• Link to Facebook
  • Link to Instagram
  • Link to Youtube
  • Link to Soundcloud
  • Link to LinkedIn
  • Link to Mail
  • Über uns
    • Was wir tun
    • Team
    • Partner
  • Werben
    • Mediadaten
  • Mitglieder
    • Mitglieder Bereich
  • Newsletter
  • Downloads
Zukunft des Einkaufens
  • Kunde
    • Kundenorientierung
    • Kundenverhalten
    • Customer Journey
    • Kundenbindung
  • Handel
    • Einkaufserlebnis
    • Nachhaltigkeit
    • eCommerce
    • Point of Sale
    • Marken
  • Stadt
    • Innenstadt
    • Standort
    • Stadtentwicklung
    • Wirtschaftsförderung
  • Digitalisierung
    • Künstliche Intelligenz
    • Digital Marketing
    • Innovation & Trends
    • Technologien
  • Podcast
  • Kurse
    • Personas entwickeln
    • Sortimentsanalyse
    • Content-System & Rhythmus
  • Newsletter
  • Click to open the search input field Click to open the search input field Suche
  • Menü Menü
  • Kunde
    • Kundenorientierung
    • Kundenverhalten
    • Customer Journey
    • Kundenbindung
  • Handel
    • Einkaufserlebnis
    • Nachhaltigkeit
    • eCommerce
    • Point of Sale
    • Marken
  • Stadt
    • Innenstadt
    • Standort
    • Stadtentwicklung
    • Wirtschaftsförderung
  • Digitalisierung
    • Künstliche Intelligenz
    • Digital Marketing
    • Innovation & Trends
    • Technologien
  • Podcast
  • Kurse
    • Personas entwickeln
    • Sortimentsanalyse
    • Content-System & Rhythmus
  • Newsletter
Marilyn Repp

ZDE Podcast 247: Wissen aus der Psychologie für den Handel mit Stefan Suchanek

23. Juni 2026 / Von Marilyn Repp / Lesedauer: 13 Minuten 12 Sekunden
ZDE Podcast

Technologie, KI und Digitalisierung prägen aktuell viele Diskussionen im Handel. Doch welche Rolle spielt dabei der Mensch?
In dieser Folge spricht Handelsexpertin Marilyn Repp mit dem Innenarchitekten und Psychologen Stefan Suchanek darüber, wie Kaufentscheidungen tatsächlich entstehen und warum Atmosphäre, Wohlbefinden und zwischenmenschliche Erlebnisse künftig noch wichtiger werden. Gemeinsam beleuchten sie, wie Händler mit psychologischen Erkenntnissen ihre Verkaufsflächen optimieren und Kunden stärker an den stationären Handel binden können.

Themen der Folge
• Die drei Ebenen von Kaufentscheidungen: kognitiv, emotional und somatisch
• Warum reale Erlebnisse wieder wichtiger werden
• Neuroästhetik und Psychologie im Ladenbau
• Wie Licht, Raumgestaltung und Atmosphäre das Kaufverhalten beeinflussen
• Der Handel als Begegnungsort und „Dritter Ort“
• Praxisbeispiele mit messbaren Umsatzsteigerungen

ZUKUNFT DES EINKAUFENS PODCAST · ZDE Podcast 247: Wissen aus der Psychologie für den Handel mit Stefan Suchanek

Über Stefan Suchanek

Stefan Suchanek ist Innenarchitekt, Psychologe und Experte für Neuroästhetik im Handel. Nach über 20 Jahren Erfahrung in der Gestaltung von Geschäfts- und Verkaufsräumen verbindet er heute Erkenntnisse aus Psychologie, Neurowissenschaft und Architektur, um Handelsflächen wirksamer zu gestalten. Er ist außerdem Autor des Buches „Wirksamer Handeln“.

