals in Amsterdam – dort wird Marke wirklich spürbar.
Auch Aesop macht das sehr konsequent: Jeder Store ist anders, regional verankert, ruhig, reduziert. Das ist extrem stark.
Frank Rehme
Was bedeutet das alles für die Rolle des stationären Handels insgesamt?
Heidi Kriz
Der Store ist kein Warenlager mehr.
Er ist Markenbotschafter, Begegnungsraum, Inspirationsquelle.
Menschen kommen nicht mehr nur zum Kaufen, sondern um etwas zu erleben, um Teil einer Community zu sein – sei es durch Events, Workshops oder einfach durch Atmosphäre.
Frank Rehme
Du sprichst auf der EuroShop genau darüber. Was erwartet die Besucher:innen dort?
Heidi Kriz
Ich werde zeigen, wie Stores zu Erlebnis- und Inspirationsräumen werden können – ganz konkret, mit Beispielen und klaren Handlungsempfehlungen.
Es geht nicht um teuer oder groß, sondern um Haltung, Klarheit und echtes Verständnis für Kund:innen.
Frank Rehme
Heidi, ganz herzlichen Dank für deine Zeit und die vielen Impulse.
Heidi Kriz
Sehr gerne, danke dir – hat Spaß gemacht.







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