Agentic Commerce: Was muss ich als Händler tun?
Agentic Commerce ist der Moment, in dem KI nicht nur berät, sondern den Einkauf wirklich für uns erledigt – Schritt für Schritt. Unsere Autorin Heike Scholz hat das Thema ja in einer Serie schon beleuchtet. An dieser Stelle wollen wir für Euch Handlungsempfehlungen aufzeigen.
1. Was ist passiert, was bedeuten diese Begriffe?
In den letzten Tagen gab’s rund um die NRF 2026 (die große Retail-Messe in den USA) eine Ansage, die man als „Startschuss“ lesen kann: Google bringt Buy-Buttons in Gemini und in die KI-Suche – also dort, wo Menschen immer häufiger anfangen zu shoppen.
Damit das nicht nur mit ein paar wenigen Shops funktioniert, wurde das Universal Commerce Protocol (UCP) vorgestellt – ein Open-Source-Standard, der Handel, KI-Agenten und Payment-Anbieter miteinander verbinden soll. Google beschreibt es als Standard „für die gesamte Shopping-Reise“: vom Finden über den Kauf bis zum After-Sales.
Und was ist nun Agentic Commerce?
Ganz einfach: Eine KI wird zur Einkaufsassistenz mit Handlungskraft. Nicht nur „Hier sind drei Vorschläge“, sondern: „Ich habe verglichen, geprüft, ausgewählt – willst du so bestellen?“ (mit klaren Bestätigungen und Regeln, je nach Setup).
Wichtig: UCP ist nicht der einzige Standardversuch. OpenAI und Stripe treiben parallel das Agentic Commerce Protocol (ACP) voran – ebenfalls als offener Standard, u. a. für „Instant Checkout“ direkt aus Chat-Erlebnissen.
2. Warum ist das für den Handel wichtig?
Weil sich der „Ort des Kaufs“ verschiebt. Wenn ein Kunde künftig sagt: „Such mir das passende Produkt und bestell es“, dann ist der neue Flaschenhals nicht mehr dein schönstes Shop-Layout – sondern ob deine Angebote für Agenten verständlich, verfügbar und zuverlässig kaufbar sind. Genau deshalb betonen Google und Shopify so stark den Standard-Gedanken: weniger Reibung, weniger Sonderwege, mehr „funktioniert überall“.
Dazu kommt: Wenn Checkout in KI-Oberflächen wandert, entstehen neue Spielregeln bei
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Sichtbarkeit (wer wird vom Agenten überhaupt vorgeschlagen?),
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Conversion (kürzerer Weg kann mehr Abschlüsse bringen),
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Service (Status, Retouren, Support werden Teil der KI-Reise).
Und: Es ist nicht nur Google. Microsoft/PayPal sind mit „Copilot Checkout“ ebenfalls live gegangen – die großen Plattformen bauen gerade alle in diese Richtung.
3. Was muss ich jetzt für mein Handelsbusiness tun?
Kein Hype-Projekt. Eher: Handwerk + smarte Tests.
1) Mach deine Daten „glasklar“
Agenten lieben Eindeutigkeit: Varianten, Größen, Farben, Lieferzeiten, Verfügbarkeit, Versandkosten, Retourenregeln – sauber gepflegt und konsistent. Wenn Daten lückenhaft sind, wird der Agent dich seltener empfehlen (oder unsauber).
2) Denk in „Abläufen“, nicht in „Seiten“
Ein Agent braucht keine Kategorie-Seite – er braucht Aktionen: „In den Warenkorb“, „Versand wählen“, „Bezahlen“, „Bestellstatus“, „Retoure anstoßen“. UCP ist genau dafür gedacht: diese Abläufe über eine gemeinsame Sprache zugänglich zu machen.
3) Beobachte UCP & ACP – und zwar dort, wo deine Kunden sind
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Viel Discovery über Google? Dann ist UCP (Google/Shopify) extrem relevant.
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Viel Nutzung von Assistenten/Chats? Dann schau dir ACP (OpenAI/Stripe) als Gegenbewegung an.
4) Leg Spielregeln fest: Was darf die KI, was nicht?
Darf sie automatisch bestellen? Nur nach Klick/Bestätigung? Was ist mit Preisänderungen, Altersprüfungen, Betrugsschutz? Das ist weniger „Tech“, mehr Betriebsmodell.
4. Wer sind die Player in dem Bereich (Google? Meta?)
Hier bilden sich gerade zwei große Strömungen: Plattformen, die Kaufhandlungen in ihre KI-Oberflächen ziehen, und Standards, die diese Handlungen vereinheitlichen.
Gemini + KI-Suche + Buy-Buttons, plus UCP als Standardinitiative mit Handels- und Payment-Partnern.
Shopify
Der große Enabler für Millionen Händler – und UCP-Co-Entwickler. Shopify positioniert das Ziel sehr klar: „Merchants in jede AI-Konversation bringen.“
OpenAI + Stripe
ACP als offener Standard, „Instant Checkout“ als konkrete Umsetzung in Chat-Erlebnissen.
Microsoft + PayPal
Copilot Checkout zeigt: Auch hier wird Checkout ins Chat-Interface gezogen.
Meta
Meta ist stark bei Social, Messaging, Ads – also überall dort, wo Kaufimpulse entstehen. Der Ansatz ist (aktuell) weniger „ein universelles Checkout-Protokoll“, sondern eher: KI-gestützte Beratung/Verkauf im Meta-Ökosystem. (Das kann für viele Händler trotzdem Gold wert sein – nur mit anderer Logik als UCP.)
Zwischenfazit
Agentic Commerce ist nicht „irgendwann in fünf Jahren“. Die großen Plattformen schieben gerade aktiv Checkout-Funktionen in KI-Oberflächen – und Standards wie UCP/ACP sind der Versuch, daraus ein skalierbares Ökosystem zu machen. Für Händler heißt das: Nicht zuerst an Features denken, sondern an Kaufbarkeit, Datenqualität und Prozesse.
Vor allem aber: Deine Kunden werden immer mehr von den großen Playern gekapert – du bist nur noch der Lieferant mit einem Lager!
5 Takeaways zum Mitnehmen
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Agentic Commerce = KI erledigt Einkaufsschritte, nicht nur Beratung.
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UCP will das „USB-C für Commerce“ sein: ein Standard für Discovery bis After-Sales.
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Datenqualität wird zur neuen Sichtbarkeit: wer unklar ist, wird seltener gewählt.
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Es gibt Standard-Konkurrenz: UCP (Google/Shopify) vs. ACP (OpenAI/Stripe).
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Jetzt ist der richtige Moment für „Hausaufgaben + Tests“, bevor der Markt es erzwingt.
Beitragsbild von Thomas Buchenberger auf Pixabay









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