Shownotes

Stefan Suchanek

Marilyn Repp

Die Folge zum Nachlesen

 

Marilyn Repp:
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe des Zukunft des
Einkaufens Podcasts.
Heute wird es mal wieder menschlich. Wir stellen den Menschen in den
Mittelpunkt. Oft sprechen wir hier im Podcast über Technologien und Innovationen.
Doch ich beobachte – genauso wie mein heutiger Gast –, dass vieles wieder
stärker in Richtung Menschlichkeit und zwischenmenschliche Beziehungen geht.
Deshalb habe ich mir einen Experten eingeladen: Stefan Suchanek. Schön, dass
du dabei bist. Stell dich doch gerne kurz vor.
Stefan Suchanek:
Sehr gerne. Vielen Dank für die Einladung.
Mein Name ist Stefan Suchanek. Ich bin Innenarchitekt und war über 20 Jahre als
Designer und Geschäftsraumentwickler im Retail-Bereich tätig. Während der
Corona-Zeit habe ich zusätzlich Psychologie studiert, um besser zu verstehen, wie
Architektur, Retail und Einkaufsprozesse im Gehirn verarbeitet werden.
Dabei habe ich festgestellt, dass wir auf drei Ebenen mit Menschen
kommunizieren können: auf der kognitiven Ebene, also über Fakten und Preise,
auf der emotionalen Ebene über Marken und Gefühle sowie auf einer dritten
Ebene – der somatischen Ebene. Hier spielen unser Hormonhaushalt und unser
Nervensystem eine entscheidende Rolle.
Diese Aspekte werden in einer zunehmend unsicheren Welt immer wichtiger.
Kunden sind heute durch politische Entwicklungen, gesellschaftliche
Veränderungen und die Vielzahl an Reizen deutlich verunsicherter als früher. Wer
Kunden besser versteht, besitzt ein enormes Potenzial. Ich sehe darin sogar eine
kleine Revolution für den Handel der Zukunft: den Menschen wieder konsequent
in den Mittelpunkt zu stellen.
Marilyn Repp:
Vielen Dank. Da hast du bereits einige spannende Themen angesprochen, auf die
wir gleich noch näher eingehen werden.
Du hast allerdings etwas ausgelassen: Du warst auch viele Jahre beim Fernsehen
tätig. Erzähl uns doch kurz davon.

Stefan Suchanek:
Das stimmt.
Ab 1999 habe ich die Sendung „Tapetenwechsel“ im Bayerischen Fernsehen
begleitet. Das war eine der prägenden Einrichtungssendungen, lange bevor
ähnliche Formate im Privatfernsehen populär wurden.
Dort habe ich unglaublich viel gelernt. Zum einen, wie man Räume mit
vergleichsweise wenig Budget verändern kann. Zum anderen habe ich gelernt,
welche Bedeutung Storytelling hat. Im Fernsehen geht es nicht nur darum, Räume
schöner zu machen, sondern Menschen zu berühren und ihnen Freude zu
bereiten.
Mich hat besonders fasziniert, wie visuelle und atmosphärische Reize Menschen
emotional erreichen. Dadurch entstand bei mir das Interesse, tiefer hinter die
Kulissen zu blicken und zu verstehen, was dabei eigentlich im Menschen passiert.
Das war letztlich auch einer der Gründe, weshalb ich später Psychologie studiert
habe.
Marilyn Repp:
Das ist ein wichtiger Hintergrund, denn genau darum geht es heute.
Wenn wir auf den Handel schauen: Welche psychologischen Themen sollten
Retailer deiner Meinung nach besonders beachten?
Stefan Suchanek:
Der Handel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert.
In den 1950er Jahren kamen die Discounter auf, später der Versandhandel und
schließlich der Onlinehandel. Dadurch wurde der Fokus immer stärker auf Preis
und Funktionalität gelegt. Der Wettbewerb wurde zunehmend über Rabatte
geführt. Schlagworte wie „Geiz ist geil“ haben diese Entwicklung geprägt.
Das hatte auch Auswirkungen auf die Gestaltung von Geschäften. Viele Läden
wurden immer funktionaler und nüchterner. Hauptsache, das Produkt war
verfügbar und der Preis stimmte.
Lange Zeit ging man davon aus, dass Kunden vor allem rational entscheiden und
dort kaufen, wo sie das günstigste Angebot finden. Doch spätestens ab den
1990er Jahren wurde deutlich, dass Emotionen eine viel größere Rolle spielen.
Ein gutes Beispiel ist der FC Bayern München. Früher wurden dort Trikots und
Fanartikel recht nüchtern verkauft. Heute kaufen Menschen nicht nur ein Produkt,

