Von der Pizza zur Alles-App: Wie baut Wolt den Handel um, Bassel Soukar?
Wie verändert Quick Commerce den Handel – und welche Chancen entstehen dadurch für lokale Händler?
In dieser Folge spricht Frank Rehme mit Bassel Soukar von Wolt über die Entwicklung von Lieferplattformen hin zur „Mall in der Hosentasche“. Gemeinsam schauen sie darauf, wie sich das Einkaufsverhalten verändert, warum Kund:innen immer spontaner einkaufen und weshalb digitale Sichtbarkeit für Händler heute wichtiger denn je ist.
Außerdem geht es um die Frage, wie einfach Händler auf Plattformen wie Wolt starten können, welche Rolle Daten, AI und Retail Media spielen und warum Quick Commerce weit mehr ist als nur Essenslieferung.
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Die Shownotes
Themen der Folge
- Quick Commerce & verändertes Konsumverhalten
- Wolt als digitale Plattform für lokale Händler
- Chancen für inhabergeführte Geschäfte
- Logistik, letzte Meile & Kundenerlebnis
- Daten, AI und Retail Media
- Warum Online und Offline immer stärker verschmelzen
Zu Gast: Bassel Soukar
Bassel Soukar verantwortet den Retail-Bereich bei Wolt Deutschland. Zuvor war er unter anderem bei REWE und Amazon tätig und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Handel, E-Commerce und digitalem Kundenverhalten.
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Die Folge zum Nachlesen
Wolt & die Zukunft des Quick Commerce
Frank Rehme:
Ja, da haben wir eine neue Folge unseres Retail Innovation Radios. Heute zum Thema Quick Commerce.
Quick Commerce – wir kennen es alle, weil wir ständig damit konfrontiert werden. In vielen Werbeformaten, aber natürlich auch in vielen Bereichen unseres Lebens. Das Thema Lieferdienst als Allesversorger wird mittlerweile immer stärker an uns herangetragen.
Und ich habe mir gedacht: Da muss man doch mal einen genaueren Blick drauf werfen. Vor allen Dingen auch darauf, wie Händler schnell über diese Kanäle verkaufen können.
Dafür habe ich mir einen echten Experten ans Mikro geholt: Bassel Soukar von Wolt. Grüß dich!
Bassel Soukar:
Hallo Frank, grüß dich!
Frank Rehme:
Bassel, ein paar Worte zu dir?
Bassel Soukar:
Gerne. Ich bin seit über vier Jahren bei Wolt und verantworte heute den Retail-Bereich in Deutschland. Davor war ich lange bei REWE und Amazon – also immer nah am Handel und E-Commerce.
Bei Wolt kümmern wir uns um alles rund um Supermärkte, Apotheken, Tierbedarf oder andere lokale Händler auf der Plattform. Mich fasziniert besonders, wie sich das Konsumverhalten gerade verändert – wie Menschen zunehmend spontan, digital und lokal einkaufen. Genau diese Entwicklung gestalten wir bei Wolt mit.
Frank Rehme:
Da entstehen ja komplett neue Shopper Journeys. Ich habe letztens einen Podcast gehört, da saß jemand im Rheinpark in Düsseldorf und sagte: „Ich habe mir gerade mal eben einen Mate-Tee liefern lassen.“
Da merkt man doch, wie sich das Kaufverhalten verändert – gerade bei jungen Menschen.
Bassel Soukar:
Absolut. Wir sehen uns bei Wolt inzwischen als eine Art „Mall in your Pocket“. Also eine Einkaufswelt in der Hosentasche.
Restaurants sind quasi der Food-Court. Dazu kommen Supermärkte, Blumenläden, Apotheken, Tierbedarf und viele weitere Händler. Unser Ziel ist es, alles, was eine Stadt zu bieten hat, über die Plattform bestellbar zu machen.
Frank Rehme:
Das trifft es eigentlich perfekt. Früher hätte man gesagt: „Wie Amazon.“ Aber ihr seid eben lokal.
Bassel Soukar:
Genau. Das ist der große Unterschied. Wir arbeiten mit lokalen Partnern zusammen und betreiben keine zentralen Lagerhäuser. Das Angebot kommt direkt aus der jeweiligen Stadt.
Frank Rehme:
Regionalität ist ja generell ein riesiges Thema geworden.
Ihr habt eure App kürzlich relauncht. Was war der Gedanke dahinter?
Bassel Soukar:
Die App war schon immer sehr intuitiv. Mit dem Relaunch wollten wir aber das Nutzerverhalten stärker produktzentriert gestalten.
Früher suchte man eher nach einem bestimmten Shop. Heute sucht man direkt nach Produkten oder Bedürfnissen – zum Beispiel Proteinriegel, Blumen oder eben Kondome – und bekommt passende Angebote aus verschiedenen Shops angezeigt.
Dadurch entdecken Nutzer viel mehr Händler und empfinden die App als deutlich intuitiver.
