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Frank Rehme

ZDE Podcast 230: Smart Cash Talk – Innovationen und Insights aus der Bargeldwelt

31. Oktober 2025 / Von Frank Rehme / Lesedauer: 4 Minuten 58 Sekunden

In dieser Folge spreche ich mit Steven Schwarznau, Geschäftsführer von Alvara Digital Solutions, darüber, wie der gesamte Bargeldkreislauf zwischen Handel, Wertdienstleistern und Banken digitalisiert wird – mit weniger Kosten, Risiko und Aufwand. Wir beleuchten im Gespräch, wie sich Kassen-, ERP- und Filialsysteme integrieren lassen, welche Effekte das im Tagesgeschäft bringt und wie sich der ROI im Handel darstellen lässt.  Zudem geht es um Transparenz, Sicherheit und Compliance in Cash-Prozessen – und um die Frage, welche Rolle Integrationsplattformen oder Datenhubs im Handel spielen wird.

Folge direkt anhören

ZUKUNFT DES EINKAUFENS PODCAST · ZDE Podcast# 230: Smart Cash Talk – Innovationen und Insights aus der Bargeldwelt

Die Shownotes

Mein Gesprächspartner: Steven Schwarznau, Geschäftsführer von Alvara 

In dieser Folge erfährst du:

  • Wie der Bargeldkreislauf in Deutschland tatsächlich funktioniert
  • Welche Rolle die Bundesbank im Cash-Prozess spielt
  • Warum Bargeld trotz Digitalisierung für den Handel relevant bleibt
  • Wie KI die Bargeldlogistik effizienter und kostengünstiger macht
  • Welche Lehren aus dem HEROS-Skandal gezogen wurden
  • Und wie ALVARA mit Interactive Cash Control für volle Transparenz sorgt

Mehrwert für Hörer*innen:

  • Verstehe, warum Bargeldprozesse ein unterschätzter Kostenfaktor sind
  • Erfahre, wie moderne Systeme Transparenz und Sicherheit schaffen
  • Lerne, wie der Einsatz von KI Cash-Handling-Prozesse optimieren kann

Die Folge zum Nachlesen

Frank Rehme:

Zukunft des Einkaufens – der Podcast für Innovation im Handel.

Ja, und da haben wir wieder eine neue Folge unseres Retail Innovation Radios. Heute zu einem brandheißen Thema: Es geht ums liebe Geld.

Mein Name ist Frank Rehme, ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit dem Thema Handel und Handelsinnovation.

Und jetzt kommt’s – wo ist mein Bezug zum Thema Geld? Also außer, dass ich natürlich einiges jeden Monat ausgebe.

Ich habe früher bei einem der damals drittgrößten Händler der Welt den Innovationsbereich geleitet, und wir hatten ein großes Problem von unserer Holding bekommen:

Wir transportierten über 100.000 Euro Bargeld pro Tag – und hatten keine Transparenz, wo sich das Geld gerade befindet.

Die Analysten sahen das Problem und wollten uns im Rating abwerten. Also hieß es: Wir brauchen ein System, um Bargeldströme zu tracken – ein sogenanntes Cash-Handling-System.

Ich habe selten ein Projekt mit so viel Budget erlebt, denn es war ein zentraler Baustein für die Unternehmenssicherheit.

Gemeinsam mit einem großen deutschen Softwareanbieter (mit drei Buchstaben, der mit P endet) haben wir das System entwickelt.

Bevor es live ging, wechselte ich den Verantwortungsbereich – und freue mich heute, dass es Anbieter gibt, die das noch besser machen als wir damals.

Einen davon habe ich heute zu Gast: Steven Schwarznau, Geschäftsführer bei ALVARA Digital Solutions.

Hallo Steven, grüß dich!

⸻

Steven Schwarznau:

Hallo Frank, vielen Dank für die Einladung.

Ja, das Thema beschäftigt viele – wir sprechen über Bargeldentsorgung. Ein spannendes Feld, das oft unterschätzt wird.

Kurz zu mir: Ich bin 42, lebe in der Nähe von Leipzig, habe Informatik studiert und arbeite seit rund 20 Jahren bei ALVARA Digital Solutions im Bereich Cash Management.

ALVARA ist ein Unternehmen der JUVENTA-Gruppe. Wir entwickeln Software für den Bargeldkreislauf – also für die gesamte Logistik, die hinter Bargeldtransaktionen im Handel steckt.

Wir unterstützen sowohl Logistikunternehmen als auch Einzelhändler mit Softwarelösungen, z. B. für POS-Überwachung, Clearing und Compliance.

⸻

Frank Rehme:

Spannend! Gerade seit Corona hat sich ja einiges verändert. Wie steht es aktuell um das Bargeld im Handel?

⸻

Steven Schwarznau:

Tatsächlich ist Bargeld noch bedeutender, als viele glauben.

Auch wenn die Nutzung während Corona gesunken ist, werden immer noch über 50 % der Transaktionen bar durchgeführt – beim Umsatzanteil sind es etwa ein Drittel.

Kleinere Einkäufe werden weiterhin bevorzugt bar bezahlt, größere eher mit Karte.

Das zeigt: Bargeld bleibt eines der wichtigsten Zahlungsmittel im Handel.

⸻

Frank Rehme:

In Skandinavien sieht das ja ganz anders aus – da ist Bargeld quasi ausgestorben. Ich war kürzlich in Norwegen und wollte alte Kronen loswerden. Das Personal war völlig überfordert – sie hatten gar keine Kasse mehr!