sondern das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Genau das ist die
emotionale Ebene.
Dasselbe sehen wir bei Marken wie Apple oder Coca-Cola. Die Produkte allein
erklären den Erfolg nicht. Entscheidend ist die emotionale Bindung, die Menschen
zu diesen Marken aufbauen.
In den letzten Jahren ist jedoch noch eine dritte Ebene hinzugekommen: die
somatische Ebene.
Hier geht es um die Wirkung von Hormonen, körperlichen Reaktionen und
unserem Nervensystem. Forschungen, unter anderem von Antonio Damasio,
haben gezeigt, dass Entscheidungen nicht allein im rationalen Denken entstehen.
Unser Körper spielt dabei eine wesentlich größere Rolle, als lange angenommen
wurde.
Heute können wir viele dieser Prozesse messen und besser verstehen. Dadurch
erkennen wir, dass Menschen auf bestimmte Reize weltweit sehr ähnlich
reagieren. Bedürfnisse wie Sicherheit, Orientierung, Aufmerksamkeit oder
Zugehörigkeit sind tief in uns verankert.
Ein einfaches Beispiel ist ein Lächeln. Es wird überall auf der Welt verstanden. Es
schafft Vertrauen und Verbindung – unabhängig von Kultur oder Sprache.
Genau diese Erkenntnisse lassen sich auch auf den Handel übertragen.
Wenn wir Räume schaffen, in denen Menschen sich sicher fühlen, Orientierung
finden und positive Emotionen erleben, entsteht Wohlbefinden. Und dieses
Wohlbefinden beeinflusst wiederum Kaufentscheidungen.
Deshalb glaube ich, dass der stationäre Handel heute eine große Chance hat.
Viele Menschen verbringen ihren Alltag in digitalen Welten. Gleichzeitig wächst
das Bedürfnis nach echten Erlebnissen. Der Mensch braucht Begegnungen,
Berührung, Sinneseindrücke und Gemeinschaft.
Deshalb könnte Retail künftig weit mehr sein als ein Ort des Einkaufens. Er kann
zu einem Ort der Begegnung und des Erlebens werden.
Das Einkaufen geschieht dann fast nebenbei.
Marilyn Repp:
Da sprichst du mir aus der Seele.

Gerade beim Thema Community sehe ich große Parallelen. Der stationäre Handel
hat heute vielleicht größere Chancen als jemals zuvor.
Interessanterweise führt ausgerechnet die Entwicklung rund um Künstliche
Intelligenz dazu, dass echte menschliche Erfahrungen wieder wertvoller werden.
Das Analoge, Authentische und Handwerkliche erlebt aktuell eine enorme
Aufwertung.
Ich beobachte das überall – auf Konferenzen, Veranstaltungen und in vielen
Branchen.

Ein Beispiel, das ich oft nenne: Vor Kurzem habe ich einen aktuellen Hollywood-
Film mit Ryan Gosling gesehen. Darin begegnet der Hauptdarsteller einem Alien.

