Deutscher Handelskongress 2016: Ein Review

/ Lesedauer: 2 Minuten 40 Sekunden
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In der letzten Woche war es wieder soweit: Der HDE lud zum Branchentreffen Nr. 1 ein. Wir haben an dieser Stelle bereits Teile des Kongresses im Live-Stream festgehalten. Bereits am Vorabend lud Microsoft in seine Hauptstadtrepräsentanz ein, in der ich auch einen Vortrag beisteuern konnte. Mit gut 1.200 Teilnehmern ist dieses Event eines der wenigen mit steigenden Besucherzahlen.

Von den Referenten her wurde wieder ein hochkarätiges Programm aufgefahren. Zu den ausgesuchten Experten kommt zudem noch die politische Präsenz, auch wenn Bundeswirtschaftsminister Gabriel (in sein Ressort fällt u.a. auch die Dialogplattform Einzelhandel) sich bereits zum zweiten Mal entschuldigen ließ. Katarina Barley (SPD Generalsekretärin) und Peter Altmaier (Kanzleramtsminister) zeigten sich mit Ihren Vorträgen in Wahlkampflaune, es war wirklich nichts, aber auch nichts dabei, was die 1.200 Zuhörer als handelsspezifische Aussage von ihnen mit nach Hause nehmen konnten.

Die Mär von der Sonntagsöffnung

Provokant zeigte sich Karstadt Chef Fanderl. Mit einem Appell in Richtung Gesetzgebung forderte er für einen gleichgeschalteten Wettbewerb die Öffnung des Sonntages für den Verkauf. In der Diskussion wurde dieser Wunsch komprimiert an die Verbände adressiert, in der anschließenden Delegiertenversammlung war das nach unserer Information aber kein Thema. Schade! Trotzdem ist durch einigen Medien eine „Forderung nach 10 verkaufsoffenen Sonntagen“ gegangen, auch wenn das nie offiziell gefordert wurde.

In den gut besuchten Foren war erkennbar, dass der Handel endlich sehr experimentierfreudig geworden ist und Lösungen nicht nur diskutiert, sondern durch Testen Erkenntnisse erlangen will. Zudem wurde mehr oder weniger offen über eigene Überlegungen, Strategien und Projekte gesprochen, schade dass man nicht alle Foren besuchen konnte.

Das Netzwerkevent par Excellence

Ein wichtiger Punkt war der Marktplatz: Eine Messe mit retailrelevanten Ausstellern, die clever mit den Pausentischen gemixt war. So war das Netzwerken überhaupt kein Problem, es wurde am ersten Abend sogar eine Business Speed Dating Möglichkeit organisiert. Für uns ist der Handelskongress eine Art Klassentreffen, nirgendwo trifft man mehr relevante Personen als hier und ist näher an der Branche und ihren Themen.

Ein Highlight ist die Verleihung des Handelspreises (Infos bei unserem Live Stream) und die anschließende Retailers Night.

Was wurde vermisst?

Nun, es ist wieder wie auf vielen Branchenevents: Die Frauenquote bei den Referenten war sehr gering, ich kann mir nicht vorstellen, dass es so wenig Frauen gibt, die etwas relevantes zu erzählen haben. Gegenüber der Gesamtwirtschaft mit durchschnittlich 25% Frauenanteil in Führungspositionen kann der Handel mit 38% eigentlich auf einen guten Speakerpool zurückgreifen.

Ebenso war wenig Führungsnachwuchs auf der Konferenz, das Durchschnittsalter war hoch. Ein frischer Wind mit Side-Konzepten, die einen interaktiven Barcamp-Charakter haben oder disruptive Design Thinking Sessions können so junge Talente locken. Auch eine Twittwall im Bühnenbereich kann direktes Feedback aus dem Netz spiegeln.

Leider hat man das Thema Digitalisierung nicht wirklich mit Referenten besetzt, die als Branche das Thema in ihrer DNA haben. Mit Vertreterinnen der Daimler AG und Wirtschaftswoche bekam man eher Informationen von Followern statt von Leadern. Genau der Spirit der Leader tut der Branche aber gut.

Zu guter Letzt noch was zur Location: Auch in diesem Jahr zeigte sich, dass das Maritim mit Veranstaltungen dieser Größe überfordert ist. Ob Garderobe, Toilettenreinigung oder Bedienung – überall zeigte sich die dünne Personalausstattung und Organisationsmängeln. Das ist ärgerlich bei einem Hotel der Kategorie und vor allem einem Event dieser Größe.

Fahren wir wieder hin?

Die Antwort ist ein ganz klares Ja! Zusammen mit dem ECR Tag der GS1-Germany sind das die must-be -Events der Branche. Eine klare Empfehlung also, wir sehen uns 2017!

Bild: gmvteam

 

 

 

 

 

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