Let’s do the Time Warp Again!
Von den Selbsttipp-Kassen der Migros zur EuroShop 1990: Die Self-Checkout-Geschichte geht weiter!
Unsere kleine Self-Checkout-Geschichte führt uns heute erneut auf eine Zeitreise. In meinem letzten Beitrag haben wir gemeinsam das Jahr 1965 besucht und die ersten Selbsttipp-Kassen der Migros kennengelernt (siehe Selbst-Tipp-Kassen bei Migros 1965).
Nur 25 Jahre später begegnet uns dieselbe Grundidee erneut.
Diesmal auf der EuroShop 1990.
Was dort vorgestellt wurde, wirkt aus heutiger Sicht erstaunlich modern: Touchscreen, Barcode-Scanner, automatische Warenprüfung, Sprachausgabe und ein weitgehend automatisierter Self-Checkout-Prozess. Vieles von dem, was wir heute aus modernen Self-Checkout-Zonen kennen, war damals bereits Teil eines visionären Konzepts.
Eine Innovation ihrer Zeit weit voraus
Kurz vor der EuroShop 1990 berichtete die Fachzeitschrift dynamik im handel über den Check-Robot – eine Entwicklung des amerikanischen Unternehmens Check-Robot Inc., die gemeinsam mit dem süddeutschen Kassentischhersteller Harr vorgestellt wurde.
Das Ziel war ambitioniert: Eine vollständig computerunterstützte Self-Scanning-Lösung, bei der Kundinnen und Kunden ihre Einkäufe selbst erfassen und der Warenfluss automatisch überwacht wird.
Die nachfolgenden Abbildungen basieren auf den Originalunterlagen aus dem oben genannten Fachartikel. Da die vom EHI Retail Institute freundlicherweise zur Verfügung gestellten Schwarz-Weiß-Ausdrucke nur eine geringe Bildqualität aufwiesen, habe ich die Szenen mithilfe von ChatGPT rekonstruieren lassen. Dabei wurde bewusst darauf geachtet, die ursprünglichen Abläufe und Bildinhalte unverändert wiederzugeben – lediglich die Bildqualität wurde verbessert.

Der Self-Checkout begann bereits 1990 mit einer Touchscreen-Bedienung – damals eine außergewöhnliche Innovation.

Die Artikel wurden vom Kunden selbst gescannt – heute ein selbstverständlicher Bestandteil moderner Self-Checkout-Systeme.

Beim Check-Robot überprüfte das System gescannte Artikel automatisch und erkannte fehlerhafte Eingaben.

Der Check-Robot führte Kundinnen und Kunden mit Bildschirmhinweisen und Sprachausgabe durch den Self-Checkout-Prozess.

Nach Abschluss des Self-Checkout-Vorgangs erhielt der Kunde einen Bon, der anschließend an einer separaten Zahlstation bezahlt wurde.

Mit dem ausgedruckten Bon erfolgte die Bezahlung an einer separaten, personell besetzten Kassenstation.
Self-Checkout-Geschichte: Warum der Markt noch nicht bereit war
Betrachtet man die damalige Technik, wird schnell deutlich, wie visionär das System war.
Der Check-Robot kombinierte bereits Touchscreen, Barcode-Scanner, automatische Sicherheitskontrollen, Sprachführung und eine zentrale Zahlstation. Fehlerhafte oder unvollständige Scans sollten automatisch erkannt werden, während das System den Kunden Schritt für Schritt durch den gesamten Einkaufsprozess führte.
Heute klingt das selbstverständlich.
1990 war das revolutionär.
Dennoch verschwand der Check-Robot kurze Zeit später wieder vom Markt. Die Technik war kostspielig, leistungsfähige IT-Infrastrukturen standen erst am Anfang ihrer Entwicklung und viele Kundinnen und Kunden konnten sich damals kaum vorstellen, ihre Einkäufe selbst zu kassieren.
Nicht die Idee war das Problem:
Der Markt war seinerzeit schlicht noch nicht bereit dafür.

Die Patentzeichnung (Figur 1) des US-Patents 4,964,053 vom 16. Oktober 1990 dokumentiert das visionäre Self-Checkout-Konzept des Check-Robot aus dem Jahr 1990.
Self-Checkout-Geschichte: Gute Ideen brauchen Zeit
Interessant ist auch die weitere Entwicklung.
Während Check-Robot Inc. wenige Jahre später verschwand, blieb der deutsche Partner Harr Kassentische bestehen. Inzwischen gehört das Unternehmen zur ITAB Group und zählt zu den führenden europäischen Herstellern moderner Checkout-Lösungen.
Die Grundidee des Check-Robot hingegen hat die Zeit überdauert. Heute finden wir seine Nachfolger nahezu überall wieder: Self-Checkout-Systeme, intelligente Sensorik, Computer Vision, KI-gestützte Plausibilitätsprüfungen und moderne Benutzeroberflächen prägen den Kassenbereich im stationären Handel.
Fazit
Die Self-Checkout-Geschichte zeigt eindrucksvoll, dass technologische Innovationen oft viele Jahre benötigen, bis Markt, Technik und Nutzer gleichermaßen bereit sind.
Nicht allen guten Ideen setzen sich sofort durch. Manche warten einfach auf den richtigen Zeitpunkt.
Der Blick zurück auf die EuroShop 1990 macht deshalb deutlich: Die Zukunft des Self-Checkouts begann nicht erst in den vergangenen Jahren – sie wurde bereits vor mehr als drei Jahrzehnten gedacht.
Welche Innovationen im Handel sind heute Ihrer Meinung nach der Zeit voraus? Ich freue mich auf Ihre Gedanken und Beispiele. Kontaktieren Sie mich gerne über LinkedIn (einfach hier auf mein Bild klicken) oder über meine Homepage: https://dr-rainer-eckert.de/.

Dr. Rainer Eckert unterstützt Unternehmen im Handel bei Themen wie Self-Service, Ergonomie, Barrierefreiheit und digitalen Customer Journeys.










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