Man würde erwarten, dass dieses Wesen vollständig digital erzeugt wurde.
Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine klassische Puppe, die von einem
Puppenspieler bewegt wird.
Das zeigt sehr deutlich, wie stark sich der Wunsch nach Echtheit und
Handwerklichkeit wieder bemerkbar macht.
Für den stationären Handel ist das eine enorme Chance. Händler verfügen über
Flächen, Produkte, Geschichten und vor allem über direkten Kontakt zu
Menschen.
Genau daraus können einzigartige Erlebnisse entstehen.
Stefan Suchanek:
Absolut.
In diesem Zusammenhang spricht man heute häufig von sogenannter Deprivation.
Das bedeutet vereinfacht gesagt einen Mangel an Reizen oder Erfahrungen, die
unser Körper eigentlich benötigt.
Auf der einen Seite erleben wir eine enorme Reizüberflutung. Informationen
prasseln permanent auf uns ein, unsere Aufmerksamkeitsspanne wird immer
kürzer. Auf der anderen Seite fehlen uns viele sensorische Erfahrungen, die für
Menschen über Jahrtausende selbstverständlich waren.
Früher arbeiteten Menschen auf Feldern, hatten Kontakt zu Tieren, Pflanzen,
Gerüchen und natürlichen Materialien. Sie mussten ihre Umgebung mit allen
Sinnen wahrnehmen. Heute verbringen wir einen Großteil des Tages vor
Bildschirmen. Selbst unsere Freizeit findet oft auf Displays statt.

Unser Körper und unser Gehirn vermissen diese sensorischen Reize. Deshalb
erleben wir derzeit eine starke Rückbesinnung auf analoge Erlebnisse, Handwerk,
Kreativität und echte Begegnungen.
Das ist nicht nur ein Trend – es ist ein menschliches Bedürfnis.
Genau deshalb sollten wir uns im Handel die Frage stellen: Wie gestalten wir
Räume so, dass sie den Menschen guttun? Wie schaffen wir Umgebungen, die
nicht überfordern, sondern positive Sinneserfahrungen ermöglichen?
Ein interessantes Beispiel dafür ist das Thema Duftmarketing.
Seit vielen Jahren versuchen Unternehmen, eigene Markendüfte zu etablieren.
Trotzdem funktionieren viele dieser Konzepte nur begrenzt.
Der Grund ist relativ einfach: Unser Gehirn sucht nach Kohärenz.
Wenn ich einen Laden betrete, in dem Sportartikel verkauft werden, und es riecht
plötzlich nach exotischen Früchten oder einem beliebigen Fantasieduft, entsteht
keine Verbindung zwischen dem, was ich sehe, und dem, was ich rieche.
Unser Gehirn kann diese Informationen nicht sinnvoll zusammenführen.
Wenn es dagegen nach Mango riecht und gleichzeitig Mangos sichtbar präsentiert
werden, entsteht eine stimmige Wahrnehmung. Das Gehirn erkennt einen
Zusammenhang und bewertet die Situation positiver.
Diese sensorische Kohärenz ist ein wichtiger Schlüssel für erfolgreiche
Handelskonzepte.
Wenn Sehen, Riechen, Fühlen und die gesamte Atmosphäre zusammenpassen,
entsteht Wohlbefinden. Die Verweildauer steigt, Menschen fühlen sich sicherer
und treffen Kaufentscheidungen leichter.
Wir kennen das aus vielen anderen Situationen.
Auf einem Volksfest oder in einem Freizeitpark sind Menschen oft bereit, deutlich
mehr Geld auszugeben als im Alltag. Nicht weil die Produkte objektiv wertvoller
wären, sondern weil sie sich in einer positiven emotionalen Stimmung befinden.
Die Atmosphäre beeinflusst unser Verhalten.
Natürlich sollte ein Geschäft nicht zum Jahrmarkt werden. Es geht nicht darum,
Menschen permanent zu bespaßen.

