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Frank Rehme

0 und 1 werden Geld: Was Händler jetzt zum digitalen Euro wissen müssen

2. Februar 2026 / Von Frank Rehme / Lesedauer: 3 Minuten 5 Sekunden
digitaler euro

Der digitale Euro klingt erstmal nach „noch ein neues Bezahl-Ding“ – ist aber eher das Upgrade von Bargeld für die Online- und Kartenwelt. Und ja: Für Händler:innen ist die entscheidende Frage weniger „ob“, sondern „wie easy“ das Ganze in den Checkout passt.

1) Was ist der digitale Euro?

Zuerst mal eine kurze Erklärung, mit welchem Geld wir eigentlich umgehen: im Alltag benutzen wir das Guthaben auf unserem Girokonto, Paypal-ähnliche Konten (je nach Modell) oder das Geld, das bei Kartenzahlungen im Hintergrund bewegt wird. Dieses Geld ist rechtlich gesehen eine Forderung gegen unsere Bank – wir vertrauen also darauf, dass unsere Bank auszahlt/überweist. Es ist im Normalfall stabil, u. a. durch Regulierung und Einlagensicherung. Es ist also eine Verbindlichkeit zwischen uns und unserer Bank. Dieses Geld nennt man auch Giralgeld.

Der digitale Euro hingegen ist digitales Zentralbankgeld – also im Kern so „öffentlich“ wie Bargeld, nur eben in digitaler Form. Im Gegensatz zu Giralgeld ist es eine Verbindlichkeit direkt gegenüber der EZB. Er soll Bargeld ergänzen, nicht ersetzen und überall im Euroraum als Zahlungsmittel funktionieren: im Laden, online und auch offline (z. B. bei schlechtem Netz). 

In der Praxis würden Kund:innen eine Digital-Euro-Wallet bekommen (bereitgestellt über Banken bzw. Zahlungsdienstleister). Bezahlt wird dann z. B. per Smartphone oder (für bestimmte Fälle) per Smartcard – also ziemlich nah an dem, was wir heute schon kennen, nur mit Zentralbankgeld „unter der Haube“. 

2) Was ist der Vorteil?

Der digitale Euro will vor allem zwei Dinge liefern:

Erstens: Eine europäische, überall akzeptierte Zahlungsschiene. Die EZB argumentiert, dass Europa bei digitalen Zahlungen heute teils stark von wenigen (auch nicht-europäischen) Anbietern abhängt – der digitale Euro soll hier eine robuste, europäisch gesteuerte Alternative schaffen. 

Zweitens: Resilienz + Privatsphäre-Idee „näher an Cash“. Besonders die Offline-Funktion ist spannend: Offline-Zahlungen sollen so gestaltet sein, dass die Transaktionsdetails nur Zahler:in und Empfänger:in kennen (cash-ähnlich), während im Online-Fall die üblichen Compliance-Mechanismen über Zahlungsdienstleister laufen. 

3) Warum gibt es ein 3.000-Limit für die Wallet?

Jeder Bürger und jedes Unternehmen hat also eine Wallet, deren Inhalt auf Grund von Interventionen der Banken Branche auf 3.000 € limitiert ist. Wenn dieser Betrag bei einer Zahlung überschritten ist, wird er mit Giralgeld „nachgefüllt“. Das berühmte „3.000-Euro-Limit“ ist vor allem ein Schutzgeländer – nicht, weil man euch ärgern will, sondern weil Banken (und Aufseher) verhindern möchten, dass in Stressphasen zu viel Geld aus Bankeinlagen in Digital-Euro-Wallets umgeschichtet wird. Genau das wird in der Debatte als Risiko für die Finanzstabilität beschrieben. Andererseits kann man das auch so sehen: Die Bankenbranche sieht ein Teil Ihres Geschäftsmodells dahinschmelzen.

Wichtig dabei: Die 3.000 € waren/ sind ein diskutierter Richtwert, nicht in Stein gemeißelt; entschieden wird das erst im Zusammenspiel der zuständigen Institutionen, wenn es in die finale Ausgestaltung geht. 

4) Was muss ich als Händler tun – brauche ich neue Hardware?

Die beruhigende Nachricht: Die EZB betont, dass der digitale Euro nahtlos in bestehende Checkout-Systeme integrierbar sein soll – also eher „Software/Payment-Flow erweitern“ statt „alles neu“. 

Was das konkret für dich heißt (ohne Technik-Sprech):

  • Wenn du heute schon digitale Zahlungen akzeptierst, sieht der Regulierungsvorschlag eine Annahmepflicht für den digitalen Euro vor (Stand: Vorschlag – final hängt es vom Gesetzgebungsprozess ab). 

  • Ob du neue Hardware brauchst, wird in der Praxis meistens an deinem Setup hängen: Terminal/SoftPOS/POS-Software und dein Zahlungsdienstleister entscheiden, ob ein Update reicht oder ob z. B. NFC/QR-Flows ergänzt werden müssen. Die Zielrichtung ist klar: möglichst wenig Reibung am Checkout. 

  • Spannend (aber noch Detailarbeit): Offline-Zahlungen. Hier gibt es Konzepte mit Smartcards/Wallet-Funktionen – für Händler ist entscheidend, wie das in Terminals/POS umgesetzt wird. 

Mein Tipp aus Händlerperspektive: Nicht in „Hardware-Panik“ verfallen, sondern früh mit dem eigenen Payment-Partner sprechen: „Wenn der digitale Euro kommt – welches Update, welcher Rollout, welche Kostenstruktur?“

5) Wie sieht der Zeitplan aus?

Hier lohnt sich der Blick auf die offiziellen Projektmarken (und ja: es ist noch ein „unter der Voraussetzung, dass…“):

  • Oktober 2025: Das Eurosystem ist in die nächste Phase gegangen und bereitet technisch weiter vor. 

  • Wenn die EU-Rechtsvorschriften 2026 in Kraft treten, könnte ab Mitte 2027 ein Pilotprojekt / erste Transaktionen starten. 

  • Das Eurosystem will 2029 bereit sein für eine potenzielle Erstausgabe (also: „wir könnten live gehen“ – nicht automatisch „jeder nutzt es ab dann“). 

Unterm Strich: Der digitale Euro ist kein „nächsten Monat ist alles anders“-Thema – aber auch kein ferner Zukunftsnebel. Für Händler:innen ist jetzt die richtige Zeit, das Thema strategisch mitzudenken: Zahlungsarten-Mix, Abhängigkeiten, Kosten – und wie man neue Zahlverfahren nutzt, ohne den Checkout zu verkomplizieren.

Wir bleiben dran!

 

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Kategorie: Point of Sale
Schlagworte: NFC, Payment, POS
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