Frank Rehme:
Das klingt nach einem extrem datengetriebenen Geschäftsmodell.
Bassel Soukar:
Ist es auch. Händler erhalten über unser Portal viele Einblicke ins Einkaufsverhalten ihrer Kunden und können darauf basierend eigene Aktionen starten.
Im Grunde ist es wie stationärer Handel – nur digital umgesetzt.
Frank Rehme:
Wie aufwendig ist es eigentlich für kleinere Händler, bei euch sichtbar zu werden?
Bassel Soukar:
Überhaupt nicht aufwendig. Händler unterschreiben einen Vertrag, erhalten Zugang zum Händlerportal und stellen ihre Produkte online.
Viele arbeiten bereits mit Warenwirtschaftssystemen oder digitalen Kassensystemen. Selbst wenn das nicht der Fall ist, unterstützen wir beim Digitalisieren der Produkte.
Und das Wichtigste: Wir übernehmen Logistik, Payment, Technologie und Kundenservice.
Frank Rehme:
Das heißt, selbst kleinere Händler bekommen erstmals digitale Reichweite.
Bassel Soukar:
Ganz genau. Viele Händler gewinnen über Wolt Kund:innen, die sie sonst nie erreicht hätten.
Gerade an Tagen wie Muttertag sehen wir das extrem bei Floristen. Oder bei lokalen Eisdielen, wenn das Wetter gut wird.
Frank Rehme:
Brauche ich als Händler denn zwingend einen eigenen Onlineshop?
Bassel Soukar:
Nein. Oft reicht ein Warenwirtschaftssystem. Wir arbeiten auch mit Kiosken, Metzgern oder Bäckern zusammen, die keinen klassischen Onlineshop haben.
Frank Rehme:
Ich erinnere mich noch an die Pandemie. Damals schossen lokale Online-Marktplätze überall aus dem Boden.
Eigentlich habt ihr diese Modelle inzwischen ersetzt, oder?
Bassel Soukar:
Teilweise schon. Der Unterschied ist vor allem die Geschwindigkeit und die Logistik dahinter.
Unser Lieferversprechen liegt meist bei etwa 35 Minuten. Dafür braucht es ein sehr komplexes Netzwerk.
Frank Rehme:
Die letzte Meile war schon vor 15 Jahren extrem komplex.
Wie steuert ihr das heute?
Bassel Soukar:
Mit sehr viel Technologie, Daten und mittlerweile natürlich auch AI. Wetter, Events oder Stoßzeiten spielen eine riesige Rolle.
Wir planen täglich neu und versuchen, unsere Kuriere möglichst effizient auszulasten.
Frank Rehme:
Ohne Digitalisierung wäre das alles heute gar nicht möglich.
Bassel Soukar:
Definitiv nicht.
Frank Rehme:
Welche Zielgruppen nutzen Wolt eigentlich?
Bassel Soukar:
Der Markt entwickelt sich gerade stark weiter. Menschen unterscheiden immer weniger zwischen Online und Offline.
Sie kaufen spontaner, flexibler und bedarfsorientierter ein. Das Smartphone ist dabei oft der direkteste Zugang.
Frank Rehme:
Eigentlich kann es sich heute kaum noch ein Händler leisten, dort nicht sichtbar zu sein.
Bassel Soukar:
Ich glaube auch, dass digitale Plattformen zunehmend Teil der Infrastruktur des lokalen Handels werden.
Der stationäre Handel verschwindet nicht – er wird digital ergänzt.
Frank Rehme:
Und genau das ist wahrscheinlich die wichtigste Botschaft dieser Folge.
Es geht nicht darum, bestehenden Umsatz zu verschieben, sondern zusätzliche Kund:innen zu erreichen.
Bassel Soukar:
Ganz genau.
Frank Rehme:
Ihr seid mittlerweile auch im Bereich Retail Media unterwegs, oder?
Bassel Soukar:
Ja, definitiv. Das Thema wächst stark. Wichtig ist uns aber, dass Werbung die Nutzererfahrung nicht verschlechtert.
Menschen öffnen Wolt nicht, um Werbung zu sehen, sondern um schnell etwas Relevantes zu finden.
Frank Rehme:
Zum Schluss noch eine Frage: Wie schafft ihr es bei eurem Wachstum, die Menschen im Unternehmen mitzunehmen?
Bassel Soukar:
Entwicklung passiert bei uns sehr bewusst. Wir setzen stark auf Feedback, Lernen im Alltag und darauf, Menschen Verantwortung zu geben.
Und natürlich spielt auch AI intern eine große Rolle.
Frank Rehme:
Bassel, vielen Dank für das spannende Gespräch.
Und an unsere Hörerinnen und Hörer: Beschäftigt euch mit neuen Geschäftsmodellen – und wenn ihr noch kein Warenwirtschaftssystem habt, wird es höchste Zeit.
Danke dir!
Bassel Soukar:
Danke Frank, hat Spaß gemacht!









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