Vielmehr geht es darum, eine Umgebung zu schaffen, in der Menschen gerne
sind, sich wohlfühlen und positive Erfahrungen machen.
Wir haben zahlreiche Projekte begleitet – teilweise mit sehr kleinen Budgets. Allein
durch psychologische Optimierungen konnten wir Umsatzsteigerungen zwischen
22 und 40 Prozent erreichen.
Dabei wurden oft keine großen Umbauten vorgenommen. Häufig ging es lediglich
darum, Atmosphäre, Orientierung und Wahrnehmung gezielt zu verbessern.
Menschen konnten anschließend oft gar nicht genau benennen, was verändert
worden war. Sie sagten lediglich: „Irgendwie fühlt sich dieser Laden besser an.“
Und genau darum geht es.
Wenn Menschen sich wohlfühlen, werden Kaufentscheidungen seltener
abgebrochen. Produkte werden vor Ort gekauft statt online bestellt. Der Einkauf
wird zu einer positiven Erfahrung.
Marilyn Repp:
Spannend. Jetzt fragen sich vermutlich viele Händlerinnen und Händler, wie sie
damit anfangen können.
Muss man dafür zwingend einen Experten engagieren oder gibt es erste Schritte,
die man selbst umsetzen kann?
Stefan Suchanek:
Viele Dinge lassen sich tatsächlich selbst umsetzen.
Aus diesem Grund habe ich mein Buch „Wirksamer Handeln“ geschrieben. Es gibt
bereits viele Bücher über Ladenbau. Was bislang jedoch oft gefehlt hat, ist eine
verständliche Zusammenfassung der psychologischen Hintergründe.
Ein Beispiel dafür ist der sogenannte Peak-Shift-Effekt.
Diesen Effekt kennt man seit Jahrhunderten aus der Architektur von Kirchen,
Klöstern oder anderen besonderen Bauwerken.
Auffällig ist, dass viele dieser Gebäude über hohe Eingänge oder Portale
verfügen. Das hat nicht nur ästhetische Gründe.
Wenn Menschen einen erhöhten Eingang wahrnehmen, richten sie sich
automatisch auf. Der Blick wandert nach oben. Es entsteht ein Gefühl von
Staunen und Bedeutung.

Gleichzeitig zeigen Untersuchungen, dass dabei hormonelle Prozesse ausgelöst
werden. Unter anderem steigt die Ausschüttung von Testosteron, das nicht nur als
Sexualhormon bekannt ist, sondern auch mit Entscheidungsfreude und
Selbstvertrauen zusammenhängt.
Ein faszinierendes Beispiel stammt aus dem Central Park in New York.
Der Künstler Christo installierte dort über einen längeren Zeitraum große Torbögen
entlang der Wege. Die Stadt stellte anschließend fest, dass Menschen plötzlich
deutlich seltener Abkürzungen über die Wiesen nahmen.
Stattdessen gingen sie freiwillig die längeren Wege, weil sie Freude daran hatten,
durch diese Tore zu laufen.
Das zeigt, wie stark Gestaltung unser Verhalten beeinflussen kann.
Übertragen auf den Handel bedeutet das: Schon kleine Veränderungen am
Eingangsbereich können große Wirkungen entfalten.
Ein höher wirkender Eingang, dekorative Elemente, vertikale Türgriffe, Pflanzen
oder eine bewusst gestaltete Eingangssituation können das Gefühl erzeugen,
einen besonderen Ort zu betreten.
Solche Maßnahmen kosten oft vergleichsweise wenig, können aber die
Wahrnehmung eines Geschäfts deutlich verändern.
Marilyn Repp:
Das erinnert mich tatsächlich an Gamification.
Menschen mögen es, kleine Erfolge zu erleben. Ein Tor zu durchschreiten oder
einen besonderen Eingang zu betreten hat fast etwas Spielerisches.
Man fühlt sich belohnt und erlebt einen kleinen positiven Moment.
Stefan Suchanek:
Ganz genau.
Allein die Vorstellung daran löst bereits positive Emotionen aus.
Ob wir durch ein Portal gehen, ein Spiel spielen oder einen besonderen Ort
betreten – entscheidend ist, dass wir Freude empfinden.
Und genau diese Freude fehlt vielen Handelsflächen heute.

Produkte können wir überall kaufen. Innerhalb weniger Sekunden können wir
online bestellen und die Ware am nächsten Tag erhalten.
Der stationäre Handel muss deshalb etwas bieten, das über das reine Produkt
hinausgeht.
Er muss Menschen positive Erfahrungen ermöglichen.
Ein Satz, den ich gerne verwende, lautet:
„Allein die Beseitigung der allgegenwärtigen Lieblosigkeit wäre bereits eine
enorme Bereicherung für die Zukunft des Handels.“
Wenn wir Menschen wieder mit Wertschätzung, Aufmerksamkeit und
Menschlichkeit begegnen, entsteht daraus ein echter Wettbewerbsvorteil.
Der Handel kann ein Ort werden, an dem Menschen sich willkommen fühlen und
gerne Zeit verbringen.
Marilyn Repp:
Bevor wir zu konkreten Beispielen kommen, noch eine Frage:
Funktionieren diese psychologischen Prinzipien vor allem bei hochpreisigen
Produkten und Premium-Stores? Oder lassen sie sich auch im Massenmarkt
anwenden?
Stefan Suchanek:
Das spielt grundsätzlich keine Rolle.
Viele fragen mich, ob ich Erfahrung mit einer bestimmten Branche oder einem
bestimmten Preissegment habe. Meine Antwort lautet immer: Im Mittelpunkt steht
nicht das Produkt, sondern der Mensch.
Menschen unterscheiden sich zwar in ihren Vorlieben, ihre grundlegenden
Bedürfnisse sind jedoch sehr ähnlich.
Jeder möchte sich orientieren können. Jeder möchte sich willkommen fühlen.
Jeder möchte wahrgenommen werden.
Diese Bedürfnisse gelten im Luxussegment genauso wie im Discount-Bereich.
Natürlich unterscheidet sich die gestalterische Umsetzung. Ein exklusiver Store
arbeitet möglicherweise mit anderen Farben, Materialien und Inszenierungen als
ein Trendshop oder ein preisorientiertes Geschäft.

Die psychologischen Grundlagen bleiben jedoch dieselben.
Marilyn Repp:
Das erinnert mich an das Konzept des „Dritten Ortes“.
Der erste Ort ist unser Zuhause. Der zweite Ort ist unser Arbeitsplatz. Der dritte
Ort ist ein Ort, an dem wir uns freiwillig und gerne aufhalten.
Viele Innenstädte und Handelskonzepte beschäftigen sich seit Jahren mit dieser
Idee. Der Handel könnte genau so ein Ort sein – ein Ort, an dem Menschen gerne
Zeit verbringen und positive Erfahrungen sammeln.
Stefan Suchanek:
Absolut. Das passt sehr gut zu den Entwicklungen, die wir aktuell beobachten.
Marilyn Repp:
Lass uns über konkrete Ergebnisse sprechen.
Viele Händlerinnen und Händler fragen sich natürlich, welchen Return on
Investment solche Maßnahmen bringen können.
Hast du Beispiele aus deiner Praxis?
Stefan Suchanek:
Ja, durchaus.
Wir haben beispielsweise mit einem großen Blumenhändler gearbeitet, der vor
allem im Distanzhandel aktiv ist und mit tausenden Blumenfachgeschäften
zusammenarbeitet.
Für eine Filiale in Berlin haben wir ein Optimierungskonzept entwickelt.
Natürlich wurden einige klassische Maßnahmen umgesetzt, etwa Anpassungen
bei Bodenbelägen und Wandfarben. Der eigentliche Hebel lag jedoch in den
psychologischen Optimierungen.
Wir haben beispielsweise die Präsentation der Blumen verändert. Produkte
wurden angehoben, Hintergründe dunkler gestaltet und gezielte Lichtakzente
gesetzt.
Dadurch wirkten die Blumen deutlich plastischer und hochwertiger.
Unser Auge verarbeitet dreidimensionale Reize besonders gut. Deshalb erhöht
eine bessere Tiefenwirkung häufig auch die Aufmerksamkeit für Produkte.

