ZDE Podcast 240: Was ist gemeinschaftsbasierter Handel, Käthe und Attila?
In dieser Folge von Zukunft des Einkaufens – Retail Innovation Radio spricht Frank Rehme über gemeinschaftsbasierte Geschäftsmodelle im Handel – und warum sie gerade für kleine Läden eine echte Zukunftsperspektive bieten.
Zu Gast sind Attila Flöricke, Unternehmensberater für nachhaltige Retail-Konzepte, und Käthe Skurcz, Gründerin des Unverpackt-Ladens Fairverpackt in Potsdam-Babelsberg.
Folge direkt anhören:
Die Shownotes
Das erwartet dich in der Folge:
- Was gemeinschaftsbasiertes Wirtschaften im Handel wirklich bedeutet
- Warum klassische Loyalty-Programme keine echte Loyalität erzeugen
- Wie die Fairwandtschaft bei Fairverpackt funktioniert
- Vorfinanzierung als Stabilitätsfaktor für kleine Läden
- Transparenz als Grundlage für Vertrauen
- Warum Dorfläden besonders von Community-Modellen profitieren
- Wie Services & Wissen (Workshops, Pfannenbeschichtung) neue Erlösquellen schaffen
- Die Gäste
Attila Flöricke
Unternehmensberater mit Fokus auf Bio-, Unverpackt-, Hof- und Dorfläden. Spezialisiert auf gemeinschaftsbasierte Geschäftsmodelle und nachhaltige Handelsstrukturen.
Käthe Skurcz
Gründerin & Inhaberin von Fairverpackt Babelsberg, Unverpackt-Laden seit 2018. Entwicklerin des Community-Modells Fairwandtschaft.
Links
Fairverpackt Babelsberg: fairverpackt-babelsberg.de
Die Folge zum Nachlesen
Zukunft des Einkaufens – Retail Innovation Radio
Thema: Alternative Betreibermodelle im Handel
Host: Frank Rehme
Gäste: Attila Flöricke & Käthe Skurcz
Zukunft des Einkaufens – der Podcast für Innovation im Handel.
Willkommen zu einer neuen Folge unseres Retail Innovation Radios. Heute sprechen wir über ein ganz besonderes Thema: alternative Betreibermodelle im Handel.
Ich bewege mich heute ein wenig in Richtung Community Building – ein Thema, das sonst oft meine Kollegin Marylin bespielt.
Dazu habe ich mir zwei ausgewiesene Expert:innen eingeladen: Attila Flöricke und Käthe Skurcz. Schön, dass ihr da seid.
Hallo zusammen, danke für die Einladung.
Frank Rehme
Attila, wir hatten vor Monaten schon einmal gesprochen und ich wusste sofort: Du musst in diesen Podcast kommen.
Erzähl kurz, was du machst.
Attila Flöricke
Ich bin seit über 20 Jahren Unternehmensberater und arbeite fast ausschließlich mit kleinen Lebensmittelhändlern: Bio-Läden, Unverpackt-Läden, Hofläden und Dorfläden.
Mein Schwerpunkt liegt auf betriebswirtschaftlichen und strategischen Fragen – und seit einigen Jahren sehr intensiv auf gemeinschaftsbasiertem Wirtschaften.
Frank Rehme
Käthe, ein paar Worte zu dir.
Käthe Skurcz
Ich bin Gründerin und Inhaberin von Fairverpackt in Potsdam-Babelsberg, einem Unverpackt-Laden.
Wir sind seit 2018 aktiv und haben im November letzten Jahres begonnen, unser Geschäft auf ein gemeinschaftsbasiertes Modell umzustellen – gemeinsam mit Attila.
Frank Rehme
Attila, was versteht man eigentlich unter gemeinschaftsbasiertem Wirtschaften im Handel?Attila FlörickeViele kleine Läden kämpfen mit stark schwankenden Umsätzen und geringer Liquidität.
Ein gemeinschaftsbasiertes Modell bedeutet, Kund:innen aktiv einzubinden – als Vorfinanzierer:innen, Mitgestalter:innen und Teil einer stabilen Gemeinschaft.Das schafft Planungssicherheit, Nähe und ein ganz anderes Verhältnis zwischen Laden und Kundschaft.
Frank Rehme
Käthe, wie bist du auf den Gedanken gekommen, dein Modell zu verändern?
Käthe Skurcz
Crowdfunding hatten wir schon ausprobiert, aber das war punktuell.
Ich wollte etwas Langfristiges, das zu unseren Werten passt: Nachhaltigkeit, Transparenz, Gemeinschaft.
Über Gemeinwohlökonomie und solidarische Modelle bin ich auf das gemeinschaftsbasierte Wirtschaften gestoßen – und habe gemerkt: Das ist genau unser Weg.
Frank Rehme
Wie seid ihr konkret gestartet?
Attila Flöricke
Zuerst intern: Zahlen, Kosten, Unternehmerlohn, Break-Even.
Dann haben wir gemeinsam definiert, was für Käthe passt – und was nicht.
Anschließend sind wir mit dem Konzept offen in die Community gegangen, haben erklärt, zugehört, angepasst und weiterentwickelt.
Frank Rehme
Käthe, eure Community heißt Fairwandtschaft. Wie kam der Name zustande?
Käthe Skurcz
„Fair“ zieht sich bei uns durch alles: faire Preise, faire Löhne, faire Kommunikation.
Die Fairwandtschaft steht für Zugehörigkeit statt anonyme Kundschaft – und für Transparenz.
Wir zeigen offen, welche Kosten ein Laden hat und was es braucht, um fair wirtschaften zu können.
Frank Rehme
Wie organisiert ihr den Austausch mit der Fairwandtschaft?
Käthe Skurcz
Wir veranstalten mindestens zwei Fairwandtschaftstreffen pro Jahr, online und offline.
Dazu kommen Newsletter, Mails und natürlich der tägliche Austausch im Laden.
Die Treffen sind strukturiert: Update, Zahlen, Ausblick, Austausch, gemeinsames Essen.
Frank Rehme
Wie funktioniert das Modell finanziell?
Käthe Skurcz
Ein Anteil entspricht 10 Euro pro Monat, mindestens drei Anteile.
Das Guthaben wird per SEPA eingezogen und beim Einkauf genutzt.
Nicht genutztes Guthaben bleibt im Unternehmen – das gibt Planungssicherheit.
Attila Flöricke
Wichtig: Es gibt keine Rabatte, kein klassisches Loyalty-System.
Die Menschen machen mit, weil sie den Laden erhalten wollen – nicht wegen Bonuspunkten.
Frank Rehme
Würdest du es wieder so machen?
Käthe Skurcz
Ja, sofort.
Es ist Arbeit, aber es ist sinnstiftend.
Aus einem Ich ist ein Wir geworden – und das trägt.
Frank Rehme
Vielen Dank euch beiden.
Schaut unbedingt bei fairverpackt-babelsberg.de vorbei.
Bis zur nächsten Folge – fette Beute wie immer!









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