⸻

Steven Schwarznau:

(lacht) Ja, das kenne ich. In Schweden habe ich auch keine einzige Krone in der Hand gehabt – außer für den Einkaufswagen.

Die Deutschen und Österreicher sind da noch anders unterwegs.

⸻

Frank Rehme:

Ihr habt ja ein System, das Transparenz in den gesamten Bargeldkreislauf bringt. Wie integriert man so etwas?

⸻

Steven Schwarznau:

Das ist komplex, aber lösbar.

Im Handel gibt es zwei Hauptprozesse:

1. Safe-Bag-Verfahren: Kassierer verpacken Bargeld in Safebags, lagern sie im Tresor – und der Werttransporter holt sie ab.

2. Cash-Recycling-Systeme: Automaten zählen das Geld automatisch, nehmen Einzahlungen entgegen und geben Wechselgeld aus.

Unsere Systeme integrieren alle Beteiligten – vom Kassensystem über das Werttransportunternehmen bis zur Bundesbank.

So entsteht eine durchgängige Transparenz: vom Kassentisch bis zum Bankkonto.

⸻

Frank Rehme:

Ich erinnere mich, früher wurde das Geld dreimal gezählt, bis es auf dem Konto war. Ist das heute noch so?

⸻

Steven Schwarznau:

Zum Glück nicht mehr so häufig – aber es passiert noch.

Gezählt wird heute meist beim Werttransportunternehmen, in hochsicheren Cash-Centern unter Kameraüberwachung.

Dort werden Scheine geprüft, gezählt und dann zur Bundesbank gebracht, die auch den sogenannten Fitness-Check macht – also defekte oder beschriebene Scheine aussortiert.

Das erklärt, warum unser Bargeld in Deutschland qualitativ so hochwertig ist.

⸻

Frank Rehme:

Hat die Transparenz auch betriebswirtschaftliche Vorteile für Händler?

⸻

Steven Schwarznau:

Definitiv. Sie ermöglicht Liquiditätssteuerung und Automatisierung.

Wir generieren digitale Datenpunkte – z. B. zur Bargeldversorgung (Wechselgeldbedarf) oder Bargeldentsorgung – und automatisieren Prozesse.

⸻

Frank Rehme:

Könnte man diese Daten nicht auch für andere Zwecke nutzen – z. B. zur Kriminalitätsprävention oder Marktanalyse?

⸻

Steven Schwarznau:

Tatsächlich ja, aber wir schützen die Daten konsequent.

Einzige Ausnahme: Projekte zur Kriminalitätserkennung – etwa bei Überfällen, um Geldflüsse nachzuverfolgen.

Ansonsten verstehen wir uns als Trust-Center: Datensicherheit steht an erster Stelle.

⸻

Frank Rehme:

Wenn Händler mit euch arbeiten wollen – geht das über den Werttransporteuer oder direkt über euch?

⸻

Steven Schwarznau:

Direkt über uns. Wir haben ein Vertriebsteam, das eng mit Handelsunternehmen zusammenarbeitet.

Unser Ziel ist es, Bargeldprozesse kosteneffizient und attraktiv zu gestalten – denn auch Bargeld kostet Geld.

Werttransporte, Tresore, interne Abläufe – all das verursacht Kosten, die viele unterschätzen.

⸻

Frank Rehme:

Das erinnert mich an die berühmten Schilder an der Kasse: „Kartenzahlung erst ab 10 Euro“.

Wenn man Händler fragt, warum, sagen sie: wegen Transaktionskosten.

Aber kaum jemand rechnet die Bargeldkosten – oft sind die ähnlich hoch!

⸻

Steven Schwarznau:

Ganz genau. Und das variiert stark – je nach Händlergröße, System und Prozessen.

Deshalb ist Transparenz so wichtig.

⸻

Frank Rehme:

Ihr habt dafür das Tool Interactive Cash Control entwickelt. Was genau macht das?

⸻

Steven Schwarznau:

Es ist eine Cloud-Plattform, über die Händler sämtliche Bargeldprozesse in Echtzeit überwachen:

•Wie viel Geld liegt in welcher Filiale?

•Was ist unterwegs mit dem Logistiker?

•Was wurde bereits eingezahlt?

•Wo gibt es Differenzen oder gebundenes Kapital?

Alles auf Knopfdruck sichtbar – und entstanden ist das System tatsächlich nach dem HEROS-Skandal.

⸻

Frank Rehme:

Wie sieht die Zukunft im Cash-Management aus?

⸻

Steven Schwarznau:

Wir setzen stark auf KI, um Prognosen zu erstellen – etwa für Wechselgeldbedarf, Bargeldumsätze oder Abholtermine.

Bargeld nimmt zwar jährlich um etwa 2 % ab, aber die Kosten bleiben.

KI hilft, Prozesse dynamisch und effizient zu gestalten – und Bargeld als Zahlungsmittel weiterhin wirtschaftlich zu halten.

⸻

Frank Rehme:

Das ist ein spannendes Feld. Vielen Dank, Steven, für den tiefen Einblick!

Wer mehr erfahren möchte, findet alle Links zu ALVARA und zu Steven Schwarznau in den Shownotes.

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Kategorie: Zukunft des Einkaufens Podcast
Schlagworte: Digitalisierung, Innovation, KI, Logistik, Mitarbeitende, Payment, Plattform, Podcast, POS
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