Nach einem Umbau gibt es fast immer einen kurzfristigen Umsatzanstieg, weil
Kunden neugierig werden. Spannend wird es jedoch erst, wenn man die
Entwicklung über längere Zeiträume betrachtet.
In diesem Fall haben wir die Zahlen nach einem Jahr mit denen des Vorjahres
verglichen.
Das Ergebnis war eine Umsatzsteigerung von rund 40 Prozent.
Ein wesentlicher Grund dafür war die erhöhte Zahl von Impulskäufen.
Menschen nahmen die Produkte anders wahr und fühlten sich stärker zum Kauf
angeregt.
Ein weiterer wichtiger Bereich waren die Schaufenster.
Viele Geschäfte wirken von außen unbewusst geschlossen, obwohl sie geöffnet
haben.
Das liegt häufig an Spiegelungen.
Wenn Kunden aufgrund von Reflexionen nicht in den Laden blicken können,
entsteht unterbewusst der Eindruck einer Barriere.
Deshalb arbeiten wir intensiv mit Licht, Transparenz und Sichtachsen.
Besonders wichtig sind dabei die Seitenbereiche eines Schaufensters. Die
meisten Menschen nähern sich einem Geschäft nicht frontal, sondern aus einem
Winkel.
Oft wird die Dekoration jedoch ausschließlich mittig platziert.
Dadurch gehen viele Blickkontakte verloren.
Hinzu kommt ein weiterer Fehler: Manche Händler schalten tagsüber die
Schaufensterbeleuchtung aus.
Dadurch entstehen stärkere Spiegelungen und die Einblicke in das Geschäft
werden erschwert.
Das Unterbewusstsein interpretiert dunkle Bereiche häufig als weniger einladend.
Wir Menschen bevorzugen instinktiv helle, sichere und gut erkennbare
Umgebungen.

Wenn wir Schaufenster so gestalten, dass sie Offenheit, Transparenz und
Orientierung vermitteln, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass
Menschen das Geschäft betreten.
Genau das berichten uns viele Händler nach entsprechenden Optimierungen.
Kunden sagen dann häufig:
„Ich bin einfach hereingekommen, weil der Laden so angenehm wirkt.“
Für mich ist das eines der größten Komplimente überhaupt.
Menschen betreten den Laden nicht wegen eines konkreten Produkts, sondern
wegen des positiven Eindrucks, den die Atmosphäre vermittelt.
Aus diesem ersten Eindruck entsteht anschließend Interesse – und oft auch ein
Kauf.
Marilyn Repp:
Das klingt nach einem sehr spannenden Zusammenspiel aus Psychologie,
Gestaltung und Wirtschaftlichkeit.
Eine Frage höre ich in diesem Zusammenhang häufig:
Wo endet eine positive Gestaltung – und wo beginnt Manipulation?
Stefan Suchanek:
Diese Frage wird mir tatsächlich regelmäßig gestellt, insbesondere von
Studierenden.
Meine Antwort ist immer dieselbe:
Wenn wir morgens aufstehen, könnten wir theoretisch alle dieselbe graue
Kleidung tragen. Sie würde ihren Zweck erfüllen.
Trotzdem entscheiden wir uns bewusst für bestimmte Farben, Marken oder Stile.
Warum?
Weil wir uns damit wohler fühlen.
Wir gestalten unser Umfeld ständig – unsere Kleidung, unsere Wohnungen,
unsere Arbeitsplätze.
Deshalb spreche ich nicht von Manipulation.

Ich spreche von Verzauberung, Inspiration oder Verführung im positiven Sinne.
Menschen möchten berührt werden. Sie möchten schöne Erfahrungen machen.
Wenn wir in ein gutes Restaurant gehen, bezahlen wir nicht nur für das Essen. Wir
bezahlen für Atmosphäre, Gastfreundschaft und das Erlebnis.
Dasselbe gilt für den Handel.
Es geht darum, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen sich wohlfühlen und
gerne Zeit verbringen.
Das ist für mich keine Manipulation, sondern ein Ausdruck von Kultur und
Menschlichkeit.
Marilyn Repp:
Und letztlich suchen Menschen genau danach: nach Erlebnissen.
Ob es soziale Begegnungen, Community, inspirierende Räume oder besondere
Präsentationen sind – wir erinnern uns an die Momente, die etwas in uns
ausgelöst haben.
Genau darin liegt die große Chance des stationären Handels.
Die reine Versorgung können Onlinehandel und Logistik hervorragend
übernehmen.
Die Frage für den Handel lautet deshalb: Welche Erlebnisse schaffen wir, die
Menschen online nicht bekommen können?
Lieber Stefan, vielen Dank für die vielen spannenden Einblicke und die
praxisnahen Beispiele.
Wir werden uns sicherlich bald wieder auf einer Bühne oder bei einer
Veranstaltung begegnen.
Vielen Dank, dass du heute dabei warst.
Stefan Suchanek:
Vielen herzlichen Dank für die Einladung. Es hat mir große Freude gemacht.
Marilyn Repp:
Vielen Dank fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge von „Zukunft des
Einkaufens“.

0 Kommentare/
Kategorie: Zukunft des Einkaufens Podcast
Schlagworte: Community, Digitalisierung, Discounter, Gamification, Inspiration, KI, Ladenbau, Logistik, Marken, Podcast
Das könnte Sie auch interessieren
Female Retail Podcast #71 mit Sonja Moosburger von MediaMarkt Saturn N3XT
https://bdi.eu/media/pages/specials/industry-spotlight-circular-economy-studie/f9ba7d99d4-1777457891/26-04-28-circular-economy_bcg-bdi_de_langversion-studie.pdf Kreislaufwirtschaft für KMUs wird zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor
schuhtingstar Relevant Retail Podcast Folge 30: Schuhtingstar bringt Wind in die Schuhbranche.
ZDE Podcast ZDE Podcast Folge 119: Anlassbezogener Konsum
zukunft des handels brand eins Konferenz ‚Zukunft des Handels‘
EM Promotions: Auch am PoS wird um den Europameistertitel gekämpft!
0 Kommentare

Ihr Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlassen Sie gern einen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Neueste Artikel

  • Moderne Self-Service-Umgebung mit Fokus auf unsichtbare Behinderungen und barrierefreie Technik
    Höchste Zeit zum Umdenken!
  • Agentic Commerce Geschäftsmodelle
    Agentic Commerce 8/10: Geschäftsmodelle im KI-Zeitalter: Wer überlebt?
  • Menschen verschiedener Altersgruppen gehen nebeneinander auf einem Gehweg. Mit zunehmendem Alter werden Hilfsmittel wie Gehstock oder Rollator sichtbar.
    Mit 25 denkt niemand an Behinderungen – mit 70 hast du sie!
  • Ältere Frau nutzt ein barrierefreies Self-Service-Terminal im Supermarkt, während weitere Kunden unterschiedliche digitale Einkaufslösungen verwenden.
    Barrierefreiheit im Handel – das BFSG verpflichtet und eröffnet Chancen
  • Person steht abends in einem blau getönten Wohnzimmer vor einem großen Wandbildschirm, auf dem personalisierte Produktempfehlungen und Profil-Icons eingeblendet sind, und betrachtet die KI-vorgefilterte Auswahl aufmerksam.
    Agentic Commerce 7/10: Personalisierung neu gedacht – Mensch und Maschine im Zusammenspiel
Alle Artikel
Whitepaper Handel 2025

Exklusiv für neue Newsletter-Abonnenten: Whitepaper „Der Handel im Jahr 2025„.

Jetzt anmelden

Alle Downloads

Unterstuetzer werden

Unsere Unterstützer

Online Software AG
innector
Ihr Logo
(C) Zukunft des Einkaufens, 2025
  • Link to Facebook
  • Link to Instagram
  • Link to Youtube
  • Link to Soundcloud
  • Link to LinkedIn
  • Link to Mail
  • Newsletter
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • Impressum
Link to: Höchste Zeit zum Umdenken! Link to: Höchste Zeit zum Umdenken! Höchste Zeit zum Umdenken!Moderne Self-Service-Umgebung mit Fokus auf unsichtbare Behinderungen und barrierefreie Technik
Nach